Konstanz heiß auf Eisenach

Foto: Michael Elser

3.Liga Süd
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Das Handball-Fieber hat die Region am Bodensee und im Hegau längst gepackt. Die Relegation um den Aufstieg zur 2. Handball-Bundesliga zieht die Fans in ihren Bann. Schon das Hinspiel in Eisenach wird vor vollen Rängen ausgetragen, aber auch für das Rückspiel ist ein Großteil der Plätze bereits vergriffen.

Zunächst sind jedoch alle Augen auf das Duell der beiden letztjährigen Zweitligisten ThSV Eisenach und der HSG Konstanz am Samstag, 19.30 Uhr, in Thüringen gerichtet – live auf www.hsgkonstanz.de/livestream.
Auf den ersten Teil des Dramas, in dem über die Arbeit eines ganzen Jahres entschieden wird. Zwei Akte zu je 60 Minuten werden zeigen, welche Mannschaft für ihre überragende Saison mit 52:8 Punkten (Eisenach) beziehungsweise 51:9 (Konstanz) belohnt wird. Ziel beider Vereine ist die direkte Rückkehr in die 2.Handball-Bundesliga. Wie es der Zufall wollte, treffen die beiden von vielen Experten als stärkste der vier Teilnehmer an der Relega-tion eingestuften Teams direkt aufeinander. In der letzten Saison war die HSG dabei zweimal erfolgreich und konnte nach einem 30:25-Heimsieg sogar mit 30:20 in der traditionsreichen Werner- Aßmann-Halle triumphieren.

Nun jedoch alles nicht mehr von Interesse, hört man aus dem Konstanzer Lager. Denn welch große Hürde ihnen die Losfee vor das Ziel „stärkste zweite Liga der Welt“ gesetzt hat, wird schnell anhand der Historie und des Kaders des ThSV Eisenach deutlich.
Insgesamt 31 Spielzeiten ging der aktuelle Meister der 3. Liga Ost in der höchsten Liga der DDR an den Start, nach der Wiedervereinigung zehn Jahre in der 1.Bundesliga und ansonsten durchgängig in der 2. Bundesliga. Erstmals spielt man in dieser Saison nur drittklassig – ein Novum in der Vereins-geschichte. Ein „Betriebsunfall“, der schnellstmöglich korrigiert werden soll – und offenbar auch muss. „Eine weitere Drittligasaison“, erklärt Manager René Witte, „wie die abgelaufene auf dem Niveau der zweiten Liga zu bestreiten wäre nicht noch einmal so machbar. Der Aufstieg ist für uns deshalb von enormer Bedeutung.“ Deshalb wurde beim Unternehmen sofortiger Wiederaufstieg auch nichts dem Zufall überlassen. Mit dem Kroaten Sead Hasanefendić (70) wurde ein international anerkannter Handball-Fachmann verpflichtet, der in seiner langen Karriere unter anderem schon die Ge-schicke der Nationalmannschaften der Schweiz, Bosnien-Herzegowinas, Serbiens und Tunesiens und zahlreicher Erstligisten in den Topligen Europas wie Frankreich, Spanien und Deutschland leitete. Mit Hameln, Minden, Lübbecke und Gummersbach dabei gleich bei vier deutschen Erstligisten.

Zahlreiche Meisterschaften, Pokal- und Europapokalsiege inklusive. Der Taktikfuchs seinerseits bekam hochkarätiges, erfahrenes Personal zur Verfü-gung gestellt. Die Stammformation verfügt über viel Erst- und Zweitbundesligaerfahrung. Der ohnehin schon stark besetzte Kader wurde nach der
Hälfte der Saison im Hinblick auf die Relegation gegen die HSG trotz zwölf Punkten Vorsprung auf den Zweiten – deren elf waren es für die HSG im Süden – sogar noch mit drei Nachverpflichtungen weiter aufgerüstet. Andrej Obranovic, 1,96 Meter großer kroatischer Jugendnationalspieler für den Rückraum, der israelische Nationalspieler Yoav Lumbroso als zusätzlicher Spielmacher sowie der international erfahrene slowenische Torhüter Blaz Voncina (35) sollten dem ThSV gegen Konstanz zum Sieg verhelfen. Doch ausgerechnet der schnell zum Stammkeeper avancierte Voncina zog sich im letzten Punktspiel einen Innenbandabriss im Knie zu und fällt damit für die komplette Relegation aus. Allerdings verfügt auch Stanislaw Gorobtschuk mit Stationen in Gummersbach und Bietigheim über enorme Erfahrung und Qualität.

