Goldmedia untersucht Interesse an Sportarten in Deutschland

(Foto: Goldmedia/DKB-HBL)

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Die Beratungsgruppe Goldmedia hat in ihrer umfassenden Studie „Fanmonitor 2017“ das Interesse an 21 Sportarten in der deutschen Bevölkerung untersucht. Goldmedia-Geschäftsführer Dr. Marcus Hochhaus spricht im Interview über die Positionierung und Potenziale des Handballs sowie das Interesse an der DKB Handball-Bundesliga.

Herr Hochhaus, wie würden Sie die Ergebnisse des Fanmonitor 2017 zusammenfassen?

Es zeigt sich, dass die Deutschen insgesamt sehr sportaffin sind. Beinah 90 Prozent der Bevölkerung interessieren sich für Sport. Hinzu kommt, was wenig überraschend ist, dass der Fußball sehr dominant ist. 88 Prozent der sportinteressierten Deutschen haben zumindest ein mittleres Interesse an Fußball, wobei auffällt, dass die Breite des Interesses durchaus gegeben ist. Die Deutschen haben zwar eine hohe Zustimmung zum Fußball, interessieren sich aber gleichzeitig auch für sehr viele andere Sportarten.

Und lässt sich mit Blick auf den Handball sagen?

Hinter dem Fußball ist Handball unter den Teamsportarten führend. Mehr als 50 Prozent der Sportinteressierten interessieren sich auch für Handball. Auffällig ist aber, dass es eine große Gruppe zumindest schwach Interessierter gibt. Nimmt man die dazu, kommt man auf 71 Prozent. Im Fußball ist diese Gruppe mit acht Prozent sehr viel kleiner.

Welche Schlussfolgerungen würden Sie daraus ziehen?

Es stellt sich die Frage, wie man diese große Gruppe von 21 Prozent noch näher an den Handball heranführt. Es ist eine große Basis vorhanden, für die Angebote und Inhalte geschaffen werden müssen, um sie noch mehr für den Sport zu emotionalisieren.

Sie sagen, dass der Fußball dominiert, wie gestaltet sich aber der Wettstreit um die Nummer 1 hinter dem Fußball?

Nach dem Fußball interessieren sich die Deutschen am meisten für Olympische Spiele und Wintersport. Dann kommt aber schon der Handball, als erste einzelne Sportart. Diese Position lässt sich dadurch erklären, dass das Interesse an einer Sportart immer auch von erfolgreichen Protagonisten abhängig ist. Da hat Handball im Vergleich zu Basketball oder Eishockey den Vorteil, dass die Nationalmannschaft immer für einen Titel gut ist und auch die deutsche Liga international an der Spitze steht.

Wie steht die DKB Handball-Bundesliga im Vergleich zu den anderen großen Ligen in Deutschland da?

Im Grunde genommen kommt die HBL auf dem Niveau der 3. Liga direkt hinter dem Fußball. Die Topvereine knüpfen direkt hinter den Vereinen der 2. Fußball-Bundesliga an, wenn nicht sogar darüber. Der THW Kiel liegt auf einem starken 36. Platz. Nimmt man die Fußballvereine heraus, steht der THW an der Spitze, gefolgt von fünf weiteren Handballklubs. Man kann also schon davon sprechen, dass Handball die anderen Mannschaftssportarten hinter sich lässt.

Worauf führen Sie die starke Position des THW Kiels zurück und stechen auch andere Handballvereine ins Auge?

Am Ende entscheidet immer auch der sportliche Erfolg. Kiel hat jahrelang alles abgeräumt und daher auch über den Handball hinaus ein Begriff. Der THW steht für Titel! Die Rhein-Neckar Löwen haben in der jüngeren Vergangenheit mit den zwei deutschen Meisterschaften für Aufsehen gesorgt. Wichtig ist aber nicht nur der kurzfristige Erfolg. Tradition spielt eine große Rolle. Der VfL Gummersbach hat zwar schon länger keinen Titel mehr geholt, ist aber trotzdem weit vorne zu finden, da der Name einfach einen Klang hat.

Bekannt sind auch noch die Weltmeister von 2007. In zwei Jahren richtet Deutschland zusammen mit Dänemark wieder eine Handball-WM aus. Kann der Handball in Deutschland von der Ausrichtung eines solchen Turniers profitieren?

So eine Veranstaltung bietet immer eine große Chance. Große Turniere rufen meist eine große Begeisterung und Unterstützung in der Bevölkerung hervor. Der Ausrichter kann sich als Gastgeber präsentieren und die Sportart erreicht viele Leute. Wie man diese Aufmerksamkeit aber nutzen kann, ist die große Frage. Die reine Ausrichtung und Berichterstattung wird nur zu einem Einmaleffekt führen. Für eine Langfristigkeit bedarf es einer Strategie, wie man diese temporäre Begeisterung einfängt und in weitere Maßnahmen einbindet.

Starke Liga, erfolgreiche Nationalmannschaft und WM-Gastgeber – welches Potenzial sehen Sie noch für Handball?

Die Frage ist, was man als Sportart erreichen will. Will man einmal so groß werden wie die 2. Fußball-Bundesliga, will man mehr Vermarktungserlöse oder will man mehr in den Breitensport und die Jugendarbeit investieren. Da gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, aber auch viele unterschiedliche Interessen. Der Fanmonitor ist da nur ein Gradmesser, der Anhaltspunkte für Potenziale geben kann. Ich denke aber, dass sich dem Handball aufgrund des Interesses in der Bevölkerung und den vielen aktiven Spielern viele Chancen bieten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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