Handballakademie befragt Alois Mráz ausführlich

3.Liga Nord-West
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Im Interview mit der Handballakademie steht aktuell natürlich vieles nicht-sportliche im Vordergrund. Dennoch besprechen wir hier mit Alois Mráz den aktuellen Stand der Handballakademie, wie er die Arbeit des VfL in den letzten knapp 2 Jahren bewertet, wo die Stärken liegen und wo noch Luft nach oben herrscht.

Hier gibt es den ersten Teil des ausführlichen Interviews.

Alois, über allem steht aktuell die Frage nach dem Umgang mit dem Corona-Virus. Haben die Spieler der Akademie aufgrund der Anordnungen der Landesregierung nun trainingsfrei?
Nein, haben sie nicht. Sie können aktuell nur nicht im Mannschaftstraining trainieren. Das bedeutet wiederum, dass wir die Möglichkeit haben, aus der Situation in der Hinsicht Profit zu schlagen, dass wir in den anstehenden Wochen im individuellen Kraft- und Athletikbereich arbeiten können und so ganz andere Reize setzen können, als das regulär im Kraft- und Athletiktraining möglich wäre. Dafür ist es aber zwingend notwendig, dass die Spieler sich dieser besonderen Situation bewusst sind und daraus das für sie bestmögliche machen um nach der Pause noch fitter zurückzukommen als wir es jetzt waren. Das gilt natürlich auch und insbesondere in Bezug auf die angeschlagenen Spieler.

Knapp ¾ der Saison waren gespielt, bis die Aussetzung des Spielbetriebes verkündet wurde. Ward ihr überrascht von der Maßnahme oder war das zu erwarten?
Überrascht waren wir nicht. Wir haben gesehen welche Maßnahmen die betroffenen Länder umgesetzt haben. Es war der logische Schritt, der gegangen werden muss, um die Verbreitung des Virus‘ zu verlangsamen. Dass aber das Virus solch einschneidende Veränderungen für unser aller Alltag mit sich bringt, hätten wir – wie wohl die meisten anderen auch – so nicht erwartet.

Nun aber zum sportlichen Bereich und dem bisherigen Saisonverlauf. Bist du mit dem bisher Erreichten zufrieden?
Ich denke, dass wir im Wesentlichen und unter den Umständen sehr zufrieden sein können, mit dem was wir erreicht und geleistet haben. Gemessen an der Situation die sich nach dem Abstieg der ersten Mannschaft in die 2. Liga dargestellt hat, ist das was wir in den letzten neun Monaten erreicht haben wirklich gut. Man darf nicht vergessen, dass aufgrund des Abstieges einige Spieler, die zwar für den erweiterten Bundesligakader vorgesehen waren, aber im wesentlichen auch Einsatzzeiten in der 2. Mannschaft hätten erhalten sollen, nun gar nicht mehr oder nur noch sporadisch in der 2. Mannschaft eingesetzt werden konnten, da sie in der ersten Mannschaft gebraucht werden. Das ist aber natürlich genau unser Ziel, die Spieler dorthin zu bekommen, bedeutet aber aufgrund der letztendlich späten Klarheit darüber auch, dass für die Kader der U23 und U19 kaum mehr die Möglichkeit bestand nachzubessern. Somit mussten wir quasi mit einem Kader von 20 Spielern in die Saisons der dritten Liga sowie der JBLH gehen. Dass wir aktuell die Qualifikation für die nächstjährige JBLH sicher haben und momentan in der Meisterrunde auf dem 4. Platz stehen, der uns zu den besten acht Mannschaften in Deutschland macht sowie auch mit der 2. Mannschaft über dem Strich stehen spricht für die Qualität unserer Spieler und auch unserer Ausbildung, die unsere Spieler hier erhalten. Nicht umsonst haben wir ja auch das Jugendzertifikat mit Stern verliehen bekommen, was uns eine exzellente Jugendarbeit bescheinigt. Und eben auch die Tatsache, dass aktuell sieben Spieler im Kader der Bundesliga Mannschaft stehen, die die Akademie durchlaufen haben, und immer wieder Spieler der unteren Jahrgänge in den höheren eingesetzt werden spricht für die Qualität unserer Arbeit.

