Zebras cooler als Löwen oder Möwen: Pokalsieg

Foto: Foto-Laechler

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Der THW Kiel hat das heutige Finale gegen die SG Flensburg-Handewitt gewonnen und damit zum 10. Mal den DHB-Pokal geholt. Die Zebras begannen taktisch überraschend mit Dahmke in der Mittelposition und führten zur Halbzeit 13:12. Die Flensburger, die gestern noch ein starkes Halbfinale gegen die Rhein-Neckar-Löwen gespielt hatten, kamen in Halbzeit 2 dank eines hervorragenden Niklas Landin (s. Foto) immer mehr in Hinterhand, ohne sich aber aufzugeben.

Vor 13.200 Zuschauern führte der angeschlagene Kapitän Domagoj Duvnjak seine "Zebras" mit einem überragenden Spiel und sieben Treffern zum Sieg im 93. Derby. Insgesamt gewann der THW Kiel dieses Finale durch seine mannschaftliche Geschlossenheit - und dem unbedingten Willen, im ersten Pokalfinale nach drei Jahren den Pokal mit nach Hause zu nehmen.

Im Finale sorgte THW-Trainer Alfred Gislason für die erste Überraschung: Rune Dahmke, normalerweise auf Linksaußen unterwegs, rückte auf die Regisseurs-Position. Das Ziel: Das Kieler Angriffsspiel schnell machen. Und das funktionierte, von Beginn an bissen sich die Kieler in eine Partie gfest, die intensiver kaum hätte geführt werden können. Zweikämpfe um jeden Zentimeter, Emotionen und ein unglaublicher Kieler Fanblock, der seine Mannschaft unermüdlich nach vorn peitschte: Nach sechs Minuten glichen die Zebras nach einem unglaublichen Duvnjak-Wackler erstmals aus, und dann ging die Post ab: Landin entschärfte einen Glandorf-Wurf, hielt danach einen Mogensen-Ball fest - die Grundlage für schnelle Tore durch Raul Santos, Niclas Ekberg und Patrick Wiencek, der einen unfassbaren Duvnjak-Pass verwertete. Das 6:3 zwang Ljubomir Vranjes zur frühen Auszeit, auf den Rängen standen die Schwarz-Weißen Kopf.

Danach entwickelte sich ein hitziger Fight, der zunächst die Flensburger wieder vorn sah. Aber egal, welcher Kieler auf dem Feld stand: Die Mannschaft gab wirklich alles, um den Favoriten zu bezwingen. So wie Nikola Bilyk, der Wiencek mit einem Bodenpass zum 8:7 bediente. So wie Ekberg, der einmal mehr vom Siebenmeterstrich cool blieb. Oder wie natürlich der Kapitän, der zwischenzeitlich wegen Reklamierens ausgepfiffen wurde - und trotzdem eiskalt den Ball zum 10:9 versenkte. Allerdings: Die Zebras schafften es nicht mehr, einen größeren Abstand auf die Anzeigentafel zu bringen. Und so war es Rasmus Lauge, der seine Farben mit dem 12:13-Anschlusstreffer noch vor der Pause wieder hoffen ließ.

Aus dieser kamen die Kieler mit einem starken Fokus: Rune Dahmke netzte aus dem Rückraum ein, Bilyk traf nach schneller Mitte, Duvnjak sogar in Unterzahl. Doch Mahé konterte, und so bleiben die Flensburger dran. Nach Mahés 15:16 war es Marko Vujin, der in Überzahl und bei angedrohtem Zeitspiel zwei Fackeln auspackte, Vranjes nahm wieder die Auszeit. Dieses Mal aber mit weniger Erfolg: Weil Duvnjak durch die Abwehr stürzte und danach zur Bank humpelte. Bange Blicke, doch der Kapitän gab wenig später zu verstehen, dass es noch einmal weiter gehen kann. Gut so, bediente er doch Wiencek zum 20:15, wonach Rune Dahmke in die Geschichtsbücher sprang: Den Flensburger Anwurf aufs noch leere Tor fischte der junge Außen, der beim letzten THW-Spektakel beim REWE Final Four im Jahr 2013 noch im Fanblock stand, verhinderte Dahmke mit einem Hechtsprung, der jedem Basketballer gut zu Gesicht gestanden hätte. Dann verhinderte Landin gegen den freien Mahé den Anschlusstreffer.

