Kleiner Mann ganz groß in Eisenach

Foto: sportfotoeisenach

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Beim Handball-Drittligisten ThSV Eisenach sorgt ein kleiner Mann derzeit für Furore, der 18-jährige aus Israel gekommene Rückraum-Mitte-Spieler Yoav Lumbroso. Er trägt erst seit knapp 4 Wochen das Trikot der Wartburgstädter.

Innerhalb dieser kurzen Zeit, die gute Thüringer Luft und Küche hat es möglich gemacht, ist er um 4 Zentimeter gewachsen. Spaß beiseite. Durch einen Übermittlungsfehler wurde seine Körpergröße zunächst als 1,68 Meter angegeben, doch sie beträgt 1,72 Meter.

Für einen Handballspieler der heutigen Zeit freilich klein. Er bringt auch nur (geändert) 74 Kilo auf die Waage. In Boer Sheva wurde er am 15.07.2000 geboren, lebte aber in der 450 Einwohner zählenden Ortschaft Kfar Harif. Er hat noch eine Schwester und einen Bruder. Er spielte Fußball. Ein Hand-balltrainer lud ihn zum Schnuppertraining ein. Yoav Lumbroso fing Feuer und blieb dabei. Er spielte drei Jahre bei Hapoel Kfar Menahem und im Anschluss bei Ironi Rehovot. Die Auswahltrainer wurden alsbald auf ihn aufmerksam. Bereits mit 14 Jahren erhielt er erste Berufungen in die Nachwuchs-Auswahl. Im Vorjahr hat er das Abitur abgeschlossen. Statt einer Ausbildung in technischer Richtung konzentrierte sich Yoav Lumbroso vollkommen auf Handball. Der Wechsel nach Deutschland und zum ThSV Eisenach kam über den ehemaligen Eisenacher Zweitbundesligatrainer Arne Kühr zustande, auch im Trainerteam der slowakischen Nationalmannschaft.

Beim 31:22-Erfolg des ThSV Eisenach über den HC Erlangen II wurde Yoav Lumbroso von über 1.700 Zuschauern mit Beifall schier überschüttet. Sie waren von seiner Spielweise und 6 Treffern (bei 7 Versuchen) hellauf begeistert. Wir sprachen mit dem aufgeschlossenen jungen Mann. Vorab war ihm folgendes wichtig: „Ich freue mich, beim ThSV Eisenach sein zu dürfen. Ich genieße das. Ich danke allen Personen, die mir diesen Wechsel ermöglicht haben, ich danke allen, die mir jetzt täglich helfen!“

Wir sprachen mit ihm:

Welchen Stellenwert nimmt der Handball in Israel ein?

Handball rangiert nur an 5. Stelle. Fußball, Basketball, Tennis und Judo liegen noch davor. Das spiegelt sich auch in den Medien wieder. Einmal pro Woche ist ein Erstligaspiel live im Fernsehen zu sehen. Ansonsten verschwinden Handballberichte in den Medien in hinteren Regionen.

Wie ist der Handball in Israel strukturiert? Wie viel Zuschauer kommen?

Es gibt eine 1. Liga mit 12 Teams, eine 2. und eine in Nord und Süd geteilte 3. Liga. Der führende Verein heißt Macabi Rishon Letsion. Im Schnitt kommen 200 bis 300 Zuschauer. Die Hallen fassen so um die 500 Zuschauer, die größte 1000.

Wird der Handball durch die Sicherheitslage im Land beeinflusst?

Die Sicherheitslage hat keinen Einfluss auf den Sport.

Obwohl nur 1,72 Meter spielen Sie im Rückraum, allerdings im Rückraum-Mitte. Wie sehen Sie Ihre Rolle? Wie interpretieren Sie die Rückraum-Mitte-Position?

In Israel sind die Handballspieler nicht so groß. Es wird eine andere Art des Handballs gespielt. Was meine Körpergröße angeht, ein jeder Nachteil ist zugleich auch ein Vorteil, den ich auf dem Parkett umsetzen will. Ich sehe mich als den Denker und Lenker, der aber auch den direkten Weg zum gegnerischen Tor sucht.

Haben Sie ein sportliches Vorbild?

Lubomir Vranjes und Kentin Mahe.

Wären Sie gern ein paar Zentimeter größer?

Ich bin ganz zufrieden mit meiner Körpergröße.

Was sehen Sie als Ihre Stärken, wo gibt es Nachholbedarf?

Stärken? Spritzig, schnelle Beine, kann ein Spiel lesen. Ich versuche meine Rückraum-Linken und Rückraum-Rechten ins Spiel zu bringen. Nachholbedarf? Ich muss meine Kraftwerte steigern.

Es ist mutig, als 18-Jähriger in die Ferne aufzubrechen, in ein Land, dessen Sprache man nicht beherrscht. Wie kam es dazu? Welche Hoffnungen verbinden sich mit dem Wechsel nach Deutschland?

Es war stets mein großer Traum, professionell Handball zu spielen. Deutschland ist hierfür ein sehr geeignetes Land, geradezu prädestiniert. Der ThSV Eisenach ist durch dessen Freundschaftsspiele mit der israelischen Nachwuchsauswahl auch in Israel bekannt. Und mit Sead Hasanefendic ist hier ein Welttrainer im Amt.

Weshalb der ThSV Eisenach, ein Drittligist?

Über Arne Kühr kamen die Kontakte zustande. Er hat mich bei einem Testspiel zwischen der Slowakei und Israel gesehen. Nach dem Ende der Trainiertätigkeit von Arne Kühr in Eisenach riss der Kontakt ab. Er wurde kürzlich wieder aufgefrischt durch den Jugendnationaltrainer von Israel, der einst Co-Trainer von Sead Hasanefendic in Serbien war. Ich spielte zudem im Vorjahr mit unserer Nachwuchsauswahl in Eisenach gegen ein Mischteam ThSV-A-Jugend/ Zweite Mannschaft.

Ihnen steht die Handball-Welt noch offen. Wo soll es für Sie persönlich hingehen?

Natürlich habe ich Träume. Es geht aber Schritt für Schritt. Jetzt will ich erst einmal mit dem ThSV Eisenach in die 2. Liga aufsteigen.

Wie sehen Sie Ihre derzeitige Rolle beim ThSV Eisenach?

Ich bin der Neue. Die anderen Spieler helfen mir. Ich werde alles tun, um Teil dieses Teams zu werden, um zum Erfolg der Mannschaft beizutragen.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre in der Werner-Aßmann-Halle?

Fantastisch! Die Fans sind tatsächlich unser 8. Mann. Ich genieße die Zuneigung, die mir entgegen gebracht wird. Ich will davon zurückgeben.

Wie klappt es mit der Verständigung? Wo haben Sie Quartier bezogen?

Das klappt zumeist über Englisch. Alle helfen mir. Ich lerne schon die ersten Worte Deutsch. Ein Deutsch-Kurs ist in Planung. Ich habe eine kleine Wohnung unweit des Stadtzentrums bezogen.

Yoav, Danke für das offene Gespräch!

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