Wo liegen die wesentlichen Bereiche, in den wir uns verbessern können?
Wir können uns immer und überall verbessern, das einmal vorne weg. Dazu kommt die allgemeine Athletik- und Kraftarbeit in der wir dauerhaft Entwicklungspotenzial haben. Hier sind wir aber in beiden Bereichen auf dem richtigen Weg und haben uns schon verbessert. Da Nachwuchsarbeit aber
im Gegensatz zum Profisport deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, um Verbesserungen zu erzielen, werden wir hier erst mittelfristig wirklich greifbare Verbesserungen vermerken können. Ist die Basis besser ausgebildet, ist das Niveau der Spieler die oben herauskommen auch ein höheres. Dazu wollen wir weiter systematisch arbeiten und unsere Arbeitsstruktur verbessern. Damit meine ich die Trainingsmethodik die wir auf die Handballakademie VfL Gummersbach anpassen werden. Bis sich Veränderungen an der Basis oben auswirken dauert es aber eben Jahre. Und diese Zeit muss man dem System Nachwuchsleistungssport eben auch geben.

Was sind die Ziele der Mannschaften in der aktuellen Saison?
Mit der U19 haben wir das erste wesentliche Ziel, direkte Qualifikation für die JLBH 20/21 bereits erreicht. Weiteres Ziel hier wäre es gewesen, noch in die Endrunde der DM einzuziehen. Ob und wenn wie das aktuell überhaupt noch umsetzbar ist, steht in den Sternen.
Zielsetzung der 2. Mannschaft bleibt es weiterhin, den Klassenerhalt zu sichern, um auch zukünftig einen leistungsgemäßen Unterbau der Bundesliga aufrecht zu erhalten. Denn nur die wenigsten Spieler sind nach Verlassen der U19 so weit, bereits auf regelmäßige und dauerhafte Einsatzzeiten in der 1./2. Bundesliga zu kommen. Daher brauchen wir die 2. Mannschaft in der 3. Liga um den Spielern hier die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln genauso wie es für die Spieler der U19 wichtig ist, bereits höherklassige Erfahrungen im Herrenbereich zu sammeln. Daran arbeiten wir aktuell mit Nachdruck, das auch weiterhin aufrecht halten zu können.
Mit der U17 und U15 wollen wir insbesondere individuell erfolgreich sein und darüber hinaus jedes Jahr in der Nordrheinliga aktiv sein. Dafür müssen wir jeweils mindestens vierter werden, wonach es aktuell auch jeweils aussieht.
Mit der Schulmannschaft, die in der WK II im Großteil aus Spielern der Akademie bzw. des Internats besteht, konnte dieses Jahr das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia erreicht werden. Wäre die Veranstaltung nicht aufgrund des Corona-Virus‘ abgesagt worden, wäre das ein weiteres Highlight der Mannschaft von Trainer Thomas Möller geworden.

Nach knapp 2 Jahren Arbeit beim VfL Gummersbach. Wie zufrieden seid ihr mit der Entwicklung die ihr genommen habt?
Wir haben vieles geschafft zu verbessern, haben aber immer noch einiges vor der Brust. Dass wir aktuell bis zu 4 Einheiten pro Woche am Vormittag durchführen können, ist dank unserer Partnerschule des Leistungssports von der Gesamtschule Marienheide ein ganz wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Doch auch Spieler anderer Schulen erhalten individuell die Möglichkeit am Training vor dem Unterricht teilzunehmen. Was uns natürlich sehr nach vorne bringt. Ebenso haben wir einen Shuttle einrichten können, der die Spieler nach dem Vormittagstraining zur Gesamtschule bringt, damit die Spieler dort pünktlich in den Unterricht zurückkehren können. In Kombination mit dem Nachführunterricht, der zweimal die Woche stattfindet sowie der wöchentlichen individuellen Lernbetreuung die samstags in unserem Teilinternat im Victors Residenz Hotel stattfindet, sind wir auch dort sehr gut aufgestellt. Ebenso übernimmt mit Gunnar Schmidt ein langjähriger Mitarbeiter der Akademie nach einer zwischenzeitlichen Auszeit den Part des Laufbahnberaters und kümmert sich um die schulische Anschlussförderung unserer Spieler. Praktika, Studium, Ausbildung und Ausbildungsplätze sind über ihn schon zahlreich vermittelt worden, sodass wir auch hier einen weiteren Baustein dazu gewinnen konnten.
Ein weiteres Beispiel wie wir Spieler an uns binden wollen, ist die Einrichtung eines Shuttles in die Region um Bonn herum, über die wir bis zu 8 Spieler zweimal pro Woche nach Gummersbach holen, um so Spieler regelmäßig ins Training holen zu können und Eltern ein wichtiges Gut heutzutage ermöglichen können: nämlich Zeit. Das kommt bisher sehr gut an und bietet uns natürlich auch ganz andere Möglichkeiten, Spieler von außerhalb an uns zu binden.

