Ian Hüter: Tokio ist mein Traum

Foto: Heinz Zaunbrecher

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Ian Hüter ist in Neuss aufgewachsen, hat beim Neusser HV das Handballspielen gelernt und spielt seit dieser Saison mit dem TSV Bayer Dormagen in der 2. Handball-Bundesliga. Doch der sympathische 20-Jährige ist auch Handball-Nationalspieler für die USA. Die USA spielen Handball?

Ja, richtig gelesen und nicht nur das: Hüter hat sich letzte Woche mit den USA für die Panamerikanischen Spiele 2019 in Lima qualifiziert. Zeit, sich mit dem Spielmacher zu unterhalten.

Hallo Ian. Dein Mannschaftskollege Lukas Stutzke hat uns verraten, dass du großer Fan von Shawn Mendes bist und in der Kabine immer wieder Lieder von ihm anstimmst. Kannst du uns mal eine kleine Kostprobe geben?

Ian Hüter: (lacht) Das lassen wir mal lieber, aber da ist was dran. Ich finde Shawn Mendes vom Typ her voll sympathisch und das zeichnet mich auch ein bisschen aus, dass ich einen anderen Musikgeschmack habe als die meisten. Das war jetzt auch ein Thema in der Nationalmannschaft. Als ich den Jungs das gesagt habe, haben die mich auch erst einmal schräg angeguckt (lacht wieder).

Dein Bruder Patrick hat uns erzählt, dass ihr bei euren Großeltern in San Francisco mal im Haus Baseball gespielt habt und du einen Spiegel kaputt geschossen hast. Gab’s Ärger?

Ian Hüter: Da gab es tatsächlich Ärger. Wir versuchen eigentlich jeden Sommer nach San Francisco zu fliegen und meine Großeltern oder jetzt meinen Opa zu besuchen und sind deshalb auch große Fans der dort ansässigen Baseball-Mannschaft, den San Francisco Giants. Da kommt es dann auch mal vor, dass nach Giants-Spielen selber zum Schläger gegriffen und im Garten oder eben leider auch im Haus eine Runde gespielt wird. Dummerweise habe ich damals vergessen, dass hinter mir ein Spiegel steht (lacht).

Was hältst du davon, dass dein Bruder einen Wikipedia-Eintrag hat und du nicht?

Ian Hüter: (lacht) Ich glaube, ich habe den sogar schon gelesen. Den hat er damals bekommen, als er mit der B-Jugend Deutscher Meister wurde. Vielleicht gelingt mir ja auch mal so ein Erfolg, sodass ich dann auch einen Eintrag bekomme.

Und was hat es mit deinem Faible für Teletubby-Memory auf sich? Patrick meinte, dich kann keiner schlagen?

Ian Hüter: Mensch, du bist ja richtig gut vorbereitet. Aber auch das stimmt. Ich habe früher immer mit meiner Oma Memory gespielt und sie musste immer lachen und konnte es nicht glauben, dass ich sie bereits mit zwei Jahren besiegt habe. Aber die Karten waren ´gezinkt´ – also eine war eingerissen, eine andere hatte auf der Rückseite etwas Tape. Das konnte ich mir irgendwie merken und war deshalb unschlagbar. Meine Oma hat das erst Jahre später herausgefunden.

Du bist Sohn einer amerikanischen Mutter und eines deutschen Vaters. Wie bist du zum Handball gekommen?

Ian Hüter: Ich bin durch meinen Stiefbruder zum Handball gekommen, weil wir da immer zugeschaut haben. Mein Vater hat früher auch Handball gespielt. So habe ich dann beim Neusser HV angefangen. Als ich 2008 in die 5. Klasse gekommen bin, bin ich dann zum TSV Bayer Dormagen gewechselt.

Seit letzter Woche bist du Handball-Nationalspieler für die USA. Wie kam der Kontakt zu Stande?

Ian Hüter: Das ist eine ganz interessante Geschichte. Das ist über Umwege zu Stande gekommen. Und zwar hat unser Mitspieler beim TSV Bayer Dormagen, Daniel Eggert, eine Anfrage bekommen, für die USA bei einem Turnier mitzuspielen. Das hat er dann auch gemacht und kam mit Mark Ortega, dem Co-Trainer der USA, ins Gespräch. Ortega hat ihn gefragt, ob er Spieler aus Europa kenne, die einen amerikanischen Pass besitzen und dann hat Daniel gemeint, er hat zwei Jungs bei sich in der Mannschaft, die den Pass haben und jedes Jahr nach San Francisco fliegen. Über Telefonate und Facebook hat Mark mit meinem Bruder und mir Kontakt aufgenommen. So hat das Ganze dann angefangen.

