Matthias Stocker und Paul Kaletsch im Doppelinterview

(Foto: Peter Pisa)

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Ein kräftezehrendes Wochenende mit zwei Spielen und dem Bundesliga-Superball liegt hinter der HSG Konstanz. Einem souveränen 29:23-Heimsieg gegen Rostock ließ Konstanz beim Tabellenfünften Ludwigshafen-Friesenheim fast eine faustdicke Überraschung folgen.

Nach einer furiosen Aufholjagd hatte die HSG den Ausgleich in der Hand – scheiterte aber in letzter Sekunde mit dem finalen Wurf von Matthias Stocker (s. Foto) am Block.

Der Spielmacher (29) und Rückraumspieler Paul Kaletsch (24) sprechen im Interview mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas über eine turbulente Schlussphase mit umstrittenen Entscheidungen, einer bärenstarken Vorstellung der HSG und die Vorfreude auf das nächste Heimspiel am Sonntag, 18 Uhr, gegen den Tabellenvierten DJK Rimpar.

Matze, nach einem Vier-Tore-Rückstand hattest Du mit dem finalen Wurf die Chance zum unverhofften Punktgewinn. Was überwiegt, die Enttäuschung oder doch die Gewissheit um eine bärenstarke Vorstellung in fremder Halle bei einem Topteam?

Matthias Stocker: „Im ersten Augenblick natürlich die Enttäuschung, weil wir ganz knapp davor waren, hier etwas Zählbares mitzunehmen. Wenn man aber relativiert und noch einmal die letzten Auswärtsspiele in Erinnerung ruft, überwiegt schon der Stolz über die guten Leistungen an einem solchen Doppelspieltag – mit so vielen Körnern, die wir hier reinpacken mussten. Wir müssen deshalb das Positive auch aus diesem Spiel mitnehmen, selbst wenn das im ersten Moment natürlich schwerfällt.“

Nach einer letzten Auszeit blieben noch vier Sekunden. Was wurde besprochen und wie hast Du die letzte Aktion gesehen, als Philipp Grimm für den Block des letzten Wurfes klar durch den Kreis läuft und zuvor die Zeit sehr spät nach Ablegen der grünen Karte vom Kampfgericht gestoppt wurde – ärgert das dann besonders?

Matthias Stocker: „Klar ärgert uns das sehr, dass das einen Siebenmeter geben kann, es ihn aber nicht gibt. Noch mehr ärgert mich aber, dass wir statt acht Sekunden nur noch vier zur Verfügung haben, obwohl die Karte viel früher abgelegt wurde. Wir wollten das Spiel auf eine Seite verlagern und noch einen siebten Mann reinbringen, um vielleicht doch noch eine freie Wurfsituation zu kreieren. Das hat eigentlich auch funktioniert – doch es hat nicht sollen sein. Wir dürfen aber auf keinen Fall alles auf diese letzte Situation schieben, denn wir hatten davor genügend Möglichkeiten, uns schon früher heranzukämpfen oder sogar den Ausgleich zu erzielen.“

Paul, was hat aus Deiner Sicht dann den Ausschlag für Friesenheim gegeben? Die Kräfte gegen Ende der zweiten Partie innerhalb von 48 Stunden sprachen eigentlich für die HSG, denn die letzten Minuten konntet Ihr klar für Euch entscheiden.

Paul Kaletsch: „Das sind Kleinigkeiten. Patrick Glatt hat uns noch einmal mit ein paar wichtigen Paraden Auftrieb gegeben, sodass wir vorne schnell und gut Tore machen konnten. Weh tun uns auch die zwei Würfe auf das leere Tor, die leider nicht reingehen. Aber das passiert leider – und passiert immer wieder. (lacht) Ich weiß gar nicht, ob außer Matthias Stocker schon einmal einer bei uns das leere Tor getroffen hat. In Überzahl würde ich es nicht machen. Aber es ist so schwer bei einer Ein-Tor-Niederlage zu sagen: das oder das war der Fehler. Ob es die unnötigen vier Tore Rückstand aus der ersten Halbzeit sind oder etwas anderes. Wir holen drei Tore in Hälfte zwei auf, das ist gut für die zweiten 30 Minuten in Ludwigshafen. Heute ärgern wir uns noch, weil die Niederlage unnötig war, aber bald können wir sicher das Positive sehen.“

Wenn Paul die erste Halbzeit anspricht, müssen wir vor allem noch einmal über die letzten zweieinhalb Minuten vor dem Seitenwechsel reden, als aus einem 14:13- ein 17:13-Rückstand wurde. War es, wie schon ein paar Minuten zuvor, der Blockwechsel im Rückraum, der ein wenig Anlauf gebraucht hat, bis sich vor allem die Deckung neu eingestellt hat?

