Niederlage auch gegen Kielce - Update

Foto: Lächler

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Der THW Kiel hat in der "VELUX EHF Champions League" erstmals seit fünf Partien wieder verloren: Nur 45 Stunden nach der harten Bundesliga-Begegnung in Hannover lieferten die "Zebras" vor 10.000 Zuschauern in der Sparkassen-Arena dem polnischen Meister PGE Vive Kielce einen Kampf auf Biegen und Brechen.

Selbst der Ausfall von Steffen Weinhold, der mit vier Treffern und etlichen Vorlagen bis zu seiner muskulären Verletzung in der 24. Minute eine über-ragende Partie ablieferte, schockte den THW nur kurz. Nach 60 unglaublich intensiven Minuten mit einem stetigen Auf und Ab der Emotionen fehlte den Kieler am Ende aber einmal mehr in dieser Saison die Portion Glück und Geschick, um sich vorzeitig einen der ersten vier Plätze in der Gruppen-phase zu sichern. Eine Weltklasse-Leistung zeigte Patrick Wiencek, der mit acht Treffern aus neun Versuchen erfolgreichster THW-Torschütze war. Letztlich blieb die Belohnung für den leidenschaftlichen Kieler Auftritt aus: Die "Zebras" verloren 29:30 (17:16).

Die Partie gegen die erfahrenste Mannschaft der Königsklasse stand für den THW Kiel unter keinem guten Stern: Nach dem Aufwärmen musste Domagoj Duvnjak wegen seiner Waden-Verletzung aus dem Hannover-Spiel passen, auch Abwehrchef Rene Toft Hansen stand den Kielern nicht zur Verfügung. Und doch waren die "Zebras" und ihre 10.000 Fans, die die Schwarz-Weißen 60 Minuten lang großartig unterstützen, wild entschlossen, gegen den Champions-League-Sieger von 2016 zu punkten. Dabei setzte der grippegeschwächte Steffen Weinhold die herausragenden Akzente: Weinhold holte Strafwürfe heraus, Weinhold traf zum 2:1 und 3:3, Weinhold bereitete vor und sorgte in der Deckung neben Patrick Wiencek für die nötige Aggressivität. Und doch gingen die Gäste beim 4:3 durch einen abgefälschten Jurecki-Wurf in Führung, die sie auch beim 6:5 durch Bieleckis Strafwurf noch innehatten. Die Torhüter, Niklas Landin und Andreas Wolff auf Kieler, Slawomir Szmal auf Kielcer Seite, spielten in diesem Abwehr-Ringen zunächst keine Rolle. Dafür aber der Wille der "Zebras". Rune Dahmke schloss einen Gegenstoß ohne Rücksicht auf die körperliche Unversehrtheit zum 7:6 ab, Zarabec bediente Wiencek per Bodenpass zum 8:7, Ekberg verwandelte einen Strafwurf kompromisslos zum 9:8. Lukas Nilsson fand Wiencek am Kreis, Nilsson tankte sich zum 11:10 durch (17.).

Leidenschaftlich ackerte der THW für jeden Ballgewinn und jeden Wurf, doch mit Dujshebaevs "Blockwechsel" nach Eishockey-Manier im Rückraum - für Trainer-Sohn Alex Dujshebaev, Zorman und Mamic kamen Bombac, Lijewski und Bielecki - bekamen die Gäste Oberwasser: Bielecki traf, Szmal kaufte Vujin einen Wurf ab, was Dukic zum Konter einlud, und nach einem technischen Fehler war es Jurkiewicz, der Wolff zum 13:11 (21.) überwand. Weinhold beendete die torlose Phase, doch Aguinagalde legte nach. Weinhold bediente Weltklasse-Wiencek zum 13:14, der Ausgleich war dann dem Linkshänder selbst überlassen: Im Gegenstoß erzielte Weinhold das 14:14 - ein Tor mit Folgen. Denn bei der Aktion verletzte sich der Nationalspieler am linken hinteren Oberschenkel, humpelte zur Bank und kam nicht wieder zurück. Doch der erneute Rückschlag schien die "Zebras" noch mehr anzustacheln: Wolff verbuchte seine erste Parade gegen Lijweski, und Christian Dissinger schraubte sich zum 15:14 hoch. Nach dem neuerlichen Ausgleich und einem Fehlerfestival auf beiden Seiten bediente Dissinger mit einem Anspiel hinter dem Rücken Wiencek, der zum 16:15 einnetzte. Und urplötzlich war der THW nach einem verwandelten Ekberg-Siebenmeter sogar mit zwei Toren vorn - doch in die Pause retten konnte der THW diesen Vorsprung nicht. Weil Talant Dujshebaev drei Sekunden vor dem Halbzeitpfiff noch eine Auszeit nahm und seiner taumelnden Mannschaft so die Ruhe zurückbrachte, die Lijewski mit dem 16:17-Anschluss belohnte.