Musstest ihr lange überlegen, als die Anfrage kam?

Ian Hüter: Als erstes haben Patrick und ich das als Ehre angesehen, für die USA spielen zu dürfen. Wir sind zwar in Deutschland aufgewachsen, haben aber noch sehr engen Kontakt zu unserer Familie, die dort wohnt. Die einzige Frage, die wir klären mussten, war der zeitliche Aufwand. Wir spielen beide beim TSV, Patrick studiert nebenher und ich mache eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Das mussten wir erst mit allen Parteien besprechen. Aber für uns war es eigentlich sofort klar, dass wir das machen wollen.

Ihr habt euch nun gegen Kanada für die Panamerikanischen Spiele nächstes Jahr in Lima qualifiziert. Erzähl uns doch einmal, wie man sich den Handball in den USA vorstellen kann.

Ian Hüter: Ich war positiv überrascht! Die Jungs können alle Handball spielen. Dennoch steht der amerikanische Verband ganz am Anfang, den Sport in den USA aufzubauen. Da sind aber viele talentierte Jungs dabei, vor allem wenn man bedenkt, dass einige von ihnen erst seit zwei, drei Jahren Handball spielen. Die meisten sind von der körperlichen Präsenz schon sehr weit. Was noch fehlt, ist das Spielverständnis.

Wo steht der Handball gegenüber den großen US-Sportarten Basketball, Baseball, American Football und Eishockey?

Ian Hüter: Bei unserem Heimspiel in Alabama waren geschätzt rund 300 Zuschauer da. Basketball, Baseball und American Football sind die Top-Sportarten in den USA und das wird auch so bleiben. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass man die Amerikaner für den Handball begeistern kann. Vor allem der Körperkontakt und die Geschwindigkeit des Spiels könnte den Amis gefallen.

Wir haben die Panam-Games angesprochen. Was sind deine Ziele mit der Nationalmannschaft?

Ian Hüter: Das erste Ziel ist mit der erfolgreichen Qualifikation für Lima 2019 geschafft. Da sind wir sehr glücklich darüber. Der große Traum ist natürlich die Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio. Das wird zwar schwer, aber es sollte dennoch auch unser Ziel sein.

Und was können wir von dir und dem TSV Bayer Dormagen in dieser Saison noch erwarten?

Ian Hüter: Das oberste Ziel ist der Klassenerhalt. Das haben wir uns als Team und auch ich mir persönlich als Ziel gesetzt. Da bin ich ganz zuversichtlich, dass wir das packen. Wir haben eine echt coole Truppe und haben jetzt auch gegen den TV Hüttenberg gezeigt, was in uns steckt.

Lukas Stutzke hat uns noch etwas verraten. Dass deine Mutter immer die ganze Mannschaft an Thanksgiving zum Essen einlädt und es laut ihm kein besseres Essen gibt. Was gibt es denn bei den Hüters an Thanksgiving zum Essen?

Ian Hüter: (lacht) Ja, das haben wir vor ein paar Jahren eingeführt. Das hat mit zehn Leuten angefangen und ist dann immer mehr geworden. Zum Essen gibt es den berühmten Caesar Salad und einen riesen Truthahn. Meine Mutter hat für dieses Jahr einen 22 Kilo schweren Truthahn geordert (lacht). Dazu gibt es auch immer Reis und Kartoffelpüree mit Soße. Und dann gibt es noch den berühmten Nachtisch von meiner Mutter. Brownies oder Cookies, meistens sogar beides (lacht).

Das klingt so, als würde bei dir Familie und Freundschaft sehr großgeschrieben.

Ian Hüter: Absolut! Meine Freunde und meine Familie bedeuten mir unheimlich viel. Meine Familie in den USA hat auch immer die Länderspiele im Internet verfolgt. Meine Cousine ist sogar extra zu meinem Opa gefahren, um mit ihm das Spiel zu schauen und meine Tante hat bereits nach Flügen nach Peru recherchiert. Das bedeutet mir sehr viel.

Vielen Dank für das Gespräch!

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