Kiel nach 60 harten Minuten Tabellenführer

Foto: Lächler

1.Bundesliga
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Gänsehaut-Atmosphäre in der Sparkassen-Arena, intensive 60 Minuten, ein hart erkämpfter 29:27 (14:12)-Erfolg gegen GWD Minden und zwei wichtige Punkte: Nach mehr als zwei Jahren steht der THW Kiel erstmals wieder an der Spitze der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga! 10.285 Fans feierten euphorisch den Heim-Sieg, für den die Mannschaft von Trainer Filip Jicha aber einmal mehr alles in die Waagschale werfen musste.

Am Ende waren Niklas Landin mit 13/1 Paraden und der sechsfache Torschütze Hendrik Pekeler sowie eine alles gebende Zebraherde die Matchwinner für den THW Kiel in dessen 32. Pflichtspiel.

Ausverkauftes Haus und eine tolle Nachricht vor dem Anpfiff: Gebannt schauten 10285 Fans kurz vor Spielbeginn auf den Videowürfel, auf dem Rune Dahmke seine Vertragsverlängerung bekannt gab. Riesen-Jubel, stehende Ovationen und "Rune, Rune"-Sprechchöre ließen den "Hexenkessel" schnell auf Betriebstemperaturen kommen, während Dahmke, der zunächst auf der Bank Platz nahm, sich mit einem glücklichen Strahlen bei den Fans bedankte. Es war der vielleicht harmonischste Moment eines Handballnachmittags, der fortan von der von GWD-Trainer Frank Carstens angekündigten und in aller Reinform vorgetragenen "Guerilla-Taktik - wir wollen in erster Linie stören, dem THW seine Basis nehmen“ bestimmt wurde. Minden warf sich in die Partie, ging aggressiv zu Werke. Leidtragender war vor allem Patrick Wiencek, der am Kreis von Magnus Gullerud und Lucas Meister 60 Minuten lang nach beackert wurde.

Vorne hingegen zeigte Minden sein anderes Gesicht: Dreh- und Angelpunkt des weitestgehend schnellen Spiels war Nationalspieler Marian Michalczik, der von Beginn an als Torschütze und Anspieler glänzte. Die Kieler hingegen bekamen keinen richtigen Zugriff, lagen schnell mit drei Toren hinten, auch weil Malte Semisch im GWD-Kasten einen starken Tag erwischt hatte. So erzielte Reißky nach einem gehaltenen Konter von Bilyk das 7:4 für die Gäste, Michalczik das 8:5 (15.) und Padshyvalau das 10:7 (19.). Jicha reagierte auf die Angriffsprobleme, stellte Hendrik Pekeler an die Seite von Wiencek, um mit dem siebten Feldspieler Lücken in den stabil-aggressiven Mindener Abwehrverbund zu reißen. Zudem brachte er Niklas Landin, und wechselte auch auf dem Feld durch. Maßnahmen, die erfolgreich waren. Der THW räumte für Magnus Landin ab: 8:10. Bruder Niklas hielt gegen den frei vor ihm auftauchenden Padshyvalau, und Magnus verwandelte zum 9:10.

Jetzt waren die Zebras mit der Unterstützung der "weißen Wand" in der Partie, hatten den Kampf angenommen, verdichteten in der Defensive, um vorn konsequenter abzuschließen: Pekeler traf nach Schneller Mitte zum 10:11, und Harald Reinkind gelang nach starkem Eins-gegen-Eins nach 24 Minuten der erste Ausgleich der Partie. Der wurde postwendend gekontert, doch Schwarz-Weiß blieb am Drücker: Bilyk traf in Unterzahl zum Ausgleich, Landin hielt gegen Korte, was Bilyk per Gegenstoß - immer noch in Unterzahl - zum 13:12 veredelte. Jetzt kochte die Stimmung, und das beflügelte die Zebras, die fünf Minuten lang kein Gegentor kassierten. Allerdings: Semisch und Landin zeichneten sich beide aus, sodass bis zur Sirene nur noch Reinkinds Traumanspiel auf Pekeler zum Erfolg führte: 25 Minuten lang hatte der THW Kiel hinten gelegen, und nahm jetzt dennoch ein 14:12 mit in die Kabine.

So intensiv die erste Halbzeit war, so hitzig und hektisch blieb es auch im zweiten Durchgang. In diesem hatten die Zebras beim 16:13 durch Pekeler erstmals eine Drei-Tore-Führung herausgeworfen, die beim 16:17 aus Sicht der Gäste aber beinahe schon Makulatur war. Ähnlich die Situation vier Minuten später: Zarabec mit einem 106-km/h-Kracher und Reinkind hatten wieder vorgelegt, die Gäste nachgezogen. Ein Traumtor von Pekeler im Fallen bedeutete das 22:20 für den THW, der nun seine beste Phase hatte: Landin hielt gegen Savvas, Weinhold traf. Landin hielt gegen den starken Gulliksen, Zarabec traf. Landin hielt gegen den frei vor ihm auftauchenden Gulliksen, und Pekeler netzte einen Abpraller ein. Und als dann auch noch Duvnjak Rune Dahmke mit einem Traumpass bediente und der "Kieler Jung" artistisch zum 26:21 traf (51.), schien sich das Blatt endgültig zugunsten der Zebras zu wenden.

