André Haber im ersten Interview

Foto: Lächler

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Vom 12. bis 14. Januar steigt in der Konstanzer Schänzle-Sporthalle das erste sportliche Saisonhighlight am Bodensee. Mit Deutschland, Spanien, Frankreich und Portugal messen sich die seit Jahren besten Teams der Welt beim traditionellen Vier-Nationen-Turnier. Ausrichter ist Zweitligist HSG Konstanz.

Für André Haber wird es die erste Maßnahme als neuer Junioren-Bundestrainer. Der 31-Jährige Sportwissenschaftler war bis Ende 2017 Cheftrainer bei Bundesligist Leipzig, zum 1. Januar 2018 wurde er zudem Junioren-Bundestrainer und bekleidet zusätzlich den Posten des Co-Trainers in Leipzig. Der aus dem sächsischen Meerane stammende Haber war schon zuvor Co-Trainer beim SC DHfK unter dem jetzigen Bundestrainer der Herren, Christian Prokop. Die aktuelle Generation der deutschen U20-Nationalmannschaft hat er bereits kennengelernt, als er gemeinsam mit Jochen Beppler die damalige U18/U19-Auswahl betreute.

Im ersten Interview in seiner Funktion als neuer Bundestrainer spricht er mit Andreas Joas über die Qualitäten der DHB-Auswahl, den Härtetest in Konstanz bei seiner ersten Maßnahme mit den Junioren und die Fortschritte in der deutschen Talentförderung sowie den Reiz, den die Arbeit mit jungen Spielern für ihn ausübt.

Herr Haber, sie waren bis Jahresende Cheftrainer beim Bundesligisten Leipzig. Zum 1. Januar sind sie Junioren-Bundestrainer geworden und sind zusätzlich weiterhin Co-Trainer in ihrem Verein. Inwiefern, auch im Hinblick auf den Start der neuen Aufgabe, konnten Sie über die Jahre überhaupt zur Ruhe kommen?
Ein bisschen Zeit für sich muss man sich nehmen. Das habe ich auch getan. Jetzt möchte ich viel Gas geben und freue mich auf meine Aufgaben. Mit dem Junioren-Team habe ich in der Vergangenheit schon gearbeitet, die Mannschaft kenne ich somit gut. Durch meine Kollegen Erik Wudtke und Klaus-Dieter Petersen erfahre ich zudem eine große Unterstützung, das macht mir den Einstieg leicht.

Sie haben es angesprochen: Sie kennen Ihre Spieler schon sehr gut. Was zeichnet sie aus, auf was können sich die Zuschauer im Rahmen des Top-Nationen-Turniers in Konstanz freuen?
Zum Kennenlernen haben wir auch gar keine Zeit. Wir haben ein sehr schönes Turnier vor uns, das top besetzt ist. Mit Spanien und Frankreich treffen wir auf die aktuellen Weltmeister und Vizeweltmeister. Somit werden wir Spiele auf höchstem Niveau erleben. Unser Team zeichnet sich durch seinen großen Einsatzwillen und Zusammenhalt aus, dazu verfügen wir über sehr variable Typen. Neben der individuellen Ausbildung unserer Spieler wollen wir natürlich auch als Mannschaft erfolgreich spielen.

In Konstanz werden Sie zusammen mit Erik Wudtke und Klaus-Dieter Petersen das erste Mal für die DHB-Auswahl verantwortlich zeichnen. Wie sind die Verantwortlichkeiten verteilt?
Wir arbeiten als Trainerteam eng zusammen und stehen in engem Austausch. Die Verantwortung wird allerdings bei mir liegen.

Wo liegen die Schwerpunkte beim Turnier in Konstanz und dem vorgeschalteten Lehrgang? Worauf kommt es Ihnen bei Ihrer ersten Maßnahme mit der U20 an?
Im Vordergrund steht, dass wir schnell ein gutes Gesamtkonzept erreichen und in der Abwehr mit zwei verschiedenen Formationen agieren können. Im Angriff wollen wir uns weiterentwickeln. Hier wurde schon im halben Jahr nach der Jugend-WM viel Gutes von meinen Vorgängern auf den Weg gebracht, was wir jetzt nutzen können. Wir sind voll im Soll, müssen aber weiter hart am angesprochenen Gesamtkonzept arbeiten.

Dafür bekommen Sie die Möglichkeit, die Fortschritte in absoluten Härtetests gegen die führenden Nationen in Augenschein zu nehmen.
Die Gegner haben wir auch schon vorab beobachtet und wissen, dass alle sehr gut besetzt sind. Wir sind froh, uns mit den Besten messen zu können, sind aber auch furchtlos und wissen, welche eigenen Qualitäten wir einbringen können. Wir müssen auf uns selbst sehen, unsere Leistung auf die Platte bekommen und die eigenen Fortschritte messen.

Nach Jahren ist Deutschland wieder Gastgeber des traditionellen Topnationen-Turniers. Was wissen Sie über Konstanz als Austragungsort?
Alle Verantwortlichen und das Team freuen sich total darauf, vor heimischem Publikum spielen zu dürfen. Es soll sehr schön in Konstanz sein, ich habe nur Positives gehört, war selbst aber noch nicht dort. Vor allem vom enormen Zuschauerinteresse wurde mir berichtet. Wir freuen uns deshalb auf eine gut gefüllte Halle. Und natürlich habe ich die HSG Konstanz in der 2. Bundesliga verfolgt.

Was macht die Arbeit mit jungen Talenten aus, die Sie seit Jahren ausüben?
Wir sind in Deutschland, was die Talentförderung angeht, sehr breit aufgestellt und haben diverse Leistungszentren, die die Spieler fördern und formen. Mir macht es unglaublich viel Spaß, die Entwicklung der jungen Talente zu begleiten, ich habe das jetzt jahrelang mit viel Herzblut gemacht. Das liegt mir und bereitet mir ganz viel Freude.

Angesichts der vielen jungen Shootingstars: Hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden, ist der Sprung nach oben etwas leichter geworden oder nur die Ausbildung besser?
Die Nachwuchsförderung, nicht nur in den Leistungszentren, hat sich verbessert. Der Weg in die Bundesliga oder A-Nationalmannschaft wird immer ein schwerer und weiter bleiben. Es besteht nun einmal eine große Diskrepanz zwischen Jugend- und Herrenhandball. Dieser schweren Aufgabe stellen sich die Jungs. Es gibt jedoch keine Garantien, wer es schafft und wer nicht. Wir haben eine gute Mannschaft, in der jeder überzeugen kann. Es ist unser Auftrag, die Besten eines Jahrgangs zu versammeln und Einzelne für das A-Team zu entwickeln, das schreiben wir uns auf die Fahne und ist klares Ziel.

Im Sommer steht die Europameisterschaft bevor, im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft. Was sind Ihre Ziele für das Turnier am Bodensee und vielleicht schon darüber hinaus?
Wir wollen selbst überprüfen, was wir uns im Lehrgang erarbeitet haben. Wir werden unsere Leistungen beim Turnier ganz genau analysieren. Den Erfolg bemesse ich dabei nicht nur an der Endplatzierung oder Einzelergebnissen. Diese sind zwar ein Indikator dafür, aber die Abhängigkeit davon darf nicht zu groß sein. Wir werden insgesamt genau ansehen, was gut war und wo wir als Team weiter arbeiten müssen. Weiter möchte ich noch nicht voraussehen, das kann man in ein paar Monaten, wenn ich mir einen besseren Eindruck verschaffen konnte.

Fragen: Andreas Joas