Löwen zeigen Moral

Foto: Jürgen Pfliegensdörfer

1.Bundesliga
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Mit einer unterirdischen Leistung zwischen der 11. und 41. Minute haben die Rhein-Neckar Löwen das Liga-Spiel bei den Füchsen Berlin verloren. Weil die Badener in dieser Phase mit bis zu acht Treffern in Rückstand gerieten, half auch eine spektakuläre Aufholjagd nicht mehr.

Das Topspiel des 32. Spieltages endete aus Löwen-Sicht denkbar knapp mit 33:34 (14:20). Andy Schmid traf achtmal – allerdings bei sechs Fehlwürfen. Bei den Berlinern überragte neben Keeper Silvio Heinevetter (zwölf Paraden) das komplette Rückraum-Trio Paul Drux (acht Tore), Jakob Holm und Fabian Wiede (jeweils sechs Treffer). Die Konsequenz: In der Tabelle zieht der SC Magdeburg zwei Spiele vor Saisonschluss an den Löwen vorbei.

„Ich finde, wir haben einen sehr guten Charakter gezeigt“, sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen nach 60 äußerst wechselhaften Minuten, die als Sinnbild für die gesamte Löwen-Saison gelten können. „Wir haben nicht aufgegeben, die Füchse dafür nachgelassen – und dann geht es schnell im Handball.“ Binnen zehn Minuten drehten die Badener einen 24:31-Rückstand in ein 33:34. Nur der Ausgleich blieb ihnen verwehrt. Zuvor hatte Jacobsen ein ganz, ganz bescheidenes Spiel seiner Jungs gesehen: „Man muss auch anerkennen, dass Berlin das sehr gut gemacht hat. Uns hat vor allem in der Abwehr die Härte gefehlt. Das war lange nicht gut und völlig ohne Seitwärtsbewegung.“

Andy Schmid sagte zu den Szenen, in denen die Berliner teilweise mehrere Meter Platz hatten, um direkt aufs Löwen-Tor zu ziehen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals so schlecht gespielt haben wie in dieser Phase. Da sind wir komplett vorgeführt worden.“ Dabei seien die ersten zehn Minuten nicht einmal schlecht gewesen – und die letzten 20 dann umso besser. „Am Ende haben wir uns wohl an den letzten Tropfen Hoffnung gehängt, mit viel mehr Energie gespielt.“

Auf der Platte in Berlin müssen die Löwen tatsächlich von Anfang an hart arbeiten. Durch Paul Drux und Fabian Wiede legen die Berliner erst einmal binnen 60 Sekunden vor, Jakov Gojun macht das 3:1 per Gegenstoß (5.). Mit Steffen Fäth (3:2) und der schnellen Mitte mit Zielspieler Gudjon Valur Sigurdsson robben sich die Löwen heran, Patrick Groetzki aus einem Winkel nahe Null schafft den ersten Ausgleich zum 4:4 (8.). Bis zum 6:6 in der 13. Minute bleiben die Badener im Spiel – dann reißt plötzlich der Faden.

Wiede darf auf halbrechts durch eine Riesenlücke spazieren (7:6), Drux auf der anderen Seite (8:6). Lindberg per Dreher (9:6) und Gegenstoß (10:6) bringt die Hauptstädter erstmals mit vier Toren in Front (17.). Nikolaj Jacobsens erste Auszeit ist da schon verpufft, Bjarki Elisson erhöht sogar auf 11:6. Es ist ein 0:5-Lauf aus Löwen-Sicht – und er tut richtig weh. Die Füchse kommen in dieser Phase viel zu leicht zu Treffern, die Löwen pennen vorne wie hinten. Torwart Mikael Appelgren kriegt fast ausnahmslos freie Würfe um die Ohren gehauen. Auf der Gegenseite sammelt Silvio Heinevetter Parade um Parade, weil sich die Löwen viele schlechte Schüsse nehmen (müssen).