Was ist ein besonderes Merkmal eurer Arbeit?
Ein besonderes Merkmal unserer Arbeit ist unsere Vielfältigkeit. Kein Tag ist gleich dem anderen weil wir mit Jugendlichen, Eltern, Fans, Sponsoren sowie damit verbunden mit verschiedenen Charakteren und Merkmalen sowie Voraussetzungen arbeiten müssen. Dazu kommt natürlich auch, dass die Teamarbeit im Trainerstab mit vier Mannschaftstrainern intensiv ist weil sie es auch sein muss. Wir gehen die uns gestellten Aufgaben ganzheitlich aber eben auch individuelle an und lösen sie.
Letztendlich befinden wir uns aber im Leistungssport und müssen demnach ein paar klare Regeln befolgen. Das Thema Wertvermittlung ist dabei ein ganz zentraler Punkt. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, was in unserem Fall zum einen der Handball ist. Dort wollen wir gemeinsam mit den Spielern den Weg vom Jugend- über den Nachwuchs- zum – im Idealfall – Bundesligaspieler entwickeln. Und das jederzeit gemeinsam mit dem Spieler. Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich das Thema Schule. Dort wollen wir zusammen mit der Schule die Jungs für die Zeit nach der Schule bestmöglich vorbereiten und ihnen auch für den Fall, dass es mit dem Handball nicht bis nach ganz oben klappt, ein gutes Rüstzeug an die Hand geben, mit dem sie sich im späteren Arbeitsleben durchsetzen können. Und das geht nur, wenn sie bereit sind, in der Jugend auf viele Dinge zu verzichten, die ihre Freunde machen können, sie selber aber eben nicht.

Wie wichtig ist die Zertifizierung der HBL für eure Arbeit?
Die Zertifizierung ist für uns sehr wichtig, weil sie von offizieller Seite dokumentiert, dass wir hier – nicht zum ersten Mal – sehr gute Arbeit leisten. Und sie ist Ansporn zugleich, uns stetig weiterzuentwickeln, um von neuern und sich geänderten Anforderungen nicht überrascht zu werden.
Blickt ihr nur auf euch selbst und seht, was ihr habt und verbessern könnt oder sind andere Leistungsstützpunkte auch interessant als Ideengeber?
Natürlich blicken wir im Wesentlichen auf uns und unsere Gegebenheiten. Aber ein Blick über den Tellerrand hinaus auf andere Vereine und deren Lösungsmöglichkeiten und Handhaben bietet immer neue Gedanken und Ideen, wie man diese auch im eigenen Verein umsetzen kann. Nur auf sich zu gucken verwehrt einem den Blick auf anderes und neues. Da gilt es dann das für sich bzw. die eigenen Bedingungen am besten Umsetzbare herauszufiltern und mitzunehmen. Diese Erfahrungen konnten wir schon in anderen Handballvereinen und auch in Vereinen anderer Sportarten sammeln.

Wie weit sind die Planungen für die nächste Saison?
Natürlich müssen wir in dieser Zeit vieles abwarten. Die Jugendmannschaften sind im Wesentlichen klar. Die dritte Liga muss allerdings noch abwarten wie sich die Situation entwickelt. Grundsätzlich gestaltet sich die Planung vor dem aktuellen Hintergrund schwer.
Wir müssen lösungsorientiert bleiben und mit einem positiven Blick auf die kommenden Aufgaben die uns gerade gestellt werden blicken.

