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Di, Dez
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Coburg ohne Chance in Kiel

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

1.Bundesliga
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Am neunten Spieltag der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga hat sich der THW Kiel die Tabellenführung zurückerobert: Zwei Tage nach der Königsklassen-Niederlage gegen Barca besiegten die Zebras den Aufsteiger HSC 2000 Coburg deutlich mit 41:26 (22:13).

Ein überragendes Spiel machte dabei Neuzugang Oskar Sunnefeldt: Der 22 Jahre alte Schwede war mit acht Treffern erfolgreichster Torschütze der Kieler, bei denen Trainer Filip Jicha konsequent die Belastung verteilen konnte.

Der THW Kiel überraschte gegen den bisher sieglosen Aufsteiger mit einer veränderten Startformation: Dario Quenstedt, Sven Ehrig und Oskar Sunnefeldt, die zuletzt wenig gespielt hatten, sollten von Beginn an Druck machen - und das taten sie auch. Sunnefeldt erzielte bis zur 16. Minuten bereits sechs Tore, sorgte mit dynamischem Zug zum Tor für ordentlich Tempo. Quenstedt führte sich gleich mit gehaltenen Gegenstößen und einem parierten Siebenmeter ein, hielt am Ende insgesamt 14 Würfe zum Teil spektakulär. Ehrig ackerte in der Abwehr und belohnte sich auch mit sehenswerten Toren. Trotzdem dauerte es ein wenig, bis die Kieler die Barca-Niederlage abschütteln konnten: Bis zum 7:7 hielt der ersatzgeschwächte Tabellenletzte, der letztlich nur noch auf drei Rückraumspieler zurückgreifen konnte, gut mit. Nutzte Gegenstöße für Nadelstiche, fand mit geduldigem Spiel immer wieder einen freien Nebenmann.

Ein Pirouetten-Tor von Sander Sagosen läutete dann einen ersten Kieler Zwischenspurt ein: Weinhold auf Pekeler zum 8:7, Doppelpass vom hart bedrängten Pekeler und Sagosen zum 9:7, Steal von Sunnefeldt mit anschließendem Gegenstoß des Schweden zum 10:7, und dann gleich noch einmal ein Steal des 22-Jährigen, der Magnus Landin mustergültig zum 11:7 auf die Reise schickte. Die Gäste verkürzten noch einmal auf 9:12, doch dann fiel bereits die Vorentscheidung: Sunnefeldt zum 13:9, Quenstedts Glanztat gegen Varvne, Sagosen: 14:9. Als Miha Zarabec dann bei drohendem Zeitspiel den Ball aus elf Metern zum 15:9 in die Maschen jagte, hatten sich die Zebras endgültig freigespielt. Und das war schön anzusehen: Harald Reinkinds öffnenden Pass vollstreckte Landin, Ehrig versenkte einen Konter. Und dann ließ es auch der Kapitän richtig krachen: Domagoj Duvnjak traf mit 108 km/h zum 20:10, mit 110 km/h zum 21:11 - zur Pause war angesichts des 22:13-Zwischenstandes beinahe schon alles klar.

Der zweite Durchgang startete dann etwas verhalten: Satte 3:20 Minuten dauerte es, bis Ehrig den ersten Treffer in der zweiten Hälfte erzielen konnte. Dann aber ging es wieder Schlag auf Schlag - und das durchaus spektakulär. Wie bei Pavel Horaks Steal und Ehrigs Sprint vorm 25:14, wie beim Wechselspiel zwischen Pekeler- und Sagosen-Toren zwischen dem 26:14 und 31:16 (46.), wie bei Rune Dahmkes fantastischem Dreher. Mit einem weiteren Dreierpack schraubten die Zebras das Ergebnis auf 35:18, zauberten weiter. Eine Augenweide, wie Zarabec mangels Anspielstation aus dem Stand zum Eins-gegen-Eins ansetzte und per Dreher zum 37:21 traf, ein Fest, wie alle Kieler Spieler den Slowenen nach dem 40. Treffer feierten und gleichzeitig dem Gegner, der nie aufsteckte, Respekt zollten. Am Ende blieb es beim 41:26 aber deutlich: Der THW Kiel kehrte durch die zwei gewonnenen Punkte zurück an die Tabellenspitze und holte sich - beinahe noch wichtiger - den Spaß am Handball zurück!

