Niklas Landin: Dänisch im Herzen, Deutsch im Kopf

Foto: Lächler

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Vor der durch die Coronavirus-Pandemie erzwungenen Pause hat das THW-Arena-Magazin "ZEBRA" sich intensiv mit Niklas Landin befasst. Seit knapp acht Jahren spielt der Torhüter bereits in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga.

Deutsche Gepflogenheiten hat der Däne zwar (noch) nicht übernommen, aber die deutsche Sprache. Und die nutzt der Torwart auch in einem eher überraschenden Umfeld.

Der THW Kiel ist für skandinavische Topspieler nicht nur eine Wunschadresse, wenn es um Titel und Triumphe in der Handballwelt geht. Auch die Tatsache, dass es von der Fördestadt oft nur ein Katzensprung bis nach Hause ist, ist ein stechendes Argument. So war es auch bei Niklas Landin. Der Torwart entschied sich für einen Wechsel zu den Zebras, um national und international große Erfolge zu feiern. Er hatte dabei aber auch im Hinterkopf, dass die Fahrt ins heimische Dänemark von hier aus um einiges überschaubarer ist, als sie es noch zu seinen Zeiten bei den Rhein-Neckar Löwen war: "In Kiel sind meine Familie und ich viel dichter dran an Dänemark. Als ich in Süddeutschland gewohnt habe, habe ich zudem die frische Luft sehr vermisst, die so schön nach Meer riecht. Und dazu die Möglichkeit, Strandspaziergänge zu machen. Hier in Kiel gibt es so viele Strände, wie ich sie aus Dänemark gewohnt bin - das ist wie zu Hause", schwärmt der 31-Jährige von seinem heutigen Lebensmittelpunkt.

Merkt Niklas Landin etwas von der vermeintlichen Unterkühltheit, die den Norddeutschen oftmals nachgesagt wird? "Nein", sagt er bestimmt, "ich empfinde die Schleswig-Holsteiner als sehr locker. Meistens sind sie ganz entspannt. Ich hatte tatsächlich eher in Süddeutschland das Gefühl, dass dort auf eine gewisse Distanz Wert gelegt wird - das hat sich mir zum Beispiel darin gezeigt, dass sich die Leute dort öfter siezen als hier im Norden."

Seit 2012 spielt und lebt Niklas Landin nun schon in Deutschland, doch etwas "typisch Deutsches" hat er bislang noch nicht an sich festgestellt. Und trotzdem merkt er bei seinen Besuchen in der Heimat, dass er einen Großteil seiner Zeit im nicht-dänischsprachigen Ausland verbringt: "Wenn ich zurück nach Dänemark komme, habe ich manchmal das Problem, dass mein Satzbau und die Wortstellung falsch sind, wenn ich Dänisch spreche", gibt Landin lachend zu und fügt an: "Das ist aber nur die erste Woche so, danach kann ich das wieder umstellen."

Die deutsche Sprache ist jedoch nicht nur in Landins Heimaturlauben sehr präsent. Im Kreise der Nationalmannschaft schleicht sich während der Großturniere im dänischen Umfeld ebenfalls Deutsch ein, wie Niklas Landin verrät: "Auch, wenn ich da im Tor stehe, rede ich meistens auf Deutsch, das bin ich bei den Spielen einfach so gewohnt", erzählt der Kapitän der Dänen und des THW Kiel, und verdeutlicht das direkt an einem Beispiel aus seinem Arbeitsalltag zwischen den Pfosten: "Wenn ein Gegenspieler einläuft, dann sage ich das auf Deutsch und nicht auf Dänisch, da überlege ich gar nicht erst. Ich könnte nicht sagen, wann ich dafür das letzte Mal Dänisch benutzt habe." Anderswo würde das vielleicht zu Verständigungsproblemen führen, nicht aber bei den Dänen: "Die meisten meiner Teamkollegen aus der National-mannschaft spielen ja aktuell in Deutschland oder haben hier mal gespielt. Magnus spielt hier in Kiel, ein Großteil der anderen in Flensburg, Mikkel Hansen wurde bei Paris Saint-Germain von Noka Serdarusic trainiert, der dort ja auch nur Deutsch gesprochen hat. Ich glaube schon, dass wir auch in der dänischen Nationalmannschaft alles auf Deutsch machen könnten", ist Landin sicher.

Es ist kein Wunder, dass Landins Gehirn auf "Deutsch" eingestellt ist, wenn es um Handball geht. Schließlich spielt er schon seit gut acht Jahren in Deutschland. 2012 kam er von BSV Bjerringbro-Silkeborg zu den Rhein-Neckar Löwen in die Bundesliga und wurde mit den Mannheimern direkt im ersten Jahr EHF-Pokal-Sieger. Diesen Titel holte der Mann mit der großen Spannweite und der unglaublichen Ruhe auf dem Feld im vergangenen Jahr auch mit dem THW Kiel. An diesen Moment erinnert sich der titelerprobte Landin - er wurde unter anderem bereits Welt- und Europameister, Olympiasieger, EHF- sowie DHB-Pokal-Sieger - noch immer gerne zurück: "Die AKQUINET EHF Cup Finals hier zu Hause waren unglaublich. Ich habe schon einige krasse Spiele in der Sparkassen-Arena bestritten, aber das war der Wahnsinn", strahlt Landin noch heute, wenn er daran zurückdenkt.

Auch die kurze Zeit später stattfindende Saisonabschlussfeier auf dem Rathausplatz ist Niklas Landin heute noch im gut im Gedächtnis - war es doch seine Premiere an dieser seit Jahrzehnten besonders in Zebrakreisen berühmt-berüchtigten Stelle. "Meine erste Saisonabschlussfeier mit dem THW Kiel hatte ich damals verpasst, weil meine Frau und mein Kind krank waren." Deshalb, sagt der Däne mit leuchtenden Augen, sei diese Feier etwas ganz Besonderes gewesen: "Auf dem Rathausplatz war es richtig cool!"

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