Plock: Jung, unerfahren - aber sehr ehrgeizig

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Das Unheil deutete sich in der vergangenen Saison schon am 25. Februar an. Der überraschende Auswärtssieg des dänischen Meisters Bjerringbro-Silkeborg beim eigentlich übermächtigen THW Kiel setzte Orlen Wisla Plock gewaltig unter Druck.

Der polnische Spitzenclub brauchte in seinen letzten zwei Gruppenspielen plötzlich und unerwartet auch einen sensationellen Erfolg über Paris Saint-Germain oder beim FC Barcelona, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Die Überraschungen blieben indes aus, während Silkeborg seinen Pflichtsieg gegen das Tabellenschlusslicht Kadetten Schaffhausen landete und den Polen noch das Ticket für die K.o.-Runde entriss.

Keine Frage: Für den vom Mineralölkonzern Orlen finanziell kräftig unterstützten Club war das ein herber Rückschlag. Denn auch wenn die Gruppengegner THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt, Telekom Veszprém, Paris Saint-Germain und FC Barcelona namhaft und vor allem schwer waren, so waren die Verantwortlichen in Plock schon davon ausgegangenen, neben den Schweizern aus Schaffhausen auch Bjerringbro-Silkeborg hinter sich zu lassen. „Natürlich waren wir mit Platz sieben nicht zufrieden“, gibt Präsident Adam Wisniewski zu. Entsprechend groß war die Enttäuschung: Erstmals seit drei Jahren verpasste Wisla mal wieder das Achtelfinale, in dem zuvor einmal gegen Telekom Veszprém (2014) und zweimal gegen Vardar Skopje (2015, 2016) Schluss war.

In dieser Saison soll solch ein Fauxpas um jeden Preis vermieden und wieder die K.o.-Runde er reicht werden – und dabei sollen vor allem die heißblütigen Fans helfen. Die eigene Halle gehört traditionell zu den stimmungsvollsten in Europa, manch ein Titelanwärter ließ hier in der Vergangenheit schon Federn. Flensburg, Kiel, Barcelona – all diese Topmannschaften haben schon unerwartet verloren in der hochmodernen, schmucken und 2010 fertiggestellten Orlen-Arena, die rein gar nichts mehr mit der miefigen Turnhalle zu tun hat, in der Plock beim letzen und einzigen Mal auf polnischem Boden gegen die Löwen spielte.

In der Saison 2008/2009 trafen beide Mannschaften in der Vorrunde aufeinander, damals musste Wisla noch ohne die großzügige finanzielle Unterstützung von Hauptsponsor Orlen auskommen. Entsprechend waren die Polen überhaupt nicht konkurrenzfähig und verloren das Hinspiel im Oktober 2008 in Eppelheim deutlich mit 25:38. Genauso deutlich wurde es beim zweiten Duell nur wenige Wochen später: In einer schlecht beleuchteten Halle mit provisorischen Tribünen und eilig aus Dachlatten zusammengezimmerten Werbebanden, aus denen teilweise die Nägel herausstanden, gewannen die Löwen 37:23 und waren anschließend froh, den etwas abenteuerlichen Trip hinter sich zu haben. Die 110 Kilometer lange Busfahrt am nächsten Morgen mitten durch den Berufsverkehr über dicht befahrene Landstraßen Richtung Warschauer Flughafen war noch einmal ein besonderes Erlebnis.

Letzteres wird den Löwen beim Rückspiel in Polen wahrscheinlich wieder nicht erspart bleiben, ansonsten hat sich aber praktisch alles geändert. Der Gegner ist besser, das Umfeld professioneller geworden. „Ich habe keine Angst vor unserer Zukunft, da wir eine große Unterstützung von der kommunalen Politik, und unserem Generalsponsor Orlen erfahren. Ich bin mir sicher, dass es immer besser wird und wir möchten diese Saison mit guten Leistungen dafür sorgen, dass sich neue regionale Sponsoren engagieren“, sagt Wisniewski: „Wir wollen nicht nur ein gutes Handballteam haben, sondern auch in den Bereichen Management, Finanzen und Marketing wachsen.“

Auf lange Sicht will der Club aus der Woiwodschaft Masowien dem Serienmeister Vive Tauron Kielce Paroli bieten, seit Jahren reicht es hinter dem Champions-League-Sieger von 2016 immer nur zu zweiten Plätzen in der nationalen Meisterschaft. „Kielce ist derzeit eines der stärksten Teams in Europa. Deshalb ist es eine große Herausforderung für uns, sie zu schlagen. Die Erfolge von Kielce sind aber auch für uns gut, da sie wesentlich dazu beitragen, die Popularität von Handball in Polen zu erhöhen“, sieht Wisniewski die Dominanz des Rivalen nicht nur negativ und berichtet, dass die Duelle zwischen den beiden Clubs schon legendär seien.

Erschwert wird die Arbeit von Plock-Trainer Piotr Przybecki allerdings durch den ständigen Verlust von Leistungsträgern. Vor dieser Saison verließen Dmitri Zhitnikov (Pick Szeged) und Rodrigo Corrales (Paris Saint-Germain) den Verein. „Diese Abgänge schmerzen, keine Frage. Aber mit Ádám Borbély haben wir einen starken neuen Torwart gefunden und ich bin mir sicher, dass Nemanja Obradovic uns auf der Spielmacherposition eine große Unterstützung sein wird“, blickt Präsident Wisniewski optimistisch in die Zukunft – auch wenn er um die etwas schwierigen Umstände weiß: „Es gab eine Menge Veränderungen in den vergangenen Jahren, wir sind eigentlich ein ganz neues Team. Wir haben keine Stars, aber erfahrene Nationalspieler im Kader. Um eine Mannschaft zu werden, brauchen wir wohl ein bisschen Zeit. In der Champions League würden wir aber trotzdem gerne ins Achtelfinale kommen.“

Wisniewski freut sich, dass Spitzenteams wie Barcelona oder die Rhein-Neckar Löwen nach Plock kommen. „Wir werden versuchen, einige Punkte zu bekommen – vor allem zu Hause mit der Unterstützung unserer wunderbaren Fans. Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung als Spieler, dass die Atmosphäre in unserer Halle zu den besten in Europa gehört“, sagt der Präsident, der jedoch großen Respekt vor den Löwen hat: „Wer zwei Mal in Folge Meister in der stärksten Liga der Welt war, ist ein Kandidat fürs Final Four. Wir spielen ohne Druck, unser Team ist jung und unerfahren – aber auch sehr ehrgeizig.“

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