Dormagener Wiesel zerlegen Rimpars Wölfe

Foto: Heinz Zaunbrecher

2.Bundesliga
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Das TSV Bayer Sportcenter verwandelte sich beim Spieltag des Autohauses Gottfried Schultz in ein Tollhaus. Gefeiert wurde schon lange vor dem Schlusspfiff.

Denn die phantastische Dormagener Abwehr mit einem genialen Schlussmann Sven Bartmann und der ungemein effektive Angriff hatten die 13:8-Pausenführung mit einem unbändigen Sturmlauf nach dem Seitenwechsel innerhalb von knapp acht Minuten auf 17:8 ausgebaut.

Nach der 28:16-Revanche für die 24:31-Niederlage in Rimpar konnten nur noch Superlativen verteilt werden: der höchste Saisonsieg, erstmals in dieser Saison (deutlich) weniger als 20 Tore kassiert, der Sprung auf Tabellenplatz 13... Der TSV hat die 30 Punkte geholt, die vor Saisonbeginn als Mindestziel ausgegeben wurden. Auch wenn Rechenkünstler noch theoretische Zweifel am Klassenerhalt ausgemacht haben, so ist der Klassenerhalt mit Blick auf das Restprogramm der 2. Handball-Bundesliga realistisch gesehen eingetütet. Doch bis zum letzten Spieltag will TSV-Trainer Dusko Bilanovic "weiter Gas geben. Wir wollen so viele Punkte wie möglich holen."

Vor Heimspiel Nr. 18 gab es erhebliche Sorgenfalten beim TSV: Lukas Stutzke, mit zehn Treffern in Dessau herausragender Schütze, hatte sich beim Training am Mittwoch einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen und wird auch beim Gastspiel in Nordhorn am kommenden Samstag nur Zuschauer sein können. "Nach dem Ausfall von Lukas war klar, dass wir gegen Rimpar nur mit einer starken Abwehr gewinnen können", sagte Bilanovic. Zum Glück stand Heider Thomas wieder zur Verfügung, der zusammen mit Patrick Hüter den Ton in der Defensive angab. Und was da hinten auf die Beine gestellt wurde war phänomenal - nach einer kurzen Anlaufzeit. Denn die Gäste aus Würzburg deuteten zunächst nicht an, dass es für sie "ein gebrauchter Tag" werden sollte, wie Rimpars Coach Matthias Obinger später zusammenfasste.

Rimpar lag 4:2 vorne und führte auch nach einer Viertelstunde mit 6:5. Dann aber war Schluss mit den Geschenken: Der seit Wochen in Bestform spielende Ian Hüter holt sich den Ball und gleicht nach seinem Gegenstoß aus. Eloy Morante Maldonado, Spezialist für besonders platzierte Abschlüsse, sorgt für die 7:6-Führung und Sven Bartmann hält den Ball nach Würfen von Benedikt Brielmeier und Julian Sauer fern von seinem