Die Waage hatte sich längst in Richtung THW geneigt. Und es lief für die Zebras, die die neunminütige, erfolgreiche Abwehrschlacht ohne Gegentreffer mit dem 21:15 durch Vujin krönten. Flensburg versuchte seinerseits alles, doch in den entscheidenden Momenten war der THW einfach präsenter. Wie Andreas Wolff, der Eggerts Siebenmeter hielt. Wie Landin, der Mahé zur Verzweiflung trieb. Dahmke machte das 22:16 (47.), Ekberg legte direkt per Gegenstoß nach. 13 Minuten vor dem Ende schien sich der Pokalsieg der Kieler zu manifestieren, wenngleich Flensburg nicht aufsteckte. Djordjic jagte den Ball ins Netz, aber die Zebras hatten immer die besseren Antworten parat. Duvnjak traf nach einem spektakulären Überzieher zum 24:18, Steffen Weinhold bei angedrohtem Zeitspiel zum 25:19, Landin hielt einen freien Ball von Mahé, Duvnjak gegen die offene Deckung der SG zum 26:20 - fünf Minuten vor dem Ende wurde die Party in Schwarz-Weiß gestartet.

Mit dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr: Ausgelassen tanzten die Kieler Spieler vor ihrem Fanblock, der seinem Team bis zur letzten Sekunde den Rücken gestärkt hatte, einen unfassbaren Lärmpegel in der Kieler Kurve erzeugt hatte. Immer wieder wurde Duvnjak geherzt, und nach der Siegerehrung feierte jeder Spieler einzeln mit dem Pokal - Jubel, wie man ihn selten erlebt hat. In der Kabine ging die Party weiter: Niclas Ekberg gab seinem Kapitän Duvnjak vor laufender Fernsehkamera eine Kaltgetränk-Dusche, um danach als Kabinen-Dj den Soundtrack für eine lange Nacht anzusteuern.

DHB-Pokal Finale, 09.04.2017

THW Kiel:
Landin (1.-60., 14/1 Paraden), Wolff (1 Siebenmeter 1/1 Parade); Duvnjak (7), Toft Hansen, Weinhold, (1), Dissinger (n.e.), Wiencek (4), Ekberg (5/2), Dahmke (3), Brozovic, Vujin (4), Bilyk (3), Nilsson, Santos (1); Trainer: Gislason
SG Flensburg-Handewitt:
Andersson (1.-45., 6 Paraden), Möller (45.-60., 3 Paraden); Karlsson, Eggert (2/2), Glandorf (4), Mogensen (1), Svan (3), Jakobsson, Heinl (1), Toft Hansen (2), Lauge (4), Mahé (5), Gottfridsson; Trainer: Vranjes
 
Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies
 
Zeitstrafen:
THW: 3 (Weinhold (26.), Bilyk (34.), Toft (41.));
SG: 4 (Karlsson (20.), Heinl (37.), Lauge (39.), Svan (40.))
 
Siebenmeter:
THW: 2/2;
SG: 4/2 (Landin hält Eggert (8.), Wolff hält Eggert (54.))
 
Spielfilm:
1. Hz.: 0:2 (2.), 1:2 (3.), 1:3 (4.), 6:3 (11.), 7:4, 7:7 (18.), 10:10 (24.), 12:10 (25.), 13:11 (27.), 13:12 (29.);
2. Hz.: 14:12 (31.), 15:13, 16:15 (36.), 21:15 (44.), 21:16 (45.), 23:18 (48.), 25:19 (50.), 29:23
 
Zuschauer: 13.200 (ausverkauft) Barclaycard-Arena, Hamburg
 

Alfred Gislason: "Ich bin extrem stolz auf meine Jungs, sie haben eine super Einstellung gezeigt. Wir haben heute vieles richtig gemacht, Landin war überragend, und unsere Abwehr war stark. Ich lobe nicht oft einzelne Spieler, aber das was Dule heute mit seiner Verletzung gezeigt hat, war die Leistung eines echten Weltklasse-Kapitäns. Das ist ein sehr wichtiger Titel für uns - und ein Meilenstein für meine junge Mannschaft."

Domagoj Duvnjak: "Danke auch an Flensburg für ein geiles Finale. Wir haben heute überragend gespielt von der ersten bis zur letzten Sekunde, wir haben alles gegeben. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft. "

 

Ergebnisdienst Pokal

04.03.2018 15:00
DHB-Pokal, Viertelfinale
  
HSG Wetzlar - TVB 1898 Stuttgart 0 : 0
Letzte Aktualisierung: 15.12.2017 11:27:49
Legende: ungespielt laufend gespielt