Harald Reinkind über den Traum vom Double

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Nach dieser Saison wechelt Harald Reinkind von den Rhein-Neckar Löwen zum THW Kiel. Im Interview spricht der Norweger unter anderem über seine vier Jahre bei den Löwen, den Lerneffekt an der Seite von Alexander Petersson und das Saisonfinale.

Für den wurfgewaltigen Halbrechten steht fest: Sich mit der dritten Meisterschaft aus Mannheim und der Region zu verabschieden, ist realistisch - und die Erfüllung eines sportlichen Traums.

Harald, Anfang Mai habt ihr den Fluch von Hamburg beendet und seid Pokalsieger geworden. Welchen Stellenwert hat dieser Titel?

Harald Reinkind: Ich war zum vierten Mal beim Final Four, einige andere haben noch häufiger daran teilgenommen. Deswegen sind wir sehr glücklich, dass es endlich mit dem Pokalsieg geklappt hat. Es war ein überragendes Wochenende in Hamburg.

Warum hat es nach dem Triumph keine große Feier gegeben?

Reinkind: Es ist schwer, an einem Sonntagabend etwas auf die Beine zu stellen (lacht). Nein, ganz ehrlich: Wir waren alle ziemlich erschöpft und wussten außerdem, dass vor uns eine wichtige Woche liegt mit den Spielen gegen Magdeburg und in Berlin. Aber ich hoffe, dass wir bald einen zweiten Titel feiern können – und dann müssen wir eben doppelt Gas geben.

Trainer Nikolaj Jacobsen hat davon gesprochen, dass die Anspannung im Team vor dem Final Four sehr groß war. Wie hast du das wahrgenommen?

Reinkind: Bei den Spielern, die schon länger bei den Löwen sind, hat man schon ein komisches Gefühl und ein bisschen Stress gespürt. Nach all den Jahren, in denen der Club in Hamburg leer ausgegangen ist, war das aber auch verständlich. Aber in diesem Jahr haben wir es gut gemacht.

Kommt jetzt trotz der Niederlage in Berlin noch ein weiterer Titel dazu?

Reinkind: Das hoffe ich. Wir müssen einfach weiterhin unseren Job machen und haben alles in der eigenen Hand. Ich glaube an die Qualitäten unserer Mannschaft und bin deshalb davon überzeugt, dass wir auch die Meisterschaft gewinnen. Aber wir wissen auch, dass wir nicht nachlassen dürfen und sind gewarnt. In der Vorrunde haben wir gegen Melsungen verloren.

Du hast die Entwicklung des Clubs in den vergangenen Jahren mitgeprägt. Die Löwen hatten auf nationaler Ebene lange nichts gewonnen und jetzt klappt plötzlich fast alles. Wie ist das zu erklären?

Reinkind: Wir sind eine eingespielte Mannschaft mit wirklich vielen tollen Handballern, die alle unterschiedliche Qualitäten einbringen und sich sehr gut ergänzen. Außerdem verstehen wir uns auch außerhalb des Feldes sehr gut, der Zusammenhalt ist sehr ausgeprägt und die Atmosphäre innerhalb des Teams sehr gut. Diese Mannschaft ist meiner Meinung nach einfach toll zusammengestellt.

Vor dieser Saison hatte man euch nach dem Abgang von Kim Ekdahl du Rietz wieder nicht als Topfavorit auf der Rechnung. Warum ist trotzdem wieder die Meisterschaft drin?

Reinkind: Weil Mads Mensah Larsen diese Lücke überragend geschlossen hat. Er hat in dieser Saison gezeigt, welch großes Potenzial in ihm steckt und viel Verantwortung übernommen. Mit Mikael Appelgren und Andreas Palicka haben wir außerdem ein sehr gutes Torwart-Duo, dazu stellen wir meistens eine starke Abwehr aufs Feld. Da wird es dann auch irgendwann schwer, ein Tor gegen uns zu werfen. Und wenn man dann selbst nicht in jedem Angriff einen Treffer erzielen muss, wird es leichter, Spiele zu gewinnen.

Seit einigen Wochen ist Kim wieder da: Was gibt er dieser Mannschaft?

Reinkind: Kim ist Kim. Es gibt nicht so viele Menschen wie ihn, aber er ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung für unsere Mannschaft. Mit seinen Qualitäten bringt er natürlich eine neue Dimension in unser Spiel, das hat er seit seiner Rückkehr ja schon mehrfach gezeigt. Noch dazu macht er als Ersatz für Gedeón Guardiola einen überragenden Job im Mittelblock. Als Kim nach etwas mehr als einem halben Jahr Pause wieder bei uns in der Trainingshalle stand, hat man nicht gemerkt, dass er monatelang kein Handball gespielt hat. Das ist der Wahnsinn, einfach phänomenal.

War dir klar, dass er zurückkehren wird?

Reinkind: Ich habe mir bei seinem Abschied schon gedacht, dass er irgendwann wieder spielen wird. Allerdings bin ich nicht davon ausgegangen, dass das so schnell geht. Und keinesfalls habe ich damit gerechnet, dass Kim dann noch mal zu den Löwen zurückkehrt. Aber wir alle freuen uns, dass er wieder da ist. Einen Mann wie ihn hat man immer gerne im Team.

Die vergangenen Jahre liefen sehr erfolgreich für die Löwen mit zwei Meisterschaften und dem Pokalsieg. Warum hat es auf internationaler Ebene nicht wie erhofft geklappt?