Ein Blackout nach der Pause brachte den THW deutlich ins Hintertreffen: Nach Vujins 18:17 gelang den "Zebras" im Angriff nicht mehr viel, Fehler reihten sich an falsche Wurf-Entscheidungen. Gislason reagierte, nahm den verunsicherten Vujin vom Feld und musste improvisieren: Zunächst spielte Nikola Bilyk auf halbrechts, kurz darauf übernahm Rechtsaußen Niclas Ekberg die vakante Position. Ekberg war es auch, der auf dem Weg zum 20:22-Anschluss außerhalb des Kreises von Kielces Torhüter Ivic behindert wurde - ein Pfiff der beiden Unparteiischen Gubica/Milosevic blieb aus, wohingegen auf der anderen Seite Wiencek für ein Allerweltsfoul für zwei Minuten auf die Strafbank geschickt wurde. Dies sollten nicht die letzten heftig umstrittenen Entscheidungen der beiden kroatischen Schiedsrichter gewesen sein - doch zunächst machten sich die Kieler das Leben selbst schwer. Zwei geblockte Nilsson-Würfe sorgte im Gegenstoß für das 24:19 der Gäste (40.), die nun deutlich Oberwasser hatten. Gislason brachte Ole Rahmel, der fortan in der Defensive auf der Halbposition arbeitete - und gemeinsam mit seinen Nebenleuten richtig Druck machte. Der THW kam langsam zurück, mit einem verwandelten Gegenstoß zum 21:24 weckte Ekberg die Lebensgeister der Zebraherde - und ihrer Fans.

Bilyk netzte zum 22:25 ein, Strlek zeigte erstmals Nerven und verzog, Zarabec traf zum 23:25. Nach einem Kielcer Stürmerfoul war es erneut Bilyk, der wuchtig zum 24:25 einwarf - der Hexenkessel Sparkassen-Arena war da längst entfacht. Der polnische Meister traf nun nur noch sporadisch, und vorn machte Wiencek weiter ein grandioses Spiel. Pass von Ekberg auf Wiencek: 25:26. Drohendes Zeitspiel, Pass von Zarabec auf Wiencek: Ausgleich! Elf Minuten vor dem Ende war der THW Kiel zurück, hatte aber weiterhin ein Problem mit den Abprallern: Aguinagalde sicherte sich den Ball, drehte sich um Bilyk und traf zur erneuten Führung für Kielce. Doch die Schwarz-Weißen waren heißgelaufen. "Ersatz"-Rückraumspieler Ekberg traf aus der zweiten Reihe zum 27:27, klaute dann hinten im Zusammenspiel mit dem immer besser werdenden Rahmel den Ball. Beim Gegenstoß schubste Alex Dujshebaev Rahmel um, Ekberg fehlte dadurch die Anspielstation. Die Schiedsrichter entschieden aber nicht auf Foul, sondern kreideten Ekberg zuviele Schritte an. Statt Führung Kiel - Freiwurf Kielce, den Alex Dujshebaev im Kreis stehend zum 28:27 für die Gäste verwandelte. Doch auch von diesem Nackenschlag erholte sich der THW, weil Wolff einen Siebenmeter parierte. Der Abpraller landete aber wieder bei den Gästen, die durch Jachlewski und Jurecki auf 30:28 erhöhten. Zuvor hatte sich Szmal als Stimmungskiller erwiesen und einen Siebenmeter von Zarabec entschärft.

Es wurde dramatisch. Vier Minuten lang stemmte sich die Kieler Abwehr mit einem heißlaufenden Wolff erfolgreich den Angriffen des polnischen Meisters entgegen, doch vorn wurden beste Chancen ausgelassen: Ekberg scheiterte an Szmal, Dahmke jagte den Ball an den Pfosten, Rahmel scheiterte mit dem Gegenstoß nach einer Riesen-Parade von Wolff gegen Dujshebaev an Szmal, bekam wegen eines Fouls aber einen Siebenmeter zugesprochen. Dieses Mal passte es nicht - Szmal entschärfte auch den Strafwurf von Ekberg (59.), und doch war zumindest ein Unentschieden in Reichweite, weil Rahmel zum 29:30 traf - 23 Sekunden vor dem Ende. Kielce versuchte, die letzten Sekunden gegen eine offene Deckung der Kieler herunterzuspielen. Die stellten eine Wurffalle für Jachlewski, doch mit freiem Weg zum Tor entschied sich der polnische Angreifer, abzubrechen und den Ball vom Kreis zurück zur Mittellinie zu spielen - ein klarer Fall von Zeitspiel. Der Pfiff blieb jedoch einmal mehr aus, Bombac warf den Ball in Richtung Zuschauerränge, die Sekunden verrannen. Ein Pass von Wolff auf Bilyk, doch der junge Österreicher scheiterte aus schlechtem Winkel an Szmal. Abpfiff, 29:30-Niederlage. Einmal mehr bitter, einmal mehr unglücklich, zum dritten Mal in Folge mit einem Tor verloren. Die große Chance auf einen Platz unter den ersten Vier, für den es noch eines Punktes bedarf, nicht genutzt. Doch eine Möglichkeit bleibt den "Zebras" noch: Am 4. März treten sie zum letzten Gruppenspiel bei Paris Saint-Germain an - ein Finale für das Heimrecht im entscheidenden Achtelfinal-Rückspiel.

