Interview mit Magdeburgs Coach Bennet Wiegert

(Foto: Foto-Lächler)

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Der SC Magdeburg ist die Mannschaft der Rückrunde in der DKB Handball-Bundesliga. Dabei hatte Trainer Bennet Wiegert (s. Foto) mit einem schwierigen Saisonstart zu kämpfen.

Seit dem 11. Dezember 2016 haben die Magdeburger jedoch eine eindrucksvolle Serie hingelegt, sind in der Liga ungeschlagen und können die Saison am 20./21. Mai mit dem Titel im EHF-Pokal krönen. Im Interview spricht Trainer Bennet Wiegert über die Gründe für den Aufschwung, den Wendepunkt der Saison und das anstehende Final Four des EHF-Pokals in Göppingen.

Herr Wiegert, können Sie denn noch zusammenzählen, wie lange Ihre Mannschaft nun schon ungeschlagen ist?

Bennet Wiegert: Ehrlich gesagt weiß ich das nicht, auch wenn ich es immer wieder vorgerechnet bekomme. Ich denke, es sind mittlerweile über 20 Spiele. So eine Serie an sich ist für mich aber nicht das Wichtigste. Entscheidend ist vielmehr, dass ich über die Saison hinweg eine Entwicklung sehe.

Sie liegen schon sehr gut mit Ihrem Tipp. Wettbewerbsübergreifend sind es bereits 21 Spiele ohne Niederlage. Lässt sich so eine Serie überhaupt noch erklären?

Bennet Wiegert: Ich sehe klare Parameter und Anhaltspunkte, bei denen wir besser sind als am Anfang der Saison. Wir haben uns als Mannschaft gefunden und gerade im Bereich des Tempospiels einen offensichtlichen Schritt nach vorne gemacht.

Und weshalb lief es gerade im ersten Drittel der Saison noch nicht so rund?

Bennet Wiegert: Ich muss zugeben, dass ich den Faktor Olympia in der Vorbereitung etwas unterschätzt habe. Wir haben unsere Vorbereitung quasi in den ersten Saisonspielen absolviert. Mir standen zuvor im Training teilweise nur fünf Spieler zur Verfügung, dazu hatten wir einige Neuzugänge. Und dann muss man nach so einem emotionalen Highlight wie den Olympischen Spielen auch erst einmal wieder den Zugriff auf die Spieler finden. Das alles hat etwas länger gedauert als gedacht.

Nach der Hinrunde standen bereits sechs Niederlagen zu Buche, in der Rückrunde ist der SC Magdeburg das erfolgreichste Team der Liga! Zudem steht ihre Mannschaft im Final Four des EHF-Cups. Hätten Sie überhaupt noch mit so einem erfolgreichen Saisonverlauf gerechnet?

Bennet Wiegert: Dass es so extrem verlaufen würde, damit war sicher nicht zu rechnen. Wir wussten aber einzuschätzen, wo die Gründe für den durchwachsenen Start liegen. Nur den Schalter dann auch tatsächlich umzulegen, ist nicht so einfach.

Gab es dafür ein Schlüsselerlebnis im Verlauf der Saison?

Bennet Wiegert: Mit Sicherheit die hohe Heimniederlage gegen die TSV Hannover-Burgdorf. Da stellt man sich dann schon die ein oder andere Frage. Wir haben aber immer an unsere Kaderzusammenstellung und die Perspektive des Vereins geglaubt. Wir wollten unbedingt zeigen, dass die Konstellation die richtige ist.

Bennet Wiegert: Klare Kante auch in der Niederlage

Danach hat ihr Team nur noch das Hinspiel gegen den THW Kiel verloren. Ärgert man sich da über die nun anstehende Länderspielpause, oder ist man auch mal froh, durchschnaufen zu können?

Bennet Wiegert: Ich hätte schon gerne weitergespielt (lacht). Das geht aber anderen Teams genauso. Man muss eben den richtigen Ansatz finden, um danach dort weiterzumachen, wo man aufgehört hat.

Kurz nach der Pause treffen Sie am 20. Mai im Halbfinale des EHF-Cups auf FRISCH AUF! Göppingen. Wie nutzen Sie die Pause bis dahin?

Bennet Wiegert: Aktuell habe ich nur sechs Spieler zur Verfügung, die anderen sind alle mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Ich mag diese Phasen aber, man kann sehr individuell trainieren. Das tut auch Bundesligaspielern mal ganz gut. Ich hoffe, dass alle Spieler gesund zurückkommen, dann werden wir auch wieder an mannschaftstaktischen Punkten arbeiten.

Ihr Halbfinalgegner FRISCH AUF! liegt in der DKB Handball-Bundesliga „nur“ auf dem zwölften Rang, ist aber Titelverteidiger und Gastgeber des EHF-Pokal Final Four. Was sagen Sie zu diesem Los?

Bennet Wiegert: Es war absolut nicht mein Wunschlos! Der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen. Göppingen spielt aktuell etwas unter seinen Möglichkeiten, kann aber an einem Wochenende die Saison doch noch zum Guten wenden. Ich sehe da viele Gefahren, wir wollen aber trotzdem den Schritt ins Finale machen.

Dort könnte mit den Füchsen Berlin direkt die nächste Mannschaft aus der DKB Handball-Bundesliga auf Sie warten, da in Göppingen gleich drei deutsche Teams um den Titel kämpfen. Wundert Sie diese Dominanz der deutschen Vereine in diesem Wettbewerb?

Bennet Wiegert: Ungewöhnlich finde ich das nicht unbedingt. Wir haben in Deutschland gerade in der Breite die beste Liga der Welt. Im Fußball wird immer mal wieder diskutiert, ob nun die spanische, englische oder deutsche Liga die beste ist. Im Handball sind sich die Fachleute da aber sehr einig. Ungewöhnlich ist, dass es keine deutsche Mannschaft in das Champions League Final Four geschafft hat. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren wieder ändert.

Mit welchen Zielen gehen Sie in das Final Four und den Saisonendspurt?

Bennet Wiegert: Wir wollen da weitermachen, wo wir vor der Pause aufgehört haben. Wir wollen unseren Flow beibehalten und wenn dann ein Titel dabei herausspringt, umso besser. Wir haben noch einige Spieler dabei, die miterlebt haben, was es beispielsweise für ein geiles Gefühl war, den DHB-Pokal im letzten Jahr zu gewinnen. Und dann haben wir auch ein paar Spieler, die sich mit einem Titel vom SC Magdeburg nach der Saison verabschieden wollen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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