Reinkind: Es ärgert mich schon, dass wir in den vergangenen Jahren nicht besser in der Champions League abgeschnitten haben. Okay, in dieser Saison waren es spezielle Umstände, die zu unserem Ausscheiden im Achtelfinale geführt haben. Das ist schade gewesen, weil wir gegen Kielce meiner Meinung nach eine gute Chance aufs Weiterkommen gehabt hätten. Aber auch in den Jahren davor haben wir es nicht geschafft, das Achtelfinale zu überstehen – und da haben wir alle eigentlich einen anderen Anspruch. Das Viertelfinale sollte es schon sein. Und nicht nur ich, sondern wahrscheinlich jeder Handballer träumt auch davon, mal beim Final Four in Köln zu spielen.

Wie schon 2017 ist auch in diesem Jahr keine deutsche Mannschaft bei der Endrunde der Königsklasse dabei. Wie erklärst du dir das?

Reinkind: Ich denke, dass es dafür mehrere Gründe gibt. Erst einmal glaube ich nicht, dass man das aus deutscher Sicht überbewerten sollte. Es ist sicherlich ein bisschen Zufall dabei. Andererseits spiegelt die Besetzung des Final Fours im vergangenen und in diesem Jahr auch die Entwicklungen und Tendenzen im europäischen Handball wieder. In der Bundesliga ist die Belastung unheimlich hoch, da fällt es schwer, immer richtig zu regenerieren und dann auch in jedem Champions-League-Spiel an das Optimum heranzukommen. Die französische Liga wird hingegen immer besser – und dann gibt es noch in einigen Ländern einzelne Vereine wie den FC Barcelona, Vive Kielce, Telekom Veszprem oder zuletzt auch Vardar Skopje, die viel Geld investieren, auf nationaler Ebene wenig gefordert werden und sich deswegen einzig und allein auf die Champions League konzentrieren.

Nach vier Jahren bei den Löwen wechselst du im Sommer zum THW Kiel. Was sind die Gründe für deinen Abschied?

Reinkind: Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Es war auch keine Entscheidung gegen die Löwen, sondern für den THW Kiel. In mir reifte einfach mit der Zeit die Überzeugung, noch einmal etwas Neues zu machen.

Aber vielleicht spielt der Club in der nächsten Saison noch nicht einmal im EHF-Pokal.

Reinkind: Ab und zu gucke ich natürlich auf die Tabelle. Aber ich kann nicht beeinflussen, auf welchem Rang der THW diese Saison beendet. Meine Konzentration gilt den Löwen, mit denen ich noch etwas erreichen will. Und ob Kiel dann in der nächsten Saison im Europapokal dabei ist, sehe ich nach dem letzten Spieltag. Ich gehe das pragmatisch an: Reicht es für den EHF-Pokal, ist es schön. Wenn nicht, haben wir mehr Zeit, uns auf die Bundesliga zu fokussieren.

Wie bewertest du deine Zeit bei den Löwen? Du bist 2014 vom norwegischen Erstligisten Fyllingen gekommen. Das war ein großer Sprung.

Reinkind: Der Wechsel damals war ein großer Schritt für mich. Ein neues Land, eine neue Liga, eine neue Sprache. Aber es war die richtige Entscheidung, zu den Löwen zu wechseln. Ich bin hier ein besserer Spieler geworden, habe einige Titel gewonnen, neue Freunde gewonnen und mein Sohn wurde hier geboren. Es sind sehr viele schöne Dinge passiert.

Was war dein schönster Augenblick bei den Löwen?

Reinkind: Die erste Meisterschaft, keine Frage. Das war so unglaublich schön und gleichzeitig erlösend, endlich diesen ersten nationalen Titel für die Löwen gewonnen zu haben.

Als du zu den Löwen gekommen bist, hast du dich sehr auf die Zusammenarbeit mit deinem Rückraumkollegen Alexander Petersson gefreut. Wie fällt dein Fazit nach vier Jahren aus?

Reinkind: Wir sind unterschiedliche Spielertypen und jeder hat seine Fähigkeiten für die Mannschaft eingebracht. Ich denke, dass wir uns mit unseren Qualitäten sehr gut ergänzt haben. Alex gibt der Mannschaft unglaublich viel, er ist ein Weltklassespieler. Am meisten imponieren mir seine Disziplin und sein Eifer. Er zeigt allen anderen, was man täglich tun muss, um auf so einem hohen Niveau zu spielen.

Was auch für euren zweiten isländischen Routinier gilt …

Reinkind: Absolut. Gudjon Valur Sigurdsson und Alexander Petersson sind absolute Vollprofis. Sie sind Vorbilder und gehen alles, was mit Handball zu tun hat, mit großer Leidenschaft an.

Dein Löwen-Kollege Hendrik Pekeler wechselt auch nach Kiel: Hast du die Befürchtung, dass er wieder Kassenwart wird?

Reinkind: Nein, diese Sorge muss ich nicht haben. Denn ich bin nicht derjenige, der bei uns die meisten Strafen zahlen muss. Vielleicht wäre es für mich sogar ein Vorteil, wenn Peke die Kasse in Kiel übernimmt. Ich kenne ihn und weiß, worauf er achtet. Eventuell können wir auch den einen oder anderen Deal machen (lacht).

Wer ist aktuell der Strafenkönig?

Reinkind: Mads Mensah. Er vergisst ständig irgendetwas. Aber ich glaube, Mads verfolgt einen größeren Plan und zahlt nur deshalb so viel ein, weil er unbedingt noch eine Mannschaftsfahrt nach Las Vegas machen will (lacht).

Was traust du den Löwen in der nächsten Saison zu?

Reinkind: Mit Jesper Nielsen, Ilija Abutovic, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher kommen richtig starke Neuzugänge. Ich bin mir sicher, dass die Löwen auch in der nächsten Saison eine Top-Mannschaft haben. Und deswegen glaube ich, dass dieses Team wieder oben mitspielen wird. Aber ich fände es besser, wenn die Löwen dann mal nur Zweiter werden.

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