Derby-Sieg ist Balsam für die Zebra-Seele

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Der THW Kiel wird aller Voraussicht nach auf Platz vier der Vorrunden-Gruppe B der Handball-Champions-League überwintern. Das 33:30 bei der favorisierten SG Flensburg-Handewitt am Mittwochabend war Balsam für zuletzt so geschundene Zebra-Seelen.

Eben noch hatten die Zebras berechtigten Grund, um den Einzug ins Achtelfinale zu zittern. Nach Siegen gegen Brest und Flensburg ist die Ausgangslage plötzlich glänzend. Platz vier würde im Achtelfinal-Rückspiel sogar Heimrecht bedeuten. Doch der Sieg im 95. Nordderby war noch mehr als nur zwei Punkte in der Vorrunde. "Ich hoffe, dass das jetzt der Durchbruch war", sagte der in Flensburg überragende Christian Dissinger.

Erst am 7. Februar geht es für den THW in der Königsklasse mit dem Heimspiel gegen Telekom Veszprém weiter. Bis dahin gilt es, das gute Gefühl zu konservieren - ganz abgesehen davon, dass schon am 10. Dezember in der Bundesliga Derby Nummer 96 in der Flens-Arena auf dem Programm steht. Keine Selbstverständlichkeit: "Vor dem Derby habe ich abends im Bett schon drei Tage vorher ein bisschen Bauchschmerzen", gab der wieder einmal überragende Kreisläufer Patrick Wiencek im Überschwang der Gefühle nach dem Derbysieg zu. Zu dem Zeitpunkt ließ sich ein strahlender THW-Coach Alfred Gislason noch von den mitgereisten Zebra-Fans feiern, fand anschließend nur lobende Worte für seine Mannschaft, hob besonders auch den 26-jährigen Christian Dissinger hervor, der nach langer Leidenszeit, Problemen mit Ellenbogen und Knie und einem bisherigen Saisonverlauf, in dem er nur als (starker) Abwehrmann in Erscheinung getreten war, mit sieben Toren und einem famosen Auftritt zu einem entscheidenden Faktor im Spiel des Rekordmeisters avancierte: "Für ihn war es ein großer Durchbruch - für seinen eigenen Kopf."

Dissinger selbst war es, der - noch nach Atem ringend - präzise auf den Punkt brachte, was an diesem Tag den Unterschied zu anderen erfolgreichen Auftritten wie beispielsweise in Stuttgart oder gegen Lemgo ausgemacht hatte, die in der Krise immer wieder eine vermeintliche Wende suggeriert hatten: "Nach einem Ausgleich des Gegners, wenn das Spiel kippte, haben wir es zuletzt so oft vergeigt. Heute nicht. Ich habe am Montag zum ersten Mal wieder mit 100 Prozent trainiert, heute hatten wir die zweite, dritte, vierte Luft. Das Wichtigste ist aber die gute Ausgangslage in der Champions League." Die Last, die den Kielern von den Schultern fiel, war spürbar. "Unfassbar", resümierte Kapitän Domagoj Duvnjak an der Seitenlinie. "Mehr als nur ein Sieg in der Gruppe. Das tut gut, das gibt Selbstvertrauen", sagte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. Und Linksaußen Rune Dahmke, der die Flensburger Deckung aus dem Innern ihrer selbst ausgehebelt hatte ("Ich sollte für Unruhe in der SG-Deckung sorgen, weil wir wussten, dass bei denen dann ohne Karlsson die Absprachen nicht mehr ganz so stimmen. Das hat gut geklappt"), musste eingestehen: "Der Druck ist schon enorm momentan. Alle haben doch nur davon gesprochen, dass wir in Flensburg auf jeden Fall auf die Schnauze kriegen."

Intensiv, mitreißend, befreiend - diese Begegnung hatte alles, was ein Derby braucht. Für den Kieler Linkshänder Marko Vujin gab es am Donnerstag Teilentwarnung. Der Serbe habe sich im Spiel bei der SG nur eine Einblutung im Oberschenkel zugezogen, berichtete Mannschaftsarzt Dr. Detlev Brandecker am Nachmittag. "Der Muskel ist intakt, es ist nicht ausgeschlossen, dass Marko am Sonnabend gegen Hüttenberg spielen kann", so Brandecker. Auch Steffen Weinhold (Muskelfaserriss) könnte zum ersten Mal wieder zu einem Kurzeinsatz kommen.

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