Gummersbach mit Moral aber ohne Punkte

Foto: DKB-HBL

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Am zehnten Spieltag der Handball-Bundesliga erwies sich Rekordmeister THW Kiel für den VfL Gummersbach als eine Nummer zu groß. Mit 25:31 (13:19) mussten sich die Gummersbacher gegen die Kieler geschlagen geben.

Nachdem der VfL über weite Strecken der ersten Halbzeit mithalten konnte, spielten die Kieler insbesondere Ende der ersten und Anfang der zweiten Halbzeit ihre Überlegenheit in Erfahrung und Spielvarianz aus und zogen den Gummersbachern so den Zahn. Am Ende bewiesen die Gäste dank eines starken Endspurts noch einmal Moral und brachten den THW beinahe noch einmal in die Bredouille. Am Ende mussten die Gummersbacher am späten Sonntagabend jedoch mit einer Sechs-Tore-Niederlage gegen einen der Titelaspiranten auf die Deutsche Meisterschaft die Heimreise ins Oberbergische antreten.

Der VfL startete konzentriert in die Partie und konnte auf den Einsatz von Pouya Norouzi bauen, der sich trotz seines Nasenbeinbruchs in den Dienst der Mannschaft stellte. Gleich die erste Chance in der ersten Minute gehörte dem Iraner, der jedoch nicht den ersten Treffer des Spiels erzielen konnte. Dafür sorgte Niclas Ekberg in der zweiten Minute, ehe Tobias Schröter für den VfL einnetzte und zum 1:1 ausglich (3. Minute). Beide Teams marschierten in der Folge im Gleichschritt und lieferten sich eine ausgeglichene Anfangsphase. Moritz Preuß sorgte in der vierten Minute für das 3:3 für den VfL. Auch wenn die Kieler in der Offensive etwas cleverer agierten und ihre Angriffe schneller und sicherer zu Ende spielten als die Gäste, stemmte sich der VfL mit Einsatz und Kampf dagegen. Nach zwischenzeitlichem 4:6-Rückstand belohnten sich die Gummersbacher selbst für ihren großen Aufwand und erzielten erneut den Ausgleich (6:6, 12. Minute). Die Oberbergischen ließen sich weiterhin nicht von den Kielern abschütteln. Der aufmerksame Sommer stibitzte in der 13. Minute dem THW den Ball und versenkte auf der Gegenseite zum 7:7.

Über weite Strecken gelang es den Gummersbachern mit Kiel mitzuhalten, die jedoch mehr und mehr das Kommando auf dem Feld übernahmen und die VfL-Abwehr vor Probleme stellte. In der Mitte der ersten Halbzeit pendelte sich so ein konstanter Zwei-Tore-Rückstand für den Bundesliga-Dino ein. In der 21. Minute verkürzte der freigespielte Schröter für die Gummersbacher zum 10:11, ehe der VfL in seinen Offensivbemühungen etwas den Faden verlor, während die Kieler langsam Blut leckten und die Fehler der Gummersbacher eiskalt ausnutzten. Drei THW-Treffer hintereinander sorgten für das 10:14 und damit die erste komfortablere Führung der Heimmannschaft, die bis dato nicht mit mehr als zwei Toren davonziehen konnte. Dazu kam, dass der VfL gegen den Rekordmeister zudem die ein oder andere unnötige Unterzahl-Situation hinnehmen musste – eine davon durch Wechselfehler – und auf das Spiel ohne Torhüter zurückgriff. Vor dem Halbzeitpfiff versuchte der VfL sich gegen den Aufwind der Kieler zu wehren, was jedoch nur noch mit Abstrichen gelang. Der THW baute seinen Vorsprung dagegen aus und zog in der 30. Minute bis auf sieben Tore weg, ehe Preuß mit seinem vierten Treffer für den Halbzeitstand von 13:19 sorgte.

Nach dem Seitenwechsel bäumte sich der VfL noch einmal auf. Preuß sorgte nach tollem Anspiel von Ivan Martinovic in Minute 33 für einen Fünf-Tore-Anschluss zum 15:20. Der THW ließ sich die Zügel jedoch nicht aus der Hand nehmen und agierte vor eigenem Publikum weiterhin routiniert. Kiel übernahm die Regie in einem durchaus ruppigen Spiel, in das der VfL nicht mehr zurückkommen sollte. In der 40. Minute scheiterte Schröter nach schöner Ballstafette beim Spielstand von 15:24 an THW-Keeper Andreas Wolff. Den Siebenmeter auf der Gegenseite verwandelte Ekberg für die Kieler, so dass der VfL den ersten zweistelligen Rückstand im Spiel kassierte. Es dauerte daher bis zur 44. Minute, ehe Sommer nach elf torlosen Minuten den dritten VfL-Treffer in Durchgang zwei markieren konnte (16:26).

Immerhin die Unsicherheit im Torabschluss legten die Gummersbacher infolge des lang ersehnten Treffers in der Schlussphase wieder ab, so dass sie sich die Möglichkeit zur Ergebniskosmetik offen hielten. Nach einem zwischenzeitlichen Elf-Tore-Rückstand hielt der VfL, der dem THW kräftemäßig spürbar unterlegen war, noch einmal mit allen Reserven dagegen. Martinovic, Sommer und Preuß verkürzten durch drei Tore hintereinander in der 51. Minute auf 21:28. Der VfL bewies große Moral und sorgte sogar noch einmal dafür, dass es in der Sparkassen-Arena-Kiel noch einmal richtig ruhig wurde. Während sich die Kieler insbesondere im Angriff nachlässig verhielten, gaben die Gummersbacher noch einmal Gas. Pierre Busch traf in der 54. Minute den Ball zum 23:29 ins leere Kieler Tor. Mit dem 24:29 durch Martinovic in Minute 56 hatten die Gummersbacher binnen zwölf Minuten den Vorsprung der Kieler um sechs Tore eingestampft und gewannen kurzerhand die Oberhand in einem völlig verrückten Spiel, in dem die Kieler auf einmal um den klaren Sieg bangen mussten. Nach einem erneuten Fehlwurf der Kieler bestand für den VfL sogar noch die Möglichkeit auf vier Tore aufzuschließen. Durch einen Ballverlust im Angriff setzte allerdings Magnus Landin in der 58. Minute per Gegenstoß für den THW den Deckel auf die Partie (24:30). Beim Sechs-Tore-Rückstand sollte es auch bis zum Ende bleiben. Martinovic sorgte in Minute 60 für den 25:31-Schlusspunkt.

Durch die Niederlage beim THW Kiel bleibt der VfL Gummersbach auch am zehnten Spieltag der Handball-Bundesliga ohne Auswärtspunkt. Auch wenn die Kieler dem VfL insgesamt überlegen waren, hat das Team von Trainer Denis Bahtijarevic zum einen in Halbzeit eins phasenweise spielerisch gezeigt, zu was es imstande ist und zum anderen in Halbzeit zwei Moral bewiesen und sich gegen eine deutliche Niederlage gestellt. Der THW sollte sicherlich nicht das Maß für die Leistung der Gummersbacher sein, die im dritten Spiel in acht Tagen sicherlich auch die Spritzigkeit der letzten Spiele vermissen ließen, die gegen eine Top-Mannschaft unabdingbar ist, um Punkte mitzunehmen. Nach der Länderspielpause wartet am 4. November mit der HSG Wetzlar ein direkter Tabellennachbar, der derzeit punktgleich, aber mit der besseren Tordifferenz eine Position vor dem VfL auf Rang 13 steht.

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