Werden viele neue Spieler kommen?
Aktuell werden wir einige Spieler neu ins Internat aufnehmen und in den C-Jugendjahrgängen Zuwachs bekommen. Die Neuzugänge im Internat werden unsere U19 sehr gut verstärken, sodass wir den dortigen – altersgemäßen – Auszug einiger Spieler mit Neuzugängen ausgleichen werden. Da wir alle Spieler der U19 auch für die U23 halten wollen, werden wir über unsere Neuzugänge den Kader in beiden Teams sowohl in der Spitze als auch in der Breite besser aufgestellt haben.

Gibt es auch für Spieler die Möglichkeit, in Gummersbach zu spielen, wenn sie nicht aus Gummersbach selber kommen?
Ja! Nicht nur über den Shuttle nach Bonn bieten wir generell Möglichkeiten an, in der Heimat wohnen zu bleiben aber dennoch für die Akademieteams zu spielen. Aktuell haben wir einige Spieler in den Kadern die nicht unmittelbar aus Gummersbach kommen, aber dennoch für uns spielen. David Chebecko aus der U15 zum Beispiel oder aber Leonard Viebahn und Julian Neu in der U17 und U19. Leonard wohnt aber mit Engelskirchen noch immer sehr nah an Gummersbach dran, während David aus der Nähe von Lohmar so oft es geht zum Training kommt. Julian kommt derweil aus Olpe zu uns gefahren. Gleichermaßen hatten wir auch Spieler, die über den Shuttle den Weg in unser Teilinternat gefunden haben, wie Torben Rückriem zuletzt. Eine nochmal andere Route haben Bruno Eickhoff, Kilian Werz und Finn Schroven genommen. Sie waren eine Zeit lang Gastspieler bei uns, und wurde von ihren Eltern auch noch zum Training nach Gummersbach gebracht als sie fester Bestandteil unseres Kaders wurden. Als der ganze Zeitaufwand nicht mehr umsetzbar war, haben wir den Shuttle starten können, sodass alle drei Jungs von Bonn aus mitgenommen wurden. Inzwischen wohnen die drei Jungs nicht mehr bei ihren Eltern sondern sind ins Teilinternat gezogen und gehen auf unsere Partnerschule von der Gesamtschule Marienheide, um so auch die Vormittagstrainingseinheiten wahrnehmen zu können.

Einige Spieler kommen aus dem Ausland ins Internat. Wie werden diese untergebracht? Wie läuft die Schullaufbahn und –Betreuung ab?
Diese werden letztendlich genauso untergebracht wie die aus Deutschland kommenden Internatsspieler auch. Etwas anders sieht dabei natürlich die Schulsituation aus. Während wir bei unserem ersten ausländischen Jugendspieler Eldar Starcevic die Situation so lösen konnten, dass er vorerst ein Jahr die Gesamtschule Marienheide besuchte, um Deutsch zu lernen, hat er im zweiten Jahr die ersten Klausuren mitschreiben können, um dann im dritten Jahr als vollwertiger Schüler die 10. Klasse zu durchlaufen. Dabei hat er sogar seine Versetzung in die Oberstufe gemeistert und ist vor anderthalb Jahren mit dem Fachabitur in eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gestartet. In der Berufsschule macht er eine gute Figur, sodass man ihn sicherlich als Paradebeispiel der gelungenen Integration ausländischer Spieler in das deutsche Schulsystem nennen kann. Aktuell haben wir bei Jan Trunda, der aus Tschechien im letzten Sommer zu uns kam, eine wiederum andere Lösung. Über das tschechische Schulsystem hat er die Möglichkeit, seinen Schulstoff per selbstständigem E-Learning durchzuarbeiten und nur zum Schreiben seiner Prüfungen nach Tschechien zu reisen. Er wurde als Gastschüler an der Gesamtschule Marienheide aufgenommen. So haben wir hier die Schule als idealen Partner für die Verbesserung seiner Deutschkenntnisse auf der einen Seite im Boot, auf der anderen Seite bietet sie ihm ausreichend Freiräume um auch in der Schule seinen eigenen Schulstoff durcharbeiten zu können. Außerdem erfüllt Jan so seine Schulpflicht. Er hat einen festen Stundenplan der ihn mit 8-10 Stunden Deutschunterricht in der Woche sehr gut ans Lernen bringt, ihm aber eben auch Freiräume lässt, seine tschechischen Aufgaben zu erledigen. Das ist für viele Schüler aus dem Ausland ein willkommenes Angebot, für das wir der Gesamtschule Marienheide sehr danken! Im Anschluss an die Schullaufbahn gehen wir auch mit den ausländischen Spielern so um, wie mit den Deutschen. Wir suchen über Gunnar Schmidt unseren Laufbahnberater Möglichkeiten und Interessen, wie es für den Spieler ganz individuell weitergehen kann.
Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass durch die sehr gute Kooperation mit der Gesamtschule Marienheide in Person von Wolfgang Krug als Schulleiter, Rüdiger Nolte als Leistungssport beauftragter Lehrer sowie Thomas Möller als Trainer der Schulmannschaft eine funktionierende Partnerschaft existiert, die uns und unseren Spielern die Möglichkeiten bietet, die bestmögliche Verzahnung von Schule und Sport zu realisieren.