Die Kieler steigen mit der Trainingseinheit am Sonntag in die Analyse der deutlichen 26:32-Niederlage gegen Barça am vergangenen Donnerstag ein - vor der Begegnung gegen Coburg war hierfür kaum Zeit. Jetzt aber rückt die Vorbereitung für das Rückspiel des Königsklassen-Klassikers in den Vordergrund: Am Donnerstag werden die Zebras um 20:45 Uhr (live bei DAZN) im legendären Palau Blaugrana in der Mittelmeer-Metropole erwartet. Der Auftakt einer verrückten Auswärtswoche für Schwarz-Weiß, die am Sonntag darauf in Göppingen (16 Uhr, live bei Sky) und am Mittwoch, 2. Dezember (18:45 Uhr, live bei DAZN), in Veszprem bestehen müssen. Mehr als 7600 Reise-Kilometer werden die Kieler in diesen sechs Tagen zurücklegen. Die Zebras hoffen, jeweils auf der Rücktour Punkte im Gepäck zu haben - weiter geht's, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 9. Spieltag: THW Kiel - HSC 2000 Coburg: 41:26 (22:13)

THW Kiel: N. Landin (n.e.), Quenstedt (1.-60., 14/1 Paraden); Ehrig (3), Duvnjak (2), Sagosen (6), Reinkind (3), M. Landin (3), Sunnefeldt (8), Weinhold, Wiencek (1), Ekberg (2/2), Dahmke (3), Zarabec (5), Horak, Pekeler (5); Trainer: Jicha

HSC 2000 Coburg: Kulhanek (15.-21., 2/1 Paraden), Poltrum (1.-15., 21.-49., 5 Paraden), Apfel (49.-60., 3 Paraden); Norouzinezhad, Sproß (1), Billek (6), Zettermann (1), Varvne (4), Schikora (4), Dettenthaler (1), Kurch (1), Zeman (5), Schröder (2), Neuhold (1); Trainer: Mraz

Schiedsrichter: Christian vom Dorff / Fabian vom Dorff
Zeitstrafen: THW: 3 (2x Sunnefeldt (5., 46.), M. Landin (18.)) / Coburg: 3 (Billek (3.), Varvne (20.), Zeman (33.))
Siebenmeter: THW: 4/2 (Kulhanek hält Ekberg (20.), M. Landin an die Latte (30.)) / Coburg: 3/0 (Quenstedt hält Billek (5.), Billek an die Latte (18.), Schikora an die Latte (42.))
Spielfilm: 1:0, 1:1, 3:1 (3.), 4:2, 4:4 (8.), 6:6, 7:7 (10.), 11:7 (14.), 12:9 (15.), 15:9 (20.), 15:10, 20:10 (27.), 22:12 (30.), 22:13;
24:13 (34.), 28:14 (41.), 31:16 (45.), 32:18, 35:18 (49.), 36:20, 39:22 (54.), 40:23 (56.), 41:26.
Zuschauer: keine (Wunderino Arena, Kiel)

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin sehr zufrieden, das war sehr stark von den Jungs. Zwei Tage nach der Niederlage gegen Barca, die tief saß, war das eine ordentliche Antwort, die in der Form nicht selbstverständlich ist. Ich freue mich besonders für Oskar und Sven. Oskar spielt fast einen Monat lang nicht und liefert dann ein bärenstarkes Spiel ab, in dem seine Entwicklung sichtbar wurde. Er hat genauso Verantwortung übernommen wie Sven Ehrig, der das nach seiner langen Verletzungspause ebenso überragend gemacht hat. Beide haben sich als weitere Optionen für unser Spiel empfohlen. Gegen die mit drei Rechtshändern im Rückraum spielenden Coburger haben wir mit unserer offensiven Abwehr den Vorsprung aufgebaut. In der zweiten Halbzeit hatten meine Jungs wieder richtig Spaß am Handball. Morgen werden wir uns dann treffen und auf Barcelona vorbereiten. Das ist unser nächstes Ziel, unsere nächste Aufgabe. Wir wollen uns dort gut präsentieren.

Coburgs Trainer Alois Mraz: Glückwunsch zum ganz klaren Sieg. Wir sind angeschlagen ins Spiel gegangen, und haben leider unsere Schwachstelle nicht abgestellt bekommen: Wir haben klare Chancen liegengelassen, einfach nicht getroffen. Trotzdem haben wir das gut gemacht, bis zum 7:7 war das sogar sehr gut. Dann mussten wir improvisieren mit einer Aufstellung, mit der wir noch nie gespielt haben. Der THW Kiel nutzt das natürlich gnadenlos aus. Dann haben mit unseren nur drei Rückraumspielern die Kräfte nachgelassen. Positiv war, dass wir trotzdem - anders als gegen Wetzlar - eine gute Körpersprache geszeigt haben. Das war ein klarer Entwicklungsschritt.

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