Matthias Stocker: „Im Nachhinein kann man das eventuell so analysieren, dass wir uns in der Abwehr nicht ganz so gefunden haben, wie davor. Ob es jetzt aber am Wechsel oder eher an individuellen Fehlern lag, ist schwer zu beurteilen. Über das ganze Spiel gesehen muss man sich bei einem Topteam einfach ein paar Fehler weniger leisten, um etwas holen zu können. Die Vier-Tore-Hypothek war da und durch geilen Kampf, vor allem in der Abwehr, hatten wir doch noch unsere Chance. Es war aller Ehren wert, was jeder wieder aus sicher herausgeholt hat. Wir versuchen wieder daraus zu lernen. Durch den Wechsel hatten wir am Ende noch einmal die Kraft zuzulegen, darum war er auch gut. Und bei einer Niederlage mit einem Tor spielt im Handball auch Glück und Pech eine Rolle. Wir hatten Friesenheim so oft im Zeitspiel, ich glaube ein Angriff ging sogar drei Minuten, wo zwischendurch noch die Auszeit kam. Das habe ich noch nie erlebt, muss ich sagen. Dreimal Pfosten und Latte vom Gegner und wir haben den Ball eigentlich schon fast, man kämpft und kämpft – und am Ende ist der Ball doch im Tor. Davon haben wir uns aber keinesfalls unterkriegen lassen. Das spricht für den Charakter der Mannschaft. Genau das müssen wir aus diesem Spiel mitnehmen.“

Wie lautet nun das Fazit zum Doppelspieltag mit Superball und Spiel beim Spitzenteam Friesenheim?

Paul Kaletsch: „Zwei Punkte waren das Mindestziel, das haben wir erreicht, das ist gut. Dazu nehmen wir eine gute Auswärtsleistung über 50 bis 55 Minuten mit, was auch gut ist, obwohl es uns für die Tabelle nichts bringt. Für die nächsten Spiele gibt das definitiv Mut. Wir müssen noch einige Punkte holen, mir ist es dann auch egal, wenn wir nicht so gut spielen wie heute, aber dafür Zählbares verbuchen können. Ein gutes Wochenende also mit einem faden Beigeschmack durch eine Niederlage, die nicht hätte sein müssen. So ist es positiv, es hätte aber auch sehr positiv sein können.“

Der Superball war wieder ein tolles Event, wieder ein echtes Saisonhighlight mit knapp 1600 Fans.

Paul Kaletsch: „Viermal Superball, viermal gewonnen. Alleine sportlich läuft es immer richtig gut bei uns. Es war ähnlich wie unser Weihnachtsspiel, das ebenfalls fantastisch war. Eine super Veranstaltung, bei der auch die Organisation immer professioneller wird. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal.“
Matthias Stocker: „Für mich war die Vorfreude auf den Superball wieder riesig, zumal es mein letzter als aktiver Spieler war. Ein absolutes Mega-Event. Es macht wahnsinnig Bock, vor so vielen Leuten zu spielen, in dieser Atmosphäre.“

Am Sonntag, 18 Uhr, kommt der Tabellenvierte DJK Rimpar in die Schänzle-Hölle, der am Freitag noch gegen den Zweiten Bietigheim antreten muss. Die Chance für eine weitere Überraschung im eigenen Hexenkessel?

Matthias Stocker: „Da kommt eine sehr, sehr starke Mannschaft auf uns zu. Das wissen wir vor allem aus dem Hinspiel und unserer 19:31-Klatsche, die wir dort bekommen haben. Die wollen wir versuchen wettzumachen. Wir wollen auch noch einmal überraschen, denn wir wissen, dass wir noch viele direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt vor der Brust haben, wo wir punkten sollten, um unser Ziel zu erreichen. Aber es wäre einfach geil, noch einmal eine fette Überraschung zu schaffen. Wir wollen es befreit und mutig ausnutzen, mit allem was wir haben und dem Publikum im Rücken, dass Rimpar ein ganz schweres Spiel am Freitag hat.“

Fragen: Andreas Joas

Ergebnisdienst Bundesliga

19.10.2017 19:00
DKB Handball-Bundesliga, 10.Spieltag
  
Die Eulen Ludwigshafen - TUS N.-Lübbecke 0 : 0
  
FA Göppingen - HSG Wetzlar 0 : 0
Letzte Aktualisierung: 19.10.2017 03:55:49
Legende: ungespielt laufend gespielt