Daran ändert auch die nächste Jacobsen-Auszeit in der 24. Minute nichts. Da steht es 17:9 für Berlin, hat Filip Taleski in der 5:1-Abwehr noch keinen Eindruck hinterlassen können, Can Adanir im Tor für Appelgren noch keinen Zugriff gefunden. Seine erste Bundesliga-Parade, ein Siebenmeter gegen den Liga-Siebenmeter-Rekordtorschützen Lindberg, ist nur ein schöner Randaspekt. In die Pause gehen die Löwen – völlig verdient – mit einem Sechs-Tore-Rückstand und einem 20:14 für superkonsequente Füchse.

Nach der Pause kommt Appelgren zurück ins Tor, der schon Ende der ersten Hälfte gekommene Vladan Lipovina trifft zum 20:15 (33.). Der Start zur Aufholjagd ist das (noch) nicht. Jacobsens Abwehrumstellung auf 4:2-Deckung mit zwei offensiven Außen läuft ins Leere, die Berliner spielen regelrecht damit. Holm und Drux spazieren durch die Löwen-Reihen, stellen blitzschnell auf 22:15 (34.). Im nächsten Angriff geht Andy Schmid mit dem Kopf durch die Berliner Mauer. Es ist ein erster Hinweis darauf, was nun noch kommen soll (22:16, 35.).

Nach der Umstellung von Jacobsen zurück auf 6:0-Deckung plus siebten Feldspieler in der Offensive schaffen es die Löwen, mit mehr Cleverness und Engagement den Berliner Sturmlauf zu stoppen. Die Acht-Tore-Führung durch Drux (25:17) in der 39. Minute soll das Höchste der Gefühle für die Gastgeber bleiben. Danach stabilisieren sich die Badener erst – und greifen dann sogar noch einmal an. Befeuert durch die Paraden Appelgrens und die immer mehr aufdrehenden Andy Schmid und Jannik Kohlbacher kommen die Löwen Tor um Tor heran, verkürzen auf 31:25 (51.), 31:27 (53.) und 32:29 (55.).

Jetzt ist Schmid wieder in Torlaune, der Kapitän marschiert voran. Er trifft zum 32:30 (56.), 33:31 (57.), beim 34:33 stellt er sogar den Anschluss wieder her. Selbst die Rote Karte gegen Ilija Abutovic bringt die Gelben nicht aus dem Tritt. Sie wollen hier die Wende schaffen, legen alles in die letzten Sekunden, kassieren einen Siebenmeter, den Teufelskerl Appelgren hält. Zehn Sekunden sind es noch, Löwen im Ballbesitz. Der lange Ball nach vorne – er kommt zu spät. Die Uhr tickt runter und Heinevetter mit seiner zwölften Parade gegen den Notwurf Sigurdssons macht alles klar. Es bleibt beim 34:33. Der große Löwen-Kampf wird am Ende nicht belohnt, ist aber aller Ehren wert.

Füchse Berlin – Rhein-Neckar Löwen 34:33 (20:14)

Füchse: Heinevetter, Semisch – Wiede (6), Elisson (3), Holm (6), Struck, Mandalinic, Gojun (2), Lindberg (7/4), Zachrisson, Schmidt, Reißky, Koch (1), Marsenic (1), Drux (8)

Löwen: Appelgren, Adanir (22.-30. Minute) – Schmid (8), Lipovina (3), Sigurdsson (7/1), Radivojevic, Abutovic (1), Mensah (3), Fäth (2), Groetzki (2), Taleski, Guardiola (1), Kohlbacher (6), Röller, Kessler

Trainer: Velimir Petkovic – Nikolaj Jacobsen

Schiedsrichter: Ronald Klein / Christoph Immel

Strafminuten: Guardiola (2), Abutovic (6) – Schmidt (2), Gojun (2), Marsenic (4)

Rot: Abutovic (3. Zeitstrafe)

Siebenmeter: 4/5 – 1/2

Spielfilm: 2:0, 2:1, 3:1, 3:2, 4:2, 4:4, 5:4, 5:5, 6:6, 11:6, 12:8, 14:9, 17:9, 18:11, 20:14 (HZ), 20:15, 22:15, 24:16, 27:19, 29:22, 30:23, 31:24, 31:27, 32:28, 33:31, 34:33 (EN)

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