Ausfälle wiegen schwer

Foto: Wolfenberg

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Die Hypothek, die auf der Mannschaft des Handball-Drittligisten OHV Aurich lastete, ist schlichtweg zu groß gewesen: Sie konnte gegen die Bundesligareserve des VfL Gummersbach im Angriff die verletzungsbedingten Ausfälle ihrer Rückraumspieler

nicht kompensieren und war auch insgesamt zu dünn besetzt, um um eine Niederlage herumzukommen. Daran konnte auch der Einsatz des kurzfristig aktivierten Torben Lemke nichts ändern. Der OHV verlor mit 26:29 Toren.

„Qualität und Quantität haben gefehlt“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha. Der Mannschaft machte er keinen Vorwurf. Im Gegenteil. Er war stolz auf den Kampf, den sein Team dem Gegner in dieser Situation geliefert hatte: „Alle haben sich bemüht.“ Und auch die Fans gaben, ausgestattet mit Klatsch-pappen, ihr Bestes. In der Summe aber reichte es für den OHV nicht, um gegen den VfL erfolgreich zu bestehen.

Von einer Ausnahmesituation sprach nach dem Spiel Lemke, der eigentlich Ende vergangener Saison vorerst mit dem Handball abgeschlossen hatte, um sich ganz auf sein Referendariat zu konzentrieren. „Es steht viel auf dem Spiel. Deshalb habe ich es probiert, den Kampf anzunehmen“, so Lemke. Entsprechend enttäuscht war er über das Ende. Wie alle anderen Auricher auch.

So, wie von Lemke, nahezu ohne Training, keine Wunderdinge zu erwarten waren, wäre es illusorisch gewesen, zu glauben, dass die übrigen im Team die Ausfälle adäquat ersetzen konnten. Ohne damit ihre Leistung zu schmälern. Die war aller Ehren wert. Bis zum Schluss stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage.

Der Anfang war bezeichnend für den weiteren Verlauf. Josip Crnic hatte mit dem ersten Angriff des OHV bei einem Gegenstoß Pech, dass der Ball vom Innenpfosten zurückprallte.

Der OHV führte zwar trotzdem. Zwischen der neunten und 15. Minute wendeten die Gummersbacher das Blatt. Daran konnte auch ein gut haltender Frederik Möhlmann im Tor des OHV nichts ändern. Die Auricher öffneten dem Gegner mit ihren Fehlwürfen, zu überhastet abgeschlossenen Angriffen oder Abspielfehlern, die mangels fehlender Abstimmung nicht erstaunten, die Tür für Gegenstöße. Ruckzuck kam der VfL zu Toren und schien den Aurichern zu enteilen. Fünf Tore betrug der Rückstand zwischenzeitlich.

Blacha versuchte, mit den Kräften seiner Spieler hauszuhalten, indem er in der ersten Halbzeit häufiger wechselte.

Die Auricher gingen dann aber doch mit einem Mut machenden Zwischenergebnis in die Pause. Karlo Oroz hatte nach einem klasse Zuspiel des erstmals nach langer Verletzungspause wieder zum Einsatz gekommenen Niklas Bachmann per Gegenstoß auf 10:13 verkürzt, Möhlmann anschließend einen Siebenmeter gehalten und Michael Schröder mit der Halbzeitsirene zum 11:13 getroffen.

Die Auricher wollten mehr, mussten aber Kraftakte vollbringen, um das auch umzusetzen. Das ging an die Substanz. Mehrmals gelang ihnen der Ausgleich. In der 46. Minute traf Tim Stapenhorst aus dem Rückraum zum viel umjubelten 22:21. Es sollte die einzige Führung des OHV in der zweiten Halbzeit bleiben. Daran konnte auch Youri Denert nichts ändern, der ab der 40. Minute im Tor des OHV stand und sich gute Noten verdiente.

Bis zur 52. Minute war nichts entschieden. Als die Schiedsrichter dann eine Angriffsaktion von Paul Jordan als Stürmerfoul werteten, eine zweifelhafte Entscheidung, und der VfL seine Führung mit einem erfolgreich abgeschlossenen Gegenstoß auf drei Tore ausbaute (27:24), war das für den OHV ein erster Dämpfer im Bemühen, die drohende Niederlage noch abwenden zu können. Der zweite folgte dann gleich darauf, als erneut Crnic beim Abschluss vom Pech verfolgt war. Diesmal von der rechten Außenseite. Der Ball sprang vom Innenpfosten wieder nicht hinter die Torlinie. Der VfL erhöhte im Gegenzug auf 28:24. Vier Minuten vor Schluss war das die Vorentscheidung. Auch mit einer offenen Manndeckung konnten die Auricher die Niederlage nicht mehr abwenden.

Bei allem Engagement seiner Mannschaft, die das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht hatte, redete Blacha das Ergebnis nicht schön: „Wenn du keine zwei Pluspunkte verbuchen kannst, bist du der Verlierer.“ Und wenn sich an der personellen Lage nichts ändert, dann, so Blacha, „haben wir es mit dem Abstieg zu tun.“

„Wir müssen uns bis zur Weihnachtspause rüberretten“, sagt Lemke, für den sein Einsatz gegen den VfL zunächst eine einmalige Sache gewesen ist. Anfang Dezember steht seine Prüfung an. „Und dann wird man weitersehen.“

Foto: Jonas Schweigart

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