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Alle Augen auf das Derby

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

1.Bundesliga
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Zum 103. Mal schaut Handball-Deutschland am Sonntag nach Schleswig-Holstein: Die Begegnung zwischen dem THW Kiel und der in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga noch ungeschlagenen SG Flensburg-Handewitt rückt den Sport deutschlandweit wieder in den Blickpunkt des Interesses:

Sky und das NDR-Fernsehen übertragen ab 13:40 Uhr 60 Minuten Spitzenhandball live aus Kiel, zudem werden unter anderem die "ARD Sportschau" und die "ZDF Sportreportage" aus der mit 2400 Zuschauern ausverkauften Wunderino Arena berichten. Sportlich will der THW Kiel mit einem Erfolg gegen den Erzrivalen den Anschluss an die Spitzengruppe, zu der die SG als Tabellenzweiter unzweifelhaft gehört, halten und die Niederlage vor Wochenfrist in Wetzlar durch zwei wichtige Heim-Punkte zumindest ein bisschen gerade rücken: "Dafür müssen wir Sonntag alles besser als zuletzt machen", fordert THW-Trainer Filip Jicha.

Wetzlar noch im Hinterkopf, das Derby aber fokussiert vor Augen: Durch die Absage des Heimspiels gegen Zaporozhye hatten die Zebras in den vergangenen Tagen ungewöhnlich viel Zeit, sich mit der krachenden Niederlage in Wetzlar auseinanderzusetzen. "Keiner von den Leistungsträgern hat dort geliefert, und es gab einen großen Qualitätsabfall. Das darf uns nicht noch einmal passieren", berichtet THW-Trainer Filip Jicha von einer "intensiven Woche". Von dieser spricht auch THW-Kapitän Patrick Wiencek: "Wetzlar hängt mir immer noch in den Knochen", gesteht das dienstälteste Zebra. "Das war eine der bittersten Niederlagen, die ich je erlebt habe. Vielleicht ist dieses Erlebnis aber auch gut für uns, weil wir wissen, dass wir alles besser machen müssen: Wir werden Sonntag anders auftreten. Jeder wird alles reinhauen, jeder wird seinen Job erledigen!" Das unstreicht auch Steffen Weinhold: "Wir haben uns in den vergangenen Tagen viel mit Wetzlar beschäftigt, haben viel aufgearbeitet. Dort haben viele Dinge nicht funktioniert. Wir müssen uns jetzt darauf besinnen, dass wir eine gute Deckung stellen und im Angriff wieder eine höhere Dynamik und mehr Zug zum Tor haben."

Dass auch die Flensburger, die beim 26:31 in Skopje am Donnerstag ihre erste Niederlage in der EHF Champions League kassierten, mit einem Negativ-Erlebnis in die Begegnung am Sonntag gehen werden, dürfte allerdings wenig Auswirkungen auf das 103. Derby in der Historie beider Mannschaften (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv) haben. "Ein Derby ist nie Alltag. Tabellensituation, Phase der Saison oder andere Gegebenheiten sind egal, wenn diese beiden Teams aufeinandertreffen. Das war vor Corona so, und das wird immer so bleiben. Deshalb fiebern wir dem Spiel am Sonntag richtig entgegen", sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. "Alles andere ist dann erst einmal für 60 Minuten vergessen. Wir haben ein Heimspiel, es geht gegen Flensburg." Ärgerlich nur: Beide Mannschaften können nicht in Bestbesetzung auflaufen. Die prekäre Verletzten-Situation beim THW Kiel ist hinlänglich bekannt, und auch die Flensburger erwischte es hart: Mit Johannes Golla (Mittelfußbruch) und Jacob Heinl (Innenbandriss im Knie) fehlen zwei Kreisläufer seit der Vorbereitung, beim 29:27-Auftakterfolg der SG in Wetzlar erwischte es auch noch den neunfachen Torschützen Lasse Möller: Der Neuzugang von GOG Gudme musste an der Hand operiert werden und wird ebenfalls monatelang ausfallen. "Das ist sportlich ein ganz herber Rückschlag", sagt SG-Cheftrainer Maik Machulla. "Lasse hat sich super in die Mannschaft integriert und schnell gezeigt welche Qualitäten er hat." Den Kader der SG hatten wir bereits im Vorbericht zum Pixum Super Cup, den der THW Kiel mit einem 28:24-Erfolg gewann, ausführlich vorgestellt.

Beim THW Kiel ist die Vorfreude auf das Derby groß: "Ich habe diese Partien als Spieler sehr genossen", sagt Jicha. "Wer bei einem Derby nicht seine Bestleistung bringen möchte, ist am falschen Fleck. Besonders machen das Derby seine Geschichte und die Brisanz, die es aus dieser Geschichte zieht. Davon möchte man als Handballer einfach ein Teil sein." Besonders freut es den Tschechen und alle beim THW Kiel, dass die Wunderino Arena am Sonntag zum ersten Mal in Corona-Zeiten mit 2400 Zuschauern vollbesetzt sein wird: "Endlich können wir einmal das melden können, was bei uns früher Alltag war: ein ausverkauftes Haus." Er freue sich, so Jicha weiter, über jeden Zuschauer, der den Weg in die Arena finde. "Damit jeder sich ein eigenes Bild von unserem stimmigen Hygienekonzept machen kann. Wir möchten die Fans davon überzeugen, dass Handball einen riesigen Spaß macht. Diese Atmosphäre in einem größtmöglich sicheren Umfeld live zu erleben, ist vielleicht auch ein Schritt zurück in ein bisschen Normalität." Steffen Weinhold: "Unsere Fans sind ein wichtiges Element. Es ist schwierig für uns, nicht unsere 'gewohnte' weiße Wand hinter uns zu haben. Aber wir spüren jeden einzelnen Fan. Und es macht einen Riesen-Unterschied, ob man ohne Zuschauer, vor 1000, 1500 oder eben wie jetzt am Sonntag vor 2400 Fans spielt. Von ihnen bekommen wir eine große Energie, die wir als Mannschaft brauchen." Auf diese Energie setzt auch Szilagyi: "Beim Spiel gegen Hannover haben 1700 Fans gezeigt, was sie für eine Stimmung machen können. Sonntag sind erstmals seit Corona 2400 in der Halle - und es ist ein Derby. Da werden bestimmt noch einmal ein paar Dezibel draufgepackt."

Im gleichen Atemzug nimmt Szilagyi jedes einzelne Zebra auf den Feld in die Pflicht: "Die Mannschaft muss dafür sorgen, dass der Funken auf die Ränge überspringt. Dann wird das Feuer von den Fans zurückkommen. Wenn wir Kieler eine Einheit bilden, wird es für Flensburg schwer." Anpfiff für das 103. Derby, bei dem Routinier Mattias Andersson zum 54. Mal in seiner Karriere als Torhüter dabei sein wird, ist um 13:40 Uhr. Schiedsrichter sind Robert Schulze und Tobias Tönnies. Sky überträgt wie gewohnt live, zudem ist das "Spiel der Spiele" im Handball-Norden auch im Free-TV im NDR-Fernsehen zu sehen. Patrick Wiencek ist heiß auf das Duell zwischen den Meeren: "Sonntag spielt der Titelverteidiger gegen den Vizemeister der vergangenen Saison. Natürlich ist das etwas Besonderes. Wir haben zwar schon einmal in dieser Saison gegen Flensburg gespielt und den Pixum Super Cup gewonnnen, aber Sonntag mit unseren Fans im Rücken ist das wichtigere Derby!" Auf geht's, Kiel!

 

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