Volker Zerbe über die Jugendarbeit der Füchse

(Foto: Foto-Lächler)

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Die A- und B-Jugend der Füchse Berlin sind als Erstplatzierte der Jugend-Bundesliga sowie der Oberliga Ostsee-Spree souverän in die Endrunden um die Deutsche Meisterschaft eingezogen. Damit erfüllen sie einerseits die Erwartungen, die an sie gestellt werden, andererseits profitieren sie persönlich am meisten davon.

Volker Zerbe (s. Foto) ist Sportkoordinator bei den Berliner Profihandballern und hat Einsicht in jedes Füchse-Team. „Die B-Jugend war in der Oberliga Favorit und hatte keine Schwierigkeiten, sich mit 36:0 Punkten durchzusetzen. Beim älteren Jahrgang der A war das zwischenzeitlich anders. Nach einer Schwächephase haben sie sich aber wieder stark präsentiert und gingen fokussiert zur Sache. Dies hat ihnen die entscheidenden Siege am Ende eingebracht, sodass sie am letzten Spieltag von Platz drei auf eins springen konnten."

In der Entwicklung der jungen Leute gehöre natürlich es dazu, Erfahrungen zu sammeln. „Dazu eignen sich Meisterschaften besonders gut." Diese maximale Wettkampfherausforderung würden die jungen Spieler im Werdegang benötigen, um später erfolgreich zu sein. „Um Titel zu spielen – egal ob Jugend oder Profi – das ist unser Anspruch. Für uns ist es aber viel wichtiger und bedeutsamer, und darauf sind wir stolz, dass wir in den vergangenen Jahren mehr als 20 Spieler in die Bundesliga entwickelt haben. Die Meisterschaften sind vielmehr Erfahrungswerte auf dem Weg nach oben. Sie sind Meilensteine auf dem Weg zum Profi", so Zerbe. „Wenn sich jeder individuell weiterentwickelt – und das ist der essentielle Teil unserer Philosophie – dann profitiert die gesamte Mannschaft davon automatisch. Daran arbeiten wir tagtäglich hart."

Die Strukturen seien heutzutage aber auch generell einfach besser, deutschlandweit können sich die Jungfüchse mit den stärksten verfügbaren Gegnern messen. „Das gab es zu meiner Zeit nicht. Es ist für den deutschen Handball generell gut, dass die Jugend früher an sehr hohe Leistung herangeführt wird."

Füchse nutzen innovatives Videosystem

Die Füchse sehen sich im Jugendbereich als Marktführer und versuchen deshalb, das Umfeld ständig an diesen Anspruch anzupassen. „Wir entwickeln unsere Strukturen pausenlos weiter, um als bester Jugendverein die bestmögliche Ausbildung zu bieten. Seit neustem haben wir ein Videosystem mit zehn Kameras in der Trainingshalle, das Profis und Nachwuchs gleichermaßen nutzen."

Dafür haben die Füchse extra einen Videotrainer eingestellt, der es den Spieler ermöglicht, während der Übungseinheiten das gerade Geschehene zu rekapitulieren. „Wenn ein Spieler immer zu nah am Gegner steht, kann man es ihm zwar sagen. Wenn er das aber schon sein ganzes Leben lang so macht, vor allem, wenn derjenige noch kein Profi ist und sich nicht so oft selbst spielen sieht, dann kann es Wunder bewirken, ihm das vor Augen zu führen. Erwiesenermaßen lernt man mit dem Auge am besten. Wie kann man den Wurf verbessern, wie eine Situation besser lösen? Spieler empfinden die Antwort darauf meist subjektiv. Mit dem Kamerasystem sorgen wir für klare Verhältnisse, was dem individuellen Lernerfolg sehr zugute kommt."

Zusätzlich hebt Zerbe die Rolle des Füchse-Hauptsponsors Deutsche Wohnen hervor, ohne den diese Innovation im deutschen Handball nicht möglich gewesen wäre. „Dank der Deutschen Wohnen können wir unseren Spielern jetzt einen einmaligen Mehrwert mit auf den Weg geben."

Der Fokus liegt auf der ganzheitlichen Ausbildung

Bei allem Leistungssport in der „Füchse Town", wie die Berliner ihr Trainingszentrum aus Halle, Kraft- und Physioraum sowie Sauna nennen, verfolgen sie eine ganzheitliche Ausbildung ihrer Nachwuchsspieler. Durch den engen Kontakt mit dem SLZB (Schul- und Leistungssportzentrum Berlin) und individuelle Förderung in Halle und Schule wird beinahe jedem Spieler das Abitur ermöglicht. „Wir sind sehr dankbar für die hervorragende Kooperation mit dem Kollegium. Ohne sie wäre das nicht möglich", sagt Zerbe.

Das Miteinander wird aber auch zwischen Profis und Jugend großgeschrieben. Füchse-Legende Petr Stochl unterstützt beispielsweise so gut wie jedes Torwarttraining. „Seitdem er dabei ist und seine Erfahrung weitergibt, haben sich die Leistungen bei all unseren Keepern deutlich verbessert." Dabei zeigt Stochl erstaunlichen Einsatz: Bereits zur ersten und zweiten Schulstunde am frühen Morgen steht er in der Halle und trainiert A-, B- und C-Jugendliche. „Das ist es, was wir unter Füchse-Familie verstehen. Alles hängt zusammen, jeder hier lebt unsere Philosophie. Im Klub weiß man, dass Jugendarbeit und Integration zentrale Bestandteile des Aufgabenbereichs sind. Wer das nicht verinnerlicht, kann für die Füchse Berlin nicht arbeiten. Bob Hannings Anspruch an die Bundesligatrainer ist ja beispielsweise auch nicht einfach nur der Profibereich, sondern auch ein ehrliches Interesse an der Jugend. Allerdings wird auch nichts häufiger hinterfragt."

Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft

Als nächstes reisen A- und B-Jugend nach Süddeutschland zum 20. Jubiläum des IBOT (Internationales Biberacher Osterturnier), das vom 14. bis 17. April stattfindet. Dort sind neben hochkarätigen deutschen (Göppingen, Magdeburg, Bietigheim) auch diverse starke internationale Mannschaften vertreten, insgesamt werden gut 1.200 Teilnehmer erwartet. „Das ist die perfekte Vorbereitung auf die Endrunden der Deutschen Meisterschaft", sagt Volker Zerbe.