Wird es Änderungen auf den Trainerpositionen geben?
Aktuell sind wir in der Findungsphase, die durch das Corona-Virus und die damit verbundenen Konsequenzen leider alles andere als leicht geworden sind. Wir bemühen uns, uns in allen Bereichen
zu verbessern und dazu gehört auch die Trainerfrage. Demnach können wir nur sagen, dass wir uns diesbezüglich viele Gedanken machen und mit einigen Trainern in Kontakt sind.

Nicht erst seit der Personalie Christian Prokop wird vermehrt über Wertevorstellungen im Sport und Alltag allgemein gesprochen. Was ist der Handballakademie VfL Gummersbach wichtig?
Wir wollen eine offene und ehrliche Kommunikation mit den Beteiligten führen. Dennoch gibt es dafür natürlich auch natürlich Grenzen, die wir für wichtig erachten. Über Trainingsinhalte, Aufstellungen und Kaderzusammenstellungen werden wir uns im Trainer- und Verantwortungsteam auseinandersetzen und diskutieren. Das ist aber nichts was per se mit Spielern oder Spielereltern besprochen wird.
IM Umgang miteinander in der Halle sowie bei Spielen und Veranstaltungen der Akademie haben wir vor anderthalb Jahren unseren Claim „Heimat des Handballs“ herangezogen und über „HEIMAT“ Charaktereigenschaften definiert, die für uns einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen.

Was sind das für Eigenschaften?
PersönlicHkeit, RespEkt, MotivatIon, KomMunikation, TeAmfähigkeit, SelbstsTändidigkeit sind die sechs zentralen Eigenschaften die unserer Spieler, Trainer, Betreuer und ebenso unsere Arbeit auszeichnen. Die Persönlichkeit gilt es über die Jahre zu entwickeln und stetig daran zu arbeiten, wie es auch in der Rahmentrainingskonzeption des DHB gefordert wird, in der die Persönlichkeitsentwicklung ein zentraler Baustein der Toptalentearbeit ist. Das erreichen wir über den Respekt vor dem Mitspieler, Trainer, Betreuer, Vereinskollegen sowie Gegner, Schiedsrichter und allen am Spiel direkt oder indirekt beteiligten Personen. Motivation, jeden Tag aufs Neue das Beste zu geben ist zwingend notwendig, um den Schritt ganz nach oben schaffen zu können. Und auch wenn es dafür nicht schaffen sollte, muss ich jeden Tag motiviert sein, um mein Limit zu erreichen und vielleicht sogar nach oben verschieben zu können. Das Thema Kommunikation ist und wird immer wichtiger. Mit Trainern, Verantwortlichen, Eltern und Lehrern muss immer wieder kommuniziert werden, auf diversen Wegen und in verschiedenen Situation. Dass das zielorientiert und vernünftig abläuft ist ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit und für uns wichtig. Teamfähigkeit schließt sich den Themen Respekt und Motivation an. Nur wenn wir unsere Spieler zu gegenseitigem Respekt, eigenständiger Motivation sowie zu einer gesunden Portion Ehrgeiz erziehen, werden wir eine starke Gemeinschaft bilden und als Team erfolgreich sein. Abschließend in der Reihenfolge steht der Begriff der Selbstständigkeit, der verdeutlichen soll, dass wir unsere Spieler dazu erziehen wollen, zu realisieren, dass sie selber im Wesentlichen für ihre Leistungsfähigkeit und damit auch etwaige Einsatzzeiten verantwortlich sind. Talent ist nicht gleichbedeutend mit Einsatzgarantien. Es gab und wird viele talentierte Spieler geben, die den Weg nach oben nicht in dem Maße schaffen, wie sie sich das erhofft hätten, weil sie nicht selbstständig arbeiten und sich selber motivieren können, auch an schweren Tagen zu trainieren. Im Gegensatz dazu werden es womöglich Spieler schaffen, die sich die Chance lange und hart erarbeitet haben und anschließend in der richtigen Situation ihre Chance ergriffen haben.

