Eine Löwen-Legende sagt tschüss

Foto: TBV Lemgo Lippe

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Nach acht erfolgreichen Jahren verabschiedet sich der Abwehrchef Richtung Lemgo, wo er auf seinen Zwillingsbruder trifft.

„Zu den Löwen zu kommen, war eine der besten Entscheidungen meiner Karriere. Das ist meine Heimat, ich war immer sehr zufrieden hier“, sagt Gedeón Guardiola. Was für ihn im Nachhinein die beste Entscheidung war, war ursprünglich eine ganz, ganz schwere. 2012, nach der Anfrage der Löwen, grübelte „Gede“ lange, ob er das Abenteuer wagen sollte. Acht Jahre später kann man sagen: Danke, Frau Guardiola, für die Entscheidungshilfe.

Schließlich war es Gedes Liebste, die dem Zögernden auf die Sprünge half. „Sie hat gesagt: Komm, wir machen das. Wenn es nicht klappt, gehen wir halt wieder zurück.“ Zurück, das meinte die spanische Heimat. Bis zu dem Moment, als sich der damals 27-Jährige für den Wechsel zu den Löwen entschied, hatte er ausschließlich in seinem Geburtsland Spanien gespielt. Ein weiteres Argument für Veränderung lieferte sein damaliger Arbeitgeber: „In San Antonio gab es große Geld-Probleme. Sieben Monate hatten wir kein Gehalt bekommen. Da war der Anruf der Löwen ein Lichtblick für mich und meine Frau.“

Angerufen hatte Tomas Svensson. Die schwedische Torwart-Legende war damals Co-Trainer unter Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson. Die meiste Zeit seiner aktiven Karriere hatte Svensson in Spanien verbracht, vier Jahre davon bei San Antonio. Lustigerweise hatte er den Verein in demselben Sommer verlassen, als sich Gedeón Guardiola dem Klub anschloss – 2009. Jetzt also, drei Jahre danach, meldete sich Svensson bei Gede. Der, wie gesagt, nicht direkt begeistert war: „Ich hatte schon Respekt vor diesem Wechsel. Ich war bis dahin noch nie beruflich im Ausland gewesen, hatte nie auch nur im Traum daran gedacht, mich mit der deutschen Sprache zu beschäftigen.

Das mit der Sprache ist bis heute eine spezielle Beziehung geblieben. So ganz angekommen im Deutschen ist der Spanier noch nicht. Ganz im Gegensatz zum Sportlichen: Gede, der zunächst einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet hatte, fügte sich schnell in Kader und System der Löwen ein. Es folgte eine Verlängerung nach der anderen. Am Ende stehen acht Löwen-Jahre in der Vita des Mannes, der bei den Löwen zu einem der weltbesten Abwehrspieler reifte. Vor allem der Leistungssprung in den ersten beiden Spielzeiten sei gigantisch gewesen: „Als ich erstmals von den Löwen zur Nationalmannschaft kam, haben meine Kameraden dort nur gestaunt und gefragt: Was hast du bei den Löwen gemacht? Du bist so viel besser geworden!“

Den Grund dieser Entwicklung sieht Gede, der Bescheidene, in der Zusammenarbeit mit dem Duo Gudmundsson/Svensson. „Sie haben mir Vertrauen geschenkt und auf mich gesetzt. Ich habe versucht, das zurückzuzahlen mit guten Leistungen. Es waren zwei schöne Jahre, in denen ich mich deutlich verbessern konnte.“ Mit dem Trainerwechsel von Gudmundsson zu Nikolaj Jacobsen wurde diese Entwicklung weiter vorangetrieben. Auch Niko habe ihm direkt vermittelt: Ich baue auf Dich. „Ich kann mich gut erinnern an eine Besprechung nach einer Niederlage. Da haben wir nicht gut gespielt. Ich habe schon gedacht, jetzt gibt es einen Anschiss. Aber Niko hat gesagt: Ich spiele mit Dir – egal ob es gut läuft oder auch mal schlecht. Das hat mir viel Sicherheit gegeben.“

Mit der Sicherheit kamen die Titel. Auf den EHF-Cup-Triumph 2013 unter Gudmundsson folgten in der Ära Jacobsen drei Supercup-Gewinne, zwei Deutsche Meisterschaften, ein Pokalsieg. An allen Titeln war ein gewisser Gedeón Guardiola beteiligt. Und das nicht irgendwie. Spätestens seit 2014 war der Hüne mit den schnellen Beinen ein zentraler Bestandteil der Löwen-Mannschaft. In der Abwehr wuchs er mehr und mehr in die Chefrolle hinein. Wobei der Begriff des Chefs ihm so gar nicht gefallen will: „Alleine bin ich in diesem Spiel ja nichts. Es geht immer auch um die Mitspieler und um das, was der Trainer sagt. Ich habe immer von meinen Innenblock-Kollegen profitiert, von Oli Roggisch, Nikola Manojlovic, Stefan Kneer, Hendrik Pekeler, Ilija Abutovic. Das sind über die Jahre Freunde geworden. Es hat sich immer gut angefühlt, mit ihnen zu spielen.“