Statistik:VELUX EHF Champions League, 13. Spieltag: THW Kiel - PGE Vive Kielce (POL): 29:30 (17:16)

THW Kiel: Landin (12.-21., 0 Paraden), Wolff (1.-12., 21.-60., 9/1 Paraden); Duvnjak (n.e.), Firnhaber, Weinhold (4), Dissinger (2), Wiencek (8), Ekberg (5/3), Frend Öfors, Rahmel (1), Dahmke (1), Zarabec (1), Vujin (2), Bilyk (3), Nilsson (2), Santos (n.e.); Trainer: Gislason

PGE Vive Kielce: Szmal (1.-25., 52.-60., 6/2 Paraden), Ivic (25.-52., 5 Paraden); Jurecki (6), A. Dujshebaev (4), Kus, Aguinagalde (4), Bielecki (3/2), Jachlewski (2), Strlek (2), Janc (3), Lijewski (1), Jurkiewicz (1), Zorman (1), Mamic, Bombac, Djukic (1); Trainer: T. Dujshebaev

Schiedsrichter: Matija Gubica / Boris Milosevic (Kroatien)
Strafzeiten: THW: 2 (Firnhaber (13.), Wiencek (37.)) / Kielce: 3 (2x Mamic (7., 15.), Bielecki (30.))
Siebenmeter: THW: 5/3 8Szmal hält Zarabec (56.) und Ekberg (59.)) / Kielce: 3/2 (Wolff hält Bielecki (50.))
Spielfilm: 1:0, 2:1 (3.), 2:3 (6.), 4:5, 5:6 (10.), 7:6 (11.), 9:8, 10:9 (16.), 11:10, 11:13 (21.), 12:14 (23.), 15:14 (25.), 15:15, 17:15 (30.), 17:16;
18:17 (32.), 18:21 (35.), 19:21, 19:24 (40.), 21:25 (42.), 24:25 (45.), 24:26, 26:26 (49.), 28:28 (54.), 28:29 (55.), 28:30 (56.), 29:30 (60.).
Zuschauer: 10.000 (Sparkassen-Arena, Kiel

THW-Trainer Alfred Gislason: Anfangs standen wir in der Abwehr nicht gut, und auch unser Torwartspiel war nicht gut. Dann wurde beides immer besser. In dieser Phase dann Steffen zu verlieren, war hart für uns. Anfangs der zweiten Hälfte hatten wir große Probleme im Angriff und haben viele technische Fehler gemacht oder schlecht geworfen. Aber ich muss sagen, dass ich richtig stolz auf meine Mannschaft bin. Rahmel hat sehr gut verteidigt, und Niclas Ekberg hat als Rechtsaußen im rechten Rückraum ein richtig gutes Spiel gemacht. Durch unseren Willen sind wir dann zurückgekommen, haben aber zwei Siebenmeter verworfen. Diese Chancen müssen wir nutzen, so aber haben wir keinen Punkt geholt. Das macht mich traurig, aber ich wiederhole mich da gerne: Ich bin super stolz auf meine Mannschaft, die gegen eine der erfahrensten und vielleicht besten Mannschaften Europas trotz aller Ausfälle ein gutes Spiel gemacht hat.

Kielce-Coach Talant Dujshebaev: Ich bin sehr glücklich über den Erfolg, es ist nicht leicht, in der Champions League und dann auch noch in Kiel zu gewinn. Ein Lob an den THW Kiel, die Kieler haben sehr gut gespielt und hatten große Probleme mit Verletzungen. Es hat uns in die Karten gespielt, dass der starke Weinhold nach seiner Verletzung nicht mehr zurückkam. Nach der Pause sind wir dann auf fünf Treffer weggezogen, das hat uns Power gegeben. Die Situation am Ende möchte ich nicht kommentieren.

Kielces Alexander Dujshebaev: Glückwunsch an den THW für eine großartige Leistung. Beide Teams haben stark in der Abwehr gespielt, für uns war es zum Start der zweiten Halbzeit ein großer vorteil, dass wir auf fünf Tor wegziehen konnten. Am Ende wurde Kiel immer stärker, doch wir haben die letzten Minuten intelligent gespielt. Das ist ein großer Sieg für uns.

Patrick Wiencek, THW-Toptorschütze: Wir sind in beide Halbzeiten schelcht gestartet und haben deshalb leider verloren. Glückwunsch an Kielce um Sieg. Trotz der Niederlage haben wir es weiterhin in unseren Händen, Platz vier zu erreichen. Dafür müssen wir in Paris punkten, und das ist unser Ziel.

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