Sieben Jahre Kiel, sieben Jahre Flensburg

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Am 14. September schrieb Mattias Andersson Geschichte. Im Heimspiel der SG Flensburg-Handewitt stand der Schwede zum 500. Mal in der Handball-Bundesliga auf dem Parkett. Nur acht Spieler erreichten vor ihm diese Marke.

Nach 17 Jahren in der deutschen Eliteklasse beendet der Torhüter im Sommer seine Karriere, hängt im Alter von 40 Jahren die Handballschuhe an den Nagel. Zurückblicken will er noch nicht - "das ist schwer, wenn man noch spielt", sagt Andersson. "Man denkt immer nur vom letzten bis zum nächsten Spiel." Und das nächste Spiel ist ein Derby: Am Sonntag (15 Uhr) trifft er mit Flensburg auf seinen Ex-Klub THW Kiel.

"500 Bundesligaspiele sind eigentlich nur eine Nummer", sagt Andersson. "Aber ich bin auch stolz. Nicht auf die Zahl, sondern darauf, so viele Jahre lang Leistung gebracht zu haben." Er tat das in Kiel (2001 bis 2008), das er verließ, weil er hinter Steinar Ege, Henning Fritz und Thierry Omeyer stets nur zweiter Torhüter war. Er tat es in Großwallstadt (2008 bis 2011), wo er sich als Star der Mannschaft weiterentwickelte. Und er tut es seit 2011 in Flensburg, als Leitwolf und Sieggarant, als Torhüter, der Spiele beinahe allein entscheiden kann. In der laufenden Bundesligasaison führt der 39-Jährige einmal mehr die Paraden-Rangliste an, 185 sind es, im Schnitt 12,3 pro Spiel. Die Quote von 35,17 Prozent gehaltener Bälle ist wie gewohnt Weltklasse.

Im Sommer 2018 wird "Matti" sieben Jahre in Flensburg verbracht haben, sieben waren es auch in Kiel. Zwei Weltklasse-Klubs, zwei erbitterte Rivalen, zwei Top-Adressen. "Ich hatte in Kiel eine tolle Zeit, und ich habe sie in Flensburg. Es sind zwei tolle, sehr professionelle Vereine, in denen es immer um Leistung geht. Ich werde oft nach den Unterschieden gefragt - ich vermeide es zu vergleichen. Es kommt auf beiden Seiten meist falsch rüber", sagt er und lacht. "Außerdem kann man es gar nicht richtig." Zu viel hat sich verändert. "In Kiel war ich jung und neu in Deutschland, habe fast ausschließlich mit meinen Mannschaftskameraden Zeit verbracht. In Flensburg ist es ganz anders, ich habe zwei Kinder, bin schon lange hier und habe ein ganz anderes Netzwerk außerhalb des Handballs."

Im Zebra-Journal unserer Zeitung antwortete Andersson im Jahr 2006 auf die Frage "Was machst du in zehn Jahren?" mit "Das gleiche wie heute - das Leben genießen". Trifft das zu? "Grundsätzlich ja. Aber ich würde mir wünschen, es noch mehr zu genießen", sagt er. "Man lebt in diesem Trott von Spiel zu Spiel mit vielen Reisen. Man muss versuchen, sich bewusster Auszeiten zu nehmen. Aber in erster Linie geht es einfach darum, Leistung zu bringen." Rund sechs Monate wird er sich für die SG zerreißen. Dann ist Schluss - mit allen Vor- und Nachteilen.

"Ich freue mich darauf, mehr Zeit für meine Familie zu haben. Auch mal spontan etwas machen zu können, sich mit Kumpels zu verabreden, ohne monatelang vorauszuplanen", erklärt Andersson, der nach dem Ende der aktiven Karriere dem Handball verbunden bleiben wird und vorhat, als Torhüter-Coach zu arbeiten - "nicht als reiner Torwarttrainer, sondern mit allen Sachen, die dazugehören: Krafttraining, Mentalarbeit, Dinge außerhalb des Handballfeldes". Ganz leicht wird der Abschied nicht. "Ich weiß, dass ich sehr viele Sachen vermissen werde", sagt Andersson. Dazu gehören auch die Derbys.

"Es ist ein Privileg, diese Derbys spielen zu dürfen, sie gehören zu dem Besten, was es im Sport gibt", sagt der 39-Jährige. "Auch wenn sie in letzter Zeit ein bisschen inflationär geworden sind." Insgesamt hat Andersson zwischen 2001 und 2008 sowie von 2011 bis heute 43 Landesduelle gespielt, 16 für den THW, 27 für die SG. "Mein erstes Derby mit dem THW in Flensburg, als wir dort Meister geworden sind, wird immer etwas Besonderes bleiben", sagt er über den 25. Mai 2002. "Und das Derby 2014 mit Flensburg in Köln, als wir das Champions-League-Finale gegen den THW gewonnen haben."

Am Sonntag geht die SG als Tabellenführer ins Spiel, bei einem Sieg würde der Vorsprung auf die Zebras acht Punkte betragen. Es wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg zum ersehnten Meistertitel mit der SG, den die Generation Andersson, Mogensen, Svan und Co. bislang verpasste. "Die Saison ist lang, es wird noch viel passieren. Ich bin so lange dabei, ich weiß, dass es auf Kleinigkeiten ankommt", sagt Andersson. "Aber klar: Mit einem Titel abzutreten, wäre ein Traum."

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