Neben der eigentlichen Arbeit im Leistungssport; habt ihr weitere Projekte, die ihr betreut?
Um irgendwann einmal Leistungssport betreiben zu können, müssen wir in der Breite und damit verbunden an der Basis arbeiten. Aus einer breiten Basis wächst eine hohe Spitze. Das ist auf der einen Seite einfach und logisch, auf der anderen Seite aber leider nicht ganz so leicht umgesetzt. Wir arbeiten mit 3 Kindergärten und 5 Grundschulen zusammen, um bereits dort Grundlagen für spätere Sportkarrieren zu legen. Dabei ist uns der Output in den Handball erstmal nicht wichtig. Es geht darum, die Spiel- und Sportfähigkeit der Kinder zu erhöhen bzw. in vielen Fällen sogar erst zu wecken. Die Entwicklung geht leider immer weiter in Richtung Abstinenz vom Sport, sodass wir früh anfangen den Kindern zu zeigen das Sport Spaß macht und man auch etwas Gutes für den Körper tun kann.
Darüber hinaus haben wir Handballcamps in unserem Angebot, in denen wir den Kindern auch in den Ferien die Möglichkeit geben wollen, mit den Trainern der Akademie zu trainieren und drei Tage lang wie die Profis trainieren zu können.
Und auch für unsere Akademiespieler haben wir seit etwa anderthalb Jahren eine Lernbetreuung eingerichtet, die jeden Samstag Unterstützung bietet, um schulische Themen nachzuarbeiten und Klausuren vorzubereiten.
Ebenso haben wir mit unseren Internatsspielern einen Rollentausch mit den Angestellten des Victors Residenz Hotels durchgeführt, um den Spielern einmal zu vermitteln, was es bedeutet in einem Hotelbetrieb zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass die Zimmer sauber, das Essen frisch und warm sowie die Zimmer überhaupt verfügbar sind. Im Gegenzug war es genauso wichtig, dass die Mitarbeiter im Hotel erfahren konnten, was die Jungs täglich im Training leisten. Das haben sie durch ein gemeinsames Training mit den Spielern und Trainern der U19 erlebt, sodass sie auch ein Gefühl dafür bekommen konnten, was die Jungs abreißen, um sich den Traum vom Handballprofi erfüllen zu können.

