Das ist nicht das Ende - Misere des THW

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Der THW Kiel hat das zweite Spiel in Folge verloren. Das stößt vielen vor allem sauer auf, weil die Gegner nicht Barcelona und Paris hießen, sondern Hannover und Melsungen. Sollte nicht alles besser werden in diesem Jahr?

Der THW Kiel hat sein Auswärtsspiel bei der MT Melsungen mit 25:29 (10:15) verloren. Nicht nur die somit zweite Niederlage in Folge sorgte für Kopfschütteln bei den Betrachtern, sondern vor allem die Art und Weise, in der es den Nordhessen gelang, den Rekordmeister auf Distanz zu halten.
THW verliert gegen eine klar überlegene MT Melsungen

Diese Niederlage war deutlich, verdient und schmerzhaft. Und sie zeichnete sich bereits in der Anfangsphase ab. Zwar erwischten die Zebras den leicht besseren Start, führten nach gut sechs Minuten mit 2:0, im Anschluss aber warfen sie sich immer wieder selbst Knüppel zwischen die Beine. Die MT ließ sich nicht beeindrucken. Deren 3:3-Ausgleich und erste Führung (6:5/13.) begünstigten die Kieler durch technische Fehler, falsche Entscheidungen und schlampige Anspiele. Der sonst so quirlige und kreative Spielmacher Miha Zarabec fand keinen Zugang, auch seine Nebenleute Nikola Bilyk und Marko Vujin machten keine glückliche Figur, und nicht nur Kreisläufer Patrick Wiencek prallte am Mittelblock um Finn Lemke immer wieder ab. Das Resultat: ein ideenloser Angriff ohne Durchschlagskraft und Zug zum Tor.

Die MT entwickelte aus der bärenstarken Abwehr ein geduldiges Angriffsspiel, in dem Kühn auf Halblinks und Lasse Mikkelsen in der Rückraummitte überragten. Gemeinsam mit dem Ex-Kieler Dener Jaanimaa gelang es ihnen, den THW immer wieder vor Probleme zu stellen. Auf der Gegenseite verpufften viele Bemühungen im Nichts, konnten nach ihrer Einwechslung auch Lukas Nilsson und Steffen Weinhold keine echten Akzente setzen. Weinhold beklagte nach der Partie fehlende Investitionen in die zweite Welle, was „wir hätten machen müssen, wenn der Gegner zwischen Angriff und Abwehr zwei Mal wechselt“. Das war längst nicht das einzige Problem. Die Verunsicherung des THW wuchs mit zunehmender Spieldauer, „kaum jemand hat sich mal ein Herz gefasst“, sagte Rune Dahmke. Stattdessen bestimmten halbgare Kreisanspiele und horizontale Laufwege das Bild. Von 11:10 (24.) zog die MT bis zur Halbzeit auf 15:10 davon.

Nach der Pause kam zunächst kurz das Gefühl auf, THW-Coach Alfred GIslason hätte mit seiner fälligen Standpauke seinen Spielern neue Impulse eingeimpft - doch der kurze Zwischensprint zum 13:16 (34.) erwies sich als Strohfeuer. Die wiederkehrende 3:2:1-Abwehr, die Gislason schon kurz vor der Pause anberaumt hatte, provozierte zwar einige Ballverluste, konnte die Schwächen der Offensive aber nicht ausgleichen. Zwar machten die Kieler kaum noch technische Fehler, dafür verschossen sie nun reihenweise freie Bälle und brachten MT-Torhüter Nebojsa Simic endgültig auf Betriebstemperatur, so dass der erkältete Johan Sjöstrand einen Tag auf der Bank verbringen konnte. Innerhalb von drei Minuten ging Melsungen auf 20:13 weg, traf beinahe nach Belieben, auch weil beide Kieler Keeper keine Leistung auf die Platte brachten, mit vier (Wolff) und null (Landin) Paraden enttäuschten.

Während Melsungen trotz des hohen Vorsprungs und der frenetischen Fans geduldig blieb, hatte der THW längst den Kopf verloren und fand ihn nicht wieder. Gislason stellte viel um, wechselte durch, allein es half nicht. Als Kühn durch kurze Deckung aus dem Spiel genommen werden sollte, verlagerte Melsungen das Spiel an den Kreis und war auch dort erfolgreich. Weder 6:0- noch 3:2:1-Deckung der Zebras waren griffig, der Angriff lahmte auf ganzer Linie. Sie kämpften, das war zu spüren, aber sie waren schlicht unterlegen. Spätestens beim 28:23 (57.) war alles entschieden, als Weinhold in den Monsterblock Lemke/Kühn warf und Tobias Reichmann per Gegenstoß traf. Die Rothenbach-Halle stand Kopf, die Kieler ließen ihre Köpfe hängen.

 Misere des THW?

Nun machen zwei verlorene Spiele noch keine Krise. Dennoch ist erschreckend, wie schnell die ersten guten Eindrücke verpufft sind. Die Zebras verfielen in alte Muster: Chancenwucher, statisches Angriffsspiel, Verunsicherung. Vor der Saison hatten die Verantwortlichen deutlichst Ergebnisse gefordert, auch angesichts einer kompletten Vorbereitung und dem Fortschritt des viel zitierten Umbruchs. Diese Ergebnisse heißen: Siege und Titel. Mit einer Leistung wie in Melsungen ist das nicht zu schaffen.

Dass der THW schon vor den Partien gegen die Löwen und Flensburg vier Minuspunkte auf dem Konto hat, ist enttäuschend. Aber es ist nicht das ganze Bild. Der kommende Meister wird mehr als drei "Miese" haben. Und die Bundesligaspitze ist breiter und dichter als in den goldenen Kieler Jahren. Teams wie Melsungen, Magdeburg oder Berlin können die "Großen" jederzeit ärgern, das erfuhr auch Flensburg in Hannover.

Sicher kann man ob der schwachen Leistung in Kassel die Trainerfrage stellen, das ist nicht verboten. Doch die Antwort auf zwei verlorene Spiele kann nicht "Gislason raus" lauten. Trainer, Manager, Spieler - sie alle müssen Fehler aufarbeiten. Doch um erfolgreich sein zu können, braucht der THW auch die Unterstützung der Fans. Die Antwort muss also lauten: Reißt euch zusammen. Alle.

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