Baurs EM-Kolumne: Brauchen eine ordnende Hand

(Foto: DKB-HBL)

Europameisterschaft
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Markus Baur ist der EM-Experte der DKB Handball-Bundesliga. Der Europameister von 2004 und Weltmeister von 2007 analysiert das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der EM und gibt einen Titel-Tipp ab.

Liebe Handballfans,

die EM ist für das deutsche Team nach der Hauptrunde beendet. Das ist enttäuschend. Man ist mit dem Ziel nach Kroatien gefahren, mindestens ins Halbfinale zu kommen, eine Medaille zu holen. Und man hat ja auch gemerkt, dass man davon nicht so weit weg ist. Aber die Mannschaft hat es einfach nicht geschafft, die Leistung, die in ihr steckt, auch dauerhaft abzurufen.

Das „Endspiel“ gegen Spanien ist eigentlich ganz gut losgegangen. Es machte zuerst den Anschein, als ob wir mehr Tempo ins Spiel bringen können, als ob sich das Gegenstoßverhalten verbessert hat. In die Pause sind wir mit einem knappen Rückstand gegangen. Das war soweit aber noch alles in Ordnung. Dann kam aber der große Einbruch, bei dem die Unsicherheit der vorherigen Spiele wieder zum Vorschein kam. Nach dem 8:0-Lauf der Spanier wusste dieses erfahrene Team, dass nichts mehr anbrennen wird.

Rückblickend aufs ganze Turnier war es unser großes Problem, die gute Abwehrarbeit in einfache Tore durch Gegenstöße umzumünzen, um daraus im Angriffsspiel dann auch mehr Sicherheit zu bekommen. Gerade in der Offensive hat es ein wenig den Anschein gemacht, als hätte die Ballsicherheit, die ordnende Hand im Rückraum gefehlt. Wir waren sehr abhängig von der Durchschlagskraft der Halbspieler.

Man muss die Turnierleistung jetzt genau analysieren. Ich finde, dass wir mit der Abwehr und den Torhütern eine sehr gute Basis haben, auf der man aufbauen kann. Vielleicht könnte man sogar noch eine zweite Abwehrformation einstudieren. Und auch im Angriff ist das Potenzial definitiv vorhanden, das zeigen die Jungs ja jede Woche in der DKB Handball-Bundesliga. Vielleicht braucht es auf dem Feld dann nur jemanden, der auch genau ansagt, was als nächstes passiert.

Trotz der Enttäuschung über das deutsche Aus: Vier Mannschaften sind noch im Rennen – doch dazu gehören etwas überraschend nicht die Kroaten. Der Gastgeber hätte gegen Frankreich mindestens einen Punkt gebraucht. Aber der Weltmeister war einfach zu stark, die Kroaten hatte keine Chance, spielen jetzt um Platz 5. Auch das ist für diese leidenschaftliche Handball-Nation ein Rückschlag.

Die Franzosen sind das einzige Team, das ohne Punktverlust ins Halbfinale durchgekommen ist. Für viele sind sie damit wahrscheinlich der Top-Favorit. Ich tippe am Final-Wochenende aber eher auf die Dänen. Ich sehe den Großteil der Mannschaft ja Woche für Woche in der Liga. Sie haben einfach eine brutal starke Rückraum-Achse, gute Außenspieler, eine gute Abwehr und herausragende Torhüter. Da stimmt einfach alles.

In einem möglichen Finale gegen Frankreich könnte dann die Erfahrung den Ausschlag zu Gunsten der Skandinavier geben, da nach dem Abschied von Thierry Omeyer und Daniel Narcisse ein kleiner Umbruch bei den Franzosen stattgefunden hat.

Euer Schorsch

Der zweimalige Handballer des Jahres Markus „Schorsch“ Baur ist einer der erfolgreichsten Spielmacher in der deutschen Handball-Geschichte. In 228 Länderspielen erzielte er 712 Tore, wurde 2004 Europameister und Olympia-Zweiter und krönte seine Karriere 2007 mit dem Titel bei der Heim-WM. Mit dem TBV Lemgo feierte Baur 2003 die deutsche Meisterschaft. Die Ostwestfalen waren nach der aktiven Karriere auch Baurs erste Trainerstation in der DKB Handball-Bundesliga. Nach Engagements in Lübbecke, Schaffhausen und als DHB-Juniorenbundestrainer betreut Baur seit der Saison 2016/17 den Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart.

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