Zehn-Minuten-Einbruch entscheidet tolles Derby

Foto: Peter Pisa

2.Bundesliga
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Es war das erwartete Derby-Fest, das seit Wochen den Handball-Süden elektrisiert hatte. Vor wahnsinnig stimmungsvoller Kulisse und 1700 Fans lieferten sich die HSG Konstanz und Erstliga-Absteiger HBW Balingen-Weilstetten 45 Minuten lang bis zum 22:22 einen packenden Schlagabtausch auf Augenhöhe.

In der Schlussphase setzte sich jedoch die Cleverness der Schwaben durch, die das Torwart-Duell für sich entscheiden konnten, dabei von einigen Fehlern der HSG in der Schlussphase profitierten und schließlich verdient mit 31:27 (15:14) die Oberhand behielten.

Der erste Lokalkampf seit 2004 am Bodensee zwischen HSG und HBW, er hatte alles, was ein Derby ausmacht. Zwei lautstarke Fangruppen, Hexenkessel-Atmosphäre und ganz viele Emotionen auf und neben dem Spielfeld – und vor allem ein begeisterndes, temporeiches Handballspiel. Wurde im Vorfeld von allen Seiten eine deutliche Balinger Leistungssteigerung im Vergleich zu den letzten Auswärtsauftritten erwartet, so war die beherzte und bärenstrake Vorstellung der HSG im ersten Durchgang und die Ausgeglichenheit er Partie die größere Überraschung. Vor allem Tim Jud mit seiner hohen Geschwindigkeit und seinen Schlagwürfen, Felix Krüger mit wuchtigen Abschlüssen aus der Ferne und Paul Kaletsch bereiteten dem über extrem viel Qualität verfügenden Gast große Probleme. Der hatte jedoch im tunesischen Nationaltorwart Marouen Maggaiz, dem ehemaligen Junioren-Nationalspieler Jona Schoch und Europameister Martin Strobel überragende Akteure auf dem Spielfeld.

Wenig verwunderlich, dass Konstantin Poltrum (s. Foto) sich ärgerte, dass nach 30 Minuten nicht mehr zur Belohnung auf den Anzeigetafeln stand als ein knapper 14:15-Rückstand. Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben und er ging hart mit sich selbst ins Gericht. „Balingen hat über 60 Minuten sehr konstant und teilweise seine Erfahrung ausgespielt. Aber das Spiel wäre anders ausgegangen, wenn ich das Torwartduell gewonnen hätte“, gestand der 24-Jährige und sagte: „Das war keine gute Leistung von mir. Und wir waren manchmal zu brav.“ Sein zehn Jahre älteres Gegenüber zeichnete vor allem in der Schlussphase mit wichtigen Paraden für die Entscheidung verantwortlich.

Mit 7:6 und 8:7 legte Konstanz dennoch nach etwas mehr als zwölf Minuten vor – und die Schänzlehölle kochte. In einem Spiel mit offenem Visier fanden beide Defensivreihen noch nicht wirklich in die Partie, jene der Gäste allerdings etwas schneller als die der Gelb-Blauen vom Bodensee, sodass der HBW sich leichte Vorteile erspielte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit, in der HSG-Cheftrainer Daniel Eblen den kompletten Rückraum getauscht hatte, war das wieder schlagartig anders. Nun war Konstanz wieder am Drücker, legte auf 16:15 vor und erzielte viermal den Ausgleich bis zum 22:22 (45.). Nun kam die entscheidende Phase. Die HSG hatte hier große Probleme, eine Lücke in der HBW-Deckung aufzutun, während die erfahrenen Gäste eiskalt von 24:23 auf 29:23 (54.) davonzogen.

„Das war heute etwas Besonderes, die Halle war brechend voll“, meinte Poltrum. „Deshalb ist das sehr, sehr schade. Das Publikum war einfach fantastisch.“ Somit war ein Kräftemessen, das lange sehr ausgeglichen war, doch innerhalb weniger Minuten entschieden. Konstanz blieben lediglich die letzten drei Treffer zum 27:31-Endstand. Daniel Eblen: „Ein tolles Handballspiel in wahnsinniger Atmosphäre und Bundesliga-Feeling. Wir haben lange auf gutem Niveau Paroli geboten, aber Balingen hatte den längeren Atem.“ Der HSG-Coach haderte vor allem mit einigen frei verworfen Großchancen gegen Maggaiz. „Dadurch schwand der Glaube bei uns und der HBW hat es stark und sehr überlegt zu Ende gespielt. Wir werden alles dafür tun, diese tollen Derbys auch kommende Saison zu haben.“

Dafür wird in schweren Wochen gegen die absoluten Topteams der Liga eine konstant gute Leistung über 60 Minuten ohne zehnminütigen Einbruch nötig sein. Bereits am Donnerstag, 19.30 Uhr, ist Konstanz beim Tabellenzweiten Bietigheim im zweiten Baden-Württemberg-Derby gefordert, ehe der Erstliga-Absteiger HSC 2000 Coburg am Sonntag um 18 Uhr in der Schänzlehölle erwartet wird.

Zunächst muss die Enttäuschung über eine vergebene Chance gegen Balingen verarbeitet werden, denn auch Fabian Schlaich war nach dem Spiel nicht zum Lachen zu Mute. „Wir machen über 40 Minuten ein sehr gutes Spiel, haben dann eine Phase, in der wir einbrechen und Balingen davonzieht“, bemängelte der HSG-Kapitän. „Eine Topmannschaft wie der HBW nutzt das aus.“ Von der Stimmung war er jedoch begeistert: „Das war geil und wurde einem Derby wirklich gerecht. Beide Teams haben dazu ein tolles Handballspiel gezeigt, es kam sicher jeder Zuschauer auf seine Kosten.“

HSG Konstanz – HBW Balingen-Weilstetten 27:31 (14:15)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Konstantin Poltrum (11 Paraden/davon 1 Siebenmeter) (Tor); Fabian Schlaich (3), Mathias Riedel (4), Tom Wolf (4/1), Michael Oehler, Paul Kaletsch (6/4), Felix Krüger (3), Fabian Maier-Hasselmann (1), Felix Gäßler, Tim Jud (3), Samuel Wendel, Chris Berchtenbreiter (2), Maximilian Schwarz, Felix Klingler (1), Samuel Löffler.
Trainer: Daniel Eblen

HBW Balingen-Weilstetten: Marouèn Maggaiz (12 Paraden/davon 1 Siebenmeter), Jonas Baumeister (2 Paraden) (Tor); René Zobel (1), Christoph Foth (2), Tobias Wagner (2), Matthias Flohr, Jannik Hausmann (3), Gregor Thomann (1), Lars Friedrich (2), Tim Nothdurft, Daði Runarsson (1), Oddur Gretarsson (7/5), Martin Strobel (4), Jona Schoch (8), Fabian Wiederstein, Lukas Saueressig.
Trainer: Jens Bürkle

Zuschauer: 1700 in der Schänze-Sporthalle Konstanz.

Schiedsrichter: Hannes/Hannes.

Zeitstrafen: Konstanz 6 Min., Balingen 12 Min.

Siebenmeter: 5/6 (Kaletsch scheitert an Maggaiz, 55.) – 4/5 (Gretarsson scheitert an Poltrum, 58.)

 

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