Löwen verabschieden sich mit ganz viel Biss

Bild: Andreas Fischer

1.Bundesliga
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Zwei Minuten vor Schluss ist die Stimmung im ISS Dome Düsseldorf auf dem Siedepunkt. Der Bergische HC ist drauf und dran, das letzte Saisonspiel vor 10.043 Zuschauern gegen die SG Flensburg-Handewitt noch zu drehen. Fabian Gutbrod (s. Foto) zieht zum möglichen 24:25 ab, doch der Ball knallt an die Latte.

Wenig später trifft Lasse Svan zur Entscheidung für die Nordlichter, die durch den 27:24 (13:8)-Erfolg zum dritten Mal in ihrer Historie und zum zweiten Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft in der DKB Handball-Bundesliga feiern.

In der ersten Halbzeit hatte es noch nach einer klaren Angelegenheit für die Flensburger ausgesehen. Der BHC kam aus der Deckung heraus selten ins Tempospiel, vergab auf der anderen Seite zudem viele Gelegenheiten aus sechs Metern. SG-Torhüter Benjamin Buric entschärfte gleich mehrfach und durfte sich über die Effizienz seiner Mannschaft auf der anderen Seite des Feldes freuen. Magnus Röd traf sogar zum 13:6-Zwischenstand. Immerhin konnten Rafael Baena und Arnor Gunnarsson mit ihren Toren das Ergebnis zur Pause noch etwas freundlicher gestalten.
Je länger das Duell andauerte, desto mehr bissen sich die Löwen hinein. Nach Wiederanpfiff kam das Tempospiel besser ins Rollen, und insgesamt präsentierten sich die Gastgeber viel effektiver. Jeffrey Boomhouwer, Baena und wieder Boomhouwer erzielten drei Löwen-Tore in Serie zum 11:14. Die Halle wurde mehr und mehr zum Faktor. Waren zu Beginn die zahlreich mitgereisten Flensburger Fans noch lauter gewesen, ließen die Löwen den Funken nun überspringen.
Arnor Gunnarsson und Fabian Gutbrod nahmen das Heft beim Abschluss in die Hand. Der Isländer versenkte alle Siebenmeter und donnerte die Kugel bei angezeigtem passiven Spiel sogar per Schlagwurf aus knapp zehn Metern in die Maschen. Fabian Gutbrod war in der entscheidenden Phase der Mann für die Rückraum-Tore. Der Rechtshänder war es auch, der zum 22:24 und 23:24 traf. Per Strafwurf erhöhten die Gäste wieder auf zwei Tore Vorsprung, doch Gutbrod suchte schon die nächste Chance. Der Ball sprang an die Latte, der Rest ist Geschichte.

Nach Svans 26:23 waren die Flensburger am Ziel. Sie feierten die Titelverteidigung im ISS Dome ausgelassen mit ihren Fans, die die tolle Kulisse in der Landeshauptstadt abrundeten. Für die Löwen ging die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte mit einer Niederlage zu Ende, die deutlich knapper als erwartet war. Denn personell war die Truppe - wie schon in Minden - arg geschwächt. Daniel Fontaine, Maciej Majdzinski, Max Darj, Bogdan Criciotoiu und Max Bettin fehlten. Linus Arnesson machte sich zwar warm, konnte letztlich aber auch nicht mitspielen. Die Kompensation gelang trotzdem - wenn das Resultat auch Flensburg zum Meister machte, und die Löwen das europäische Startrecht kostete.

Im Anschluss an die Partie verabschiedeten die Bergischen Löwen mit Bastian Rutschmann, Bogdan Criciotoiu, Milan Kotrc und Max Bettin vier Spieler, die die beiden vergangenen erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte mitgeprägt hatten. Rutschmann absolvierte gegen Flensburg sogar sein letztes Profispiel überhaupt. "Ich werde es ganz sicher vermissen", sagte der Torhüter. "Die letzten Minuten der Partie waren sehr emotional für mich."

Der Abstiegskampf in der DKB Handball-Bundesliga endete im Übrigen mit einem Paukenschlag. Der Sieger der Partie zwischen der SG Bietigheim und dem VfL Gummersbach wäre erstklassig geblieben. Doch die Teams trennten sich 25:25. So hatten die Eulen Ludwigshafen die Chance, lachender Dritter zu sein. Die Pfälzer gewannen hauchdünn mit 31:30 gegen GWD Minden und feierten so ein Handball-Wunder. Das Team von Trainer Benjamin Matschke gewann seine letzten drei Saisonspiele und bleibt damit Bundesligist, während Bietigheim und zum ersten Mal überhaupt Gummersbach absteigen.

Maik Machulla: "Es war mir klar, als ich vor ein paar Wochen auf das Restprogramm geschaut habe, dass das Spiel beim Bergischen HC das schwerste sein würde. Der BHC wollte uns ärgern, und das hat er geschafft. Beim 21:17 dachte ich, wir können es ruhig runter spielen, aber dann geht es im Handball ganz schnell. Der Druck aus dem Umfeld und auch aus Kiel war groß, aber die Mannschaft hat stur ihren Stiefel heruntergespielt. Darauf bin ich sehr stolz. Mit nur zwei Niederlagen Meister zu werden, ist ganz stark.“

Sebastian Hinze: "Wir haben Ende der ersten Halbzeit die ganz schwache Phase, in der Flensburg schon fast in Feierlaune war, ihnen sehr viel gelingt und uns sehr wenig, bereits eingebremst. Es war wichtig, dass wir zur Pause auf minus fünf reduziert haben. Wir haben versucht, die Stabilität in die zweite Halbzeit zu transportieren. Das ist uns sehr gut gelungen. Wir waren dann kurz davor, auch am Punktgewinn hier zu schnuppern. Am Ende ist es dann auch ein bisschen Spielglück. Wenn der Ball von Fabian Gutbrod reingeht, wenn wir uns eine Situation noch mehr in der Abwehr holen, dann kann das Spiel kippen. Aber natürlich bringt Flensburg das nach Hause, und ist sehr verdient Deutscher Meister geworden. Herzliche Gratulation! Mit vier
Minuspunkten am Ende der Saison dazustehen, ist eine herausragende Leistung."


Bergischer HC – SG Flensburg-Handewitt 24:27 (8:13)

Bergischer HC: Rudeck, Rutschmann – Boomhouwer (2), Kotrc, Weck, Gutbrod (6), Szücs,

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