Weshalb geht ihr in Kindergärten und Grundschulen. Dort wird ja noch kein Leistungssport betrieben…?
Hier geht es wie oben schon angerissen darum, den Kindern den Spaß am Sport im Allgemeinen zu vermitteln. Ihnen klar zu machen, dass es Spaß macht und Freundschaften entstehen lassen kann, wenn man gemeinsam einer Passion nachgeht. Da geht es uns erstmal nicht darum, den nächsten Nationalspieler zu entdecken, sondern primär den Rückgang der Sportaffinität aller Kinder zu stoppen und diese in den Sport zu bringen. Ob sie Turnen, Volleyball oder Handball spielen ist uns dort wirklich nicht wichtig. Wenn wir Handball-talentierte SpielerInnen erkennen fragen wir sie aber natürlich, ob sie Interesse haben, mal zu einem unserer Trainingseinheiten zu kommen. Was dann aus diesen Kindern wird, ist aber ohnehin nicht absehbar. Da oftmals im Grundschulalter wenn überhaupt schon Sportaffinitäten vorhanden sind, die dann häufig in Richtung des Fußballs ausschlagen, versuchen wir den anderen Sportarten wie auch dem Handball bereits im Kindergartenalter Zuwächse zu ermöglichen, in dem wir dort aktiv mit den Kindern arbeiten. In den Minis und Bambinis haben wir seit etwa anderthalb Jahren einen regen Zuwachs verzeichnen können, weil auch diejenigen die die Kindergärten betreuen, die sind, die das Training im Verein leiten. Das schafft Verbindungen und Identifikation mit der Sache.

Wo soll der Weg der Akademie hinführen? Seid ihr zufrieden mit der Anschlussförderung in Richtung Bundesliga?
Im aktuellen Fall muss man sagen, dass es für die Verzahnung im letzten Jahr sehr gut lief. Die Unterstützung, unabhängig vom sportlichen Abstieg in die 2. Liga, seitens der GmbH in Richtung Akademie war nie größer als sie es aktuell ist. Und das nicht einmal nur, was die Integration der Jugendspieler in den Kader bzw. das Training der Bundesligamannschaft betrifft. Aktuell sind ja 7 Spieler im Kader der Bundesligamannschaft, die in Ihrer Jugend die Akademieteams durchlaufen haben. Und auch neben diesen fixen Kaderspielern haben im Laufe der Saison weitere Spieler der U19 die Möglichkeit erhalten, sich im Training bei den Profis zu beweisen. Julius Fanger hat bereits erste Einsatzzeiten erhalten, Mathis Häseler hat sich im Training mehrfach beweisen können, genauso wie Loïc Kaysen vor seiner Verletzung regelmäßig im Training Bestandteil der Mannschaft war. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wir aber keineswegs am Ende sind.

Wird der Anteil an eigenen Nachwuchsspielern weiterhin so hoch bleiben, wie er aktuell ist, oder ist das eine Ausnahme?
Unser Ziel ist es natürlich, dass der Anteil eigener Spieler im Kader der Profis so hoch bleibt, oder vielleicht sogar noch ansteigt. Dafür ist es notwendig, dass wir im Scouting noch besser werden, die Qualität unserer schon sehr guten Arbeit in der Halle immer weiter verbessern und so die Spieler
technisch, taktisch, athletisch so früh wie möglich, so gut wie möglich machen. Dann werden wir auch in Zukunft einen weiterhin hohen Anteil Spieler bei den Profis haben, die den Weg in der Heimat des Handballs genommen haben.

Wie sieht die Perspektive für Nachwuchsspieler beim VfL Gummersbach aus?
Es bieten sich aktuell wenig bessere Möglichkeiten für Jugendspieler wie wir das betrachten. Wir spielen in allen Klassen in der jeweils höchsten Spielklasse, habe eine nachweislich sehr hohe und gute Durchlässigkeit in die jeweils höheren Mannschaften, um so ganz individuell jeden Spieler so gut es geht fördern zu können. U15 Spieler sind bereits in der U17 aktiv, von deren Spieler wiederum bereits in der U19 Einsatzzeiten erhalten. Die Integration der ältesten Jugendmannschaften in die Kader der 2. Herrenmannschaften läuft ohnehin schon seit geraumer Zeit sehr gut und wurde durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der GmbH auch immer wieder weiter verbessert. Sodass wir aktuell für jeden Spieler sehr gute Möglichkeiten haben, sich bei uns zu entwickeln und die nächsten Schritte ihrer Karriere zu gehen. Und das alles in bestmöglicher Kombination mit der weiteren beruflichen Perspektive über das Standbein Ausbildung, Studium, Praktika.

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