Kreisläufer wechselt von den Löwen zum Bergischen HC

Foto: Jürgen Pfliegensdörfer

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Typen wie er sind Gold wert für jede Sportmannschaft: Im Training wie auf dem Feld gibt er immer alles, auf dem Platz ist er ein Kämpfer und abseits davon stets gut gelaunt. Rafael Baena hat drei Jahre lang die Rhein-Neckar Löwen bereichert, durch seinen Spielstil genauso wie durch seine menschliche, in sich ruhende, höfliche und fröhliche Art.

Dass er nun den Verein wechselt, sich dem Bundesliga-Aufsteiger Bergischer HC anschließt, ist persönlich wie sportlich ein Verlust. Nicht zuletzt die Fans werden einen ihrer Lieblinge sehr vermissen.

Sogar ein Andy Schmid, fünffacher MVP (auf Deutsch: wertvollster Spieler) der DKB Handball-Bundesliga, kann noch etwas lernen. Mit das erste, was Rafael Baena nach seinem Wechsel zu den Löwen im Sommer 2015 seinem Spielmacher beibrachte, waren jene Tricks, die er in Spanien von einem besonders raffinierten Mittelmann aufgegriffen hatte. Umgekehrt habe er in seinem eigenen Spiel unheimlich von den Fähigkeiten des Schweizers profitiert: „Andy ist überragend, und ich denke nicht, dass es einen Kreisläufer gibt, der nicht mit ihm zusammenspielen kann.“ Dasselbe gelte für den Trainer. Nikolaj Jacobsen habe genauestens analysiert, wo Baenas Stärken liegen, und versucht, diese dann auch optimal auszuschöpfen. „Er schafft das, weil er sehr clever ist“, adelt „Rafa“ seinen Coach.

Bei seiner Eingewöhnung habe ihm auch ein an sich trauriger Umstand geholfen. „Weil Peke (Hendrik Pekeler, Anm. d. Red.) verletzt war, habe ich gleich über 60 Minuten spielen dürfen und zu Andy, aber auch zu Mads (Mads Mensah, A.d.R.) einen guten Draht aufgebaut.“ Das Spiel des bulligen Kreisläufers basiert zu einem Großteil darauf, sich mithilfe des wuchtigen Körpers in eine Position zu bringen, in der man – wie auch immer – an den Ball kommt. Ist er am Ball, kann man Rafa kaum noch stoppen. Zumal sich der 35-Jährige in seiner Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen zur körperlichen Masse eine kaum für möglich gehaltene Beweglichkeit angeeignet hat. „In drei Jahren habe ich zehn Kilo abgenommen – und das ohne jede Diät. Ich habe mehr für die Athletik getan, mich bewusster ernährt. Ich fühle mich jetzt besser, als das noch vor drei Jahren der Fall war“, sagt der Spanier und wundert sich über sich selbst: „Eigentlich fühlt man sich im Alter von Jahr zu Jahr schlechter. Mir geht es genau umgekehrt.“

Tatsächlich nimmt man im Gespräch mit dem andalusischen Koloss eine gewisse Leichtigkeit wahr. Das liegt wohl auch daran, dass er sich neben seinen sportlichen Erfolgen auch auf eine glückliche familiäre Situation berufen kann. Bevor er zu den Rhein-Neckar Löwen kam, habe er keinen einzigen Titel gewonnen. „Ich stand einmal im spanischen Pokal-Finale, das haben wir gegen den FC Barcelona verloren.“ Bei den Löwen feierte er in drei Jahren zwei Meisterschaften, zwei Supercup-Siege und einen Pokal-Erfolg. „Das ist grandios, mehr geht nicht.“ Zudem war er nie verletzt, nie schwerer krank, verpasste keine einzige Trainingseinheit. Rafael Baena, die Verlässlichkeit in Person – und ein zärtlicher Familienvater. „Auf dem Platz bin ich ein Kämpfer, privat ganz ruhig und lieb.“ Seine Familie und er haben sich in der Rhein-Neckar-Region schnell eingelebt, die Sprache gelernt, Freunde fürs Leben gefunden. Schon jetzt freut er sich auf die Rückkehr mit dem Bergischen HC, wenn er zum Bundesliga-Spiel nach Mannheim kommt.

So reibungslos seine Zeit bei den Löwen verlief, so wechselhaft ist seine Vorgeschichte. Bevor er im Alter von 13 Jahren zum Handball kam, spielte der kleine Rafa Fußball und Basketball. In der ersten spanischen Liga debütierte er mit 25 – ungewöhnlich spät für einen Profisportler. „Ich hatte einen etwas längeren Weg“, sagt Rafael Baena mit Blick auf seine Karriere. Vielleicht macht aber genau das auch den Spielertypen Baena aus. Weil er in allen Klassen spielte, kennt er auch sämtliche Kniffe. Von den Widerständen und Hindernissen ganz zu schweigen. Deshalb sagt er auch: „Ich habe mir das Profi-Sein hart verdient.“ Dann aber ging alles ganz schnell. In seiner ersten Profi-Saison spielte er zunächst gar nicht, saß schmorend auf der Bank. Als er dann doch häufiger eingewechselt wurde, zeigte er sein ganzes Können, landete am Ende der Spielzeit noch in den Top Ten der Torschützen. Ein Jahr später gewann Rafael Baena, der Spätstarter, die Torjäger-Kanone.

Wer ihn und seinen Ehrgeiz kennt, weiß genau, dass man beim Bergischen HC seine helle Freude haben wird an dem spanischen Stier, der nicht nur tadelloses Deutsch spricht, sondern sich auch ständig weiterbildet. „Sprachen zu lernen, macht mir Spaß“, sagt der Kreis-Koloss, der bei den Löwen einer der absoluten Publikumslieblinge war. Und nicht nur dort. Zu einem Champions-League-Spiel in der vergangenen Saison reiste eine Abordnung seines Heimatklubs Estepa, inklusive Tröten, Trikots und Klubfahne. Für Rafa, den sanften Riesen, war es eine wunderschöne Sache, die er genauso wenig vergessen wird wie den Rest des Kapitels bei den Rhein-Neckar Löwen. Eines musste er dann aber doch noch erklären.

Wie kann er immer so ruhig bleiben, wenn im Spiel zwei, manchmal drei Gegenspieler permanent an ihm hängen, kneifen, zerren, stoßen, halten, reißen? „Das werde ich oft gefragt“, sagt Rafael Baena und grinst. „Ich habe eben viel Geduld. Man gewöhnt sich daran. Und eigentlich, muss ich sagen, gefällt es mir sogar. Auf dem Feld bin ich Tier.“ Eines allerdings, das nach dem Spiel schnell zum Kuscheltier wird und auch deswegen einen besonderen Platz in den Herzen der Löwen-Fans und -Mitarbeiter sicher hat.

 

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