Gerade in der Abwehr, im Zusammenspiel mit den Torhütern, sieht Daniel Eblen die größten Stärken des ThSV. „Das ist sicher ihr Grundpfeiler“, hebt der HSGCheftrainer die große körperliche Präsenz des Gegners hervor. Im Angriff mache sich „ein ausgefeiltes Spielsystem“ bemerkbar, „das die Stärken der einzelnen Spieler immer wieder zum Tragen bringt.“ So sagt der 44-Jährige denn auch: „Das wird eine riesige Aufgabe, die wir da vor der Nase haben.“ Für viele Beobachter ist Eisenach aufgrund der personellen Möglichkeiten, der körperlichen Überlegenheit und der mit Abstand größten Erfahrung aller Relegationsteilnehmer der große Favorit. „Vielleicht ist dadurch aber auch der Druck grösser“, antwortet Eblen. „Dass wir davon profi-tieren können, setzt jedoch eine eigene gute Leistung voraus. Nur darauf konzentrieren wir uns.“
Dafür steht ihm, trotz einiger Blessuren, nach einer guten Trainingswoche der komplette Kader zur Verfügung. Langsam ist nun auch etwas Anspannung
wahrzunehmen. „Gut so“, meint der HSG-Coach. „Damit steigt die Konzentration.“ Denn neben der Tagesform wird es seiner Meinung nach von entscheidender Bedeutung sein, welche Mannschaft ihre Art des Handballspieles und ihre Schwerpunkte „besser durchbringt.“ Die große Kulisse in Eisenach sehen Trainer und Spieler dabei eher als zusätzlichen Ansporn. Mindestens 150 Fans werden die HSG begleiten und so freut sich Eblen auf die tolle Erfahrung und lächelt: „Es gibt Einfacheres. Man kann daraus aber auch positive Energie ziehen.“ Tim Jud sieht es ähnlich und berichtet von „stetig steigender Vorfreude“, während Paul Kaletsch sich freut: „Das wird das geilste Handballspiel, was aktuell in Sachen Spannung und Stimmung in Deutschland zu sehen ist.“

Somit dürfte sich der Konstanzer Übungsleiter keine Sorgen darum machen müssen, dass seine Akteure wie gewünscht mit Selbstvertrauen, „richtig Bock und Spaß an die Sache herangehen.“ Mit der Frage nach einer guten Ausgangsposition für das Rückspiel im Hexenkessel „Schänzle-Hölle“ lässt er sich jedoch nicht aus der Reserve locken. „Ein gutes Ergebnis aus dem Hinspiel ist es“, so Eblen, „wenn wir nach dem Rückspiel ein Tor mehr erzielt haben.“ Losgelöst vom Endstand ist bei dieser Betrachtung allerdings auch die Art und Weise des Auftritts in Eisenach gemeint, mit der man sich „eine gewisse Selbstverständlichkeit“ für das entscheidende Match vor den eigenen enthusiastischen Fans sichern möchte. Denn keinem ist die Handball-Euphorie in Konstanz und der weiteren Region entgangen.
„Klar bekommt man das mit“, schmunzelt Eblen zufrieden. „Das große Interesse freut uns sehr. Man wird überall darauf angesprochen und die gute Laune schlägt einem um die Ohren. Eine tolle Sache.“ Die Entscheidung nach EuropapokalArithmetik stellt dabei etwas ganz besonderes für alle Beteiligten dar. Was für die Trainer große Anspannung bedeutet, ist bei den Spielern der HSG in „positiver Ungeduld“ (Kaletsch) zu spüren. „Wer auf dieses Spiel nicht heiß ist“, unterstreicht der Torschützenkönig der 3. Liga Süd, „dem ist nicht mehr zu helfen.“ Trotz der schweren Aufgabe vor der Brust scheint es ganz einfach zu sein. Zumindest was die Formulierung des Ziels angeht: „Ein Sieg natürlich.“ Tim Jud sprach damit aus, was sich beide Ver-eine als Krönung einer tollen Saison wünschen. Für alle Zuschauer eine wunderbare Ausgangsposition. Mehr Drama, Emotion und Spannung kann ein
Handballspiel in zwei Etappen nicht bieten.

Beide Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga am 11. Mai um 19.30 Uhr in Eisenach und am 18. Mai um 20 Uhr in Konstanz werden im kostenlosen Full-HD-Livestream auf www.hsgkonstanz.de/livestream  übertragen.
Plätze für den Fanbus nach Eisenach sind nach wie vor für 25 Euro inklusive Getränke im Bus über Christian Riether unter Tel.: 0177/6510009 buchbar. Abfahrt ist am Samstag um 11 Uhr an der Schänzle-Sporthalle, die Rückfahrt ist gegen 22.30 Uhr geplant.

Aufstiegsrelegation zur 2. Handball-Bundesliga:
ThSV Eisenach – HSG Konstanz
(Samstag, 19.30 Uhr, Werner-Aßmann-Halle)

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