Anders als vielleicht in anderen Sportarten ist ein klassischer Abwehrchef beim Handball als Einzelerscheinung ohnehin nicht denkbar. Das sagt schon der Begriff des Innenblocks, der stets als Duo verstanden wird. Es ist die Abstimmung zwischen diesen zwei Spielern, die das Gesamtgefüge Teamabwehr zusammenhält. „Wenn die beiden nicht zusammen funktionieren, dann funktioniert gar nichts“, weiß Gede. Und er weiß auch sehr genau, was ihm nach seinem Umzug nach Lemgo, wo er ab Sommer unter Vertrag steht, am meisten fehlen wird: „Diesen Verein, die Stadt, die Freunde zu verlassen, das ist schon hart.“ Von den Fans gefeiert, mit „Olé“-Rufen gewürdigt, war der nun 35-Jährige einer der Vorzeige-Löwen, sportlich und charakterlich ein echtes Vorbild.

An die treuen Löwen-Anhänger, sagt Gede, werde er sich immer erinnern: „Die Olé-Rufe haben mich sehr gefreut, ich hatte immer eine gute Verbindung zu den Fans. Sie gratulieren, geben einem Feedback, sie unterstützen, auch wenn es einmal schlecht lief. In den letzten beiden Jahren, als wir als Mannschaft nicht mehr so erfolgreich waren, haben sie zu uns gehalten. Das ist nicht selbstverständlich.“ Gerne hätte sich der Publikumsliebling persönlich in der SAP Arena verabschiedet. Fest steht aber: Kommt er mit seinem neuen Klub zurück, wird es einen sehr, sehr herzlichen Empfang für den Señor geben.

Apropos Rückkehr: Mit seinem Wechsel zum TBV Lemgo Lippe sind die spanischen Handball-Zwillinge wieder vereint. Gedeón wird dann zum ersten Mal seit 2014 wieder mit Isaías Seite an Seite im Verein auflaufen. Von 2012 bis 2014 trugen beide das Löwen-Trikot, ehe Isaías über Aalborg, Pays d’Aix, Veszprem und Erlangen 2017 in Lemgo landete. Hier also treffen sich die Wege der beiden wieder. „Es ist schön, wieder mit dem Bruder zu spielen. Vielleicht sind es ja sogar die letzten Profi-Jahre für uns, die wir dann gemeinsam bei einem Klub verbringen.“ Der TBV sei ein toller Verein mit einem guten Trainer und Leuten, die hart an sich arbeiten. „Die Leute dort freuen sich sehr auf mich und dass sie einen Spieler von einem großen Verein verpflichten konnten. Das macht mich schon stolz.“

Was danach kommt? Gedeón Guardiola hat nicht nur eine Option. Neben dem Psychologie-Studium verfolgt er seine Trainerausbildung. Das Ziel ist klar: Eines Tages will er eine Profi-Mannschaft trainieren. Vorher als Co-Trainer anfangen, hinter einem erfahrenen Chefcoach lernen, so ist der Plan. Aktuell aber fühlt er sich noch fit. „Meinem Körper geht es gut. Solange das so ist, will ich weiterspielen.“ Dass dies nicht mehr bei den Löwen ging, habe ihn sehr traurig gemacht. Auf der anderen Seite habe er es aber auch nachvollziehen können. „Zwei, drei Wochen nach der Entscheidung war es schon hart für mich. Es hat wehgetan. Aber dann habe ich nachgedacht über meine Leistung in der jüngeren Zeit und habe es verstanden.“

Dass er nach seiner schweren Verletzung, einem Sehnenabriss in der Schulter, lange nicht mehr zu seiner alten Form gefunden hat, das weiß ein erfahrener Mann wie Gedeón Guardiola genau. Schließlich hat er neben schier unzähligen Liga-Einsätzen auch 140 Länderspiele auf dem Buckel, hat mit Spanien sowohl WM- als auch EM-Titel gefeiert und sportlich so gut wie alles gesehen und erlebt. Nun wird er in Lemgo weitermachen und an der Rückkehr zu alter Stärke arbeiten. Die Löwen wünschen ihm dabei alles Gute.

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