Baurs EM-Kolumne: Die Spanier haben es sich verdient

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

Europameisterschaft
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Markus Baur ist der EM-Experte der DKB Handball-Bundesliga. Der Europameister von 2004 und Weltmeister von 2007 gratuliert in seiner letzten Kolumne dem neuen Europameister Spanien und erklärt das Erfolgsgeheimnis der Iberer.

Liebe Handballfans,

die Handball-EM ist Geschichte – am Finalwochenende gab es aber noch einige Überraschungen. Ich hatte Frankreich und Dänemark eigentlich im Finale gesehen, am Ende sind sie im Spiel um Platz 3 aufeinander getroffen.

Man muss aber auch sagen: Die Spanier und die Schweden haben sich ihre Finalteilnahme redlich verdient. Die Schweden waren im skandinavischen Duell mit Dänemark das bessere Team, hätten sich fast noch um den verdienten Lohn gebracht, haben dann aber die Verlängerung doch noch gewonnen. Und die Spanier haben gegen die Franzosen ein überragendes Spiel gemacht. Genauso wie zwei Tage später im Finale.

Der Turnierverlauf der Spanier hat mich ein wenig an den deutschen EM-Titel vor zwei Jahren erinnert. Sie haben sich über ihre variable Abwehr in eine gewisse Selbstverständlichkeit rein gespielt, haben mal 6:0 gedeckt, mal fast 3:3 und so jeden Gegner unter Bedrängnis gebracht und Fehler provoziert. Gegen Deutschland und auch im Finale gegen Schweden haben die Spanier die Spiele in der zweiten Halbzeit durch diese flexible Deckung gewonnen. Die gewonnen Bälle haben sie im Angriff dann aber auch super verwertet. Das Spiel über die Kreisläufer war sehr gefährlich, die Außenspieler unglaublich effizient.

Gerade durch die Siege über Deutschland und Frankreich haben sich die Spanier ein solches Selbstvertrauen fürs Finale geholt, dass es unmöglich war, gegen sie zu gewinnen. Und selbst wenn sich der Stammtorhüter Vargas verletzt, kommt eben Arpad Sterbik nach und hält alles. Wenn so etwas funktioniert, wirst du eben Europameister. Das haben sich die Spanier verdient.

Taktisch ist mir aufgefallen, dass ausgerechnet der neue Europameister am seltensten mit dem zusätzlichen Feldspieler agiert hat. Dafür haben sie die flexibelste Deckung hingestellt und hatten zusammen mit Schweden das beste Umschaltspiel im Turnier. Das waren sehr ausschlaggebende Faktoren für den Erfolg.

Trotz der Niederlage im Finale gehören die Schweden für mich zu den positiven Überraschungen des Turniers. Sie sind sicher nicht mit dem Selbstverständnis nach Kroatien gefahren, eine Medaille zu holen. Jetzt ist es Silber geworden. Darauf können sie richtig stolz sein und dieses Gefühl werden die schwedischen Profis auch mit in die DKB Handball-Bundesliga nehmen. Auch der sechste Platz der Tschechen war nicht unbedingt zu erwarten. Aber da sieht man auch einmal, wie eng so eine EM ist: Die Tschechen haben drei Spiele verloren und einmal unentschieden gespielt und sind Sechster. Die Norweger haben nur zwei Spiele verloren und werden Achter.

Ab jetzt liegt mein Fokus wieder voll auf der DKB Handball-Bundesliga. Wir haben die EM-Pause fleißig genutzt und werden uns weiter auf den Rückrunden-Auftakt gegen den TuS N-Lübbecke vorbereiten.

Euer Schorsch

Der zweimalige Handballer des Jahres Markus „Schorsch“ Baur ist einer der erfolgreichsten Spielmacher in der deutschen Handball-Geschichte. In 228 Länderspielen erzielte er 712 Tore, wurde 2004 Europameister und Olympia-Zweiter und krönte seine Karriere 2007 mit dem Titel bei der Heim-WM. Mit dem TBV Lemgo feierte Baur 2003 die deutsche Meisterschaft. Die Ostwestfalen waren nach der aktiven Karriere auch Baurs erste Trainerstation in der DKB Handball-Bundesliga. Nach Engagements in Lübbecke, Schaffhausen und als DHB-Juniorenbundestrainer betreut Baur seit der Saison 2016/17 den Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart.

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