 Doch es blieb dabei: Wenn der THW Kiel Fehler machte, wurden diese sofort bestraft. Zwei schnelle Gegentore ließen Minden wieder herankommen, was Lukas Nilsson humorlos mit dem 27:23 beantworte. Aber das Feuer blieb - und nachdem Meister einmal mehr Patrick Wiencek umgerissen hatte, gab es eine Rudelbildung und Hektik pur auf beiden Seiten. Das Gespann Hartmann/Schneider schickte beide für zwei Minuten auf die Bank - doch harmonischer wurde es dadurch auch nicht mehr. Wilde Wortgefechte auf dem Platz und an der Seitenlinie, und ein cooler Niclas Ekberg: Der verwandelte zum 28:24, und als Duvnjak einen fulminanten Schlagwurf zum 29:26 (60.) ins Netzt hämmerte, war die Begegnung trotz offener Manndeckung entschieden: Mit seiner 13. Parade setzte Niklas Landin gegen Gullerud den Schlusspunkt unter eine Begegnung, in der sich der THW Kiel die erste Tabellenführung seit 3. September 2017 hart erarbeitet hatte.

Für die Kieler stehen in der kommenden Woche gleich zwei schwere Auswärtspartien an: Am Donnerstag (19 Uhr) steigt in der Bundeshauptstadt das Spitzenspiel der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Die Füchse Berlin fordern den THW Kiel zum Duell. Noch gibt es für den Fanblock der Zebras in der Max-Schmeling-Halle (Block Q) einige Tickets im Webshop der Füchse Berlin . Nach dem Spitzenspiel ist für den THW Kiel vor dem schweren Auswärtsspiel: Am Sonntag müssen sie - wie im denkbar knapp gewonnenen Viertelfinal-Spiel im Pokal, beim TVB Stuttgart bestehen. Anwurf in der Porsche-Arena ist um 13:30 Uhr, Sky überträgt beide Spiele live. Weiter geht's, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 16. Spieltag, 08.12.2019: THW Kiel - GWD Minden: 29:27 (14:12)

THW Kiel: N. Landin (15.-60., 13/1 Paraden), Quenstedt (1.-15., 2 Paraden); Duvnjak (3), Reinkind (4), M. Landin (3), Weinhold (1), Wiencek, Ekberg (4/3), Rahmel, Dahmke (1), Zarabec (2), Horak, Bilyk (3), Pekeler (6), Nilsson (2); Trainer: Jicha

GWD Minden: Christensen (2 Siebenmeter, 1/1 Parade), Semisch (1.-60., 14 Paraden); Meister (1), Nowatzki (1), Ritterbach, Savvas (3/1), Rambo (n.e.), Korte (1), Padshyvalau (3), Strakeljahn, Pusica, Gullerud (2), Michalczik (7/2), Staar, Reißky (3), Gulliksen (6); Trainer: Carstens

Schiedsrichter: Colin Hartmann / Stefan Schneider
Strafzeiten: THW: 2 (Nilsson (25.), Wiencek (56.)) / GWD: 5 (2x Meister (9., 56.), Korte (14.), Gullerud (33.), Pusica (50.))
Siebenmeter: THW: 4/3 (Christensen hält Ekberg (14.)) / GWD: 4/3 (Landin hält Michalczik (47.))
Spielfilm: 0:2 (3.), 2:3 (4.), 2:4 (8.), 3:4, 3:6 (11.), 4:7, 5:8 (15.), 7:10 (19.), 9:10 (22.), 9:11, 11:11 (24.), 11:12 (25.), 13:12 (27.), 14:12;
14:13, 16:13 (33.), 17:14, 17:16 (37.), 19:16 (38.), 20:17, 20:19 (42.), 21:20, 24:20 (46.), 24:21, 26:21 (51.), 26:23 (53.), 27:24, 28:25 (57.), 28:26 (59.), 29:26 (60.), 29:27.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

THW-Trainer Filip Jicha: Wir haben ein sehr intensives Spiel erlebt, in dem es viele Zweikämpfe gab und Minden sehr aggressiv gedeckt hat. Sie haben uns mit dieser Abwehr vor Aufgaben gestellt, anfangs waren wir überrascht von der Präsenz Es dauerte ein paar Minuten, um mit dieser Aggressivität klarzukommen. Vor allem, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben und die GWD-Torhüter sehr gut gehalten haben. Wir waren daher froh, zwei Tore Vorsprung mit in die Kabine zu nehmen. Die zweite Halbzeit glich dann der ersten: Minden stand gut in der Abwehr, wir machen dann einen Zwischenspurt auf plus fünf Tore, lassen dann aber wieder Chancen liegen, was GWD sofort bestraft hat. Wir sind froh über den Sieg in diesem wichtigen Spiel, es bleibt aber sehr spannend bis zum Jahresende.

GWD-Trainer Frank Carstens: Es Glückwunsch an den THW Kiel zum verdienten Sieg. Es war ein umkämpftes Spiel, ein intensives Spiel - vor allem am Kreis, wo mit höchstem Einsatz gerungen wurde und es sogar eine Rudelbildung, die man sonst nur aus dem Fußball kennt, gab. Wir hätten gerne einen oder mehrere Punkte entführt, dafür war der THW Kiel aber zu stark und zu präsent. Wir hatten eine sehr gute Torwartleistung, der THW Kiel aber eine noch bessere. Das war der Unterschied. Unser Angriff hat gut funktioniert, wir haben viele Lösungen gefunden, waren im Abschluss aber nich erfolgreich genug.

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31.01.2020 19:30
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Letzte Aktualisierung: 23.01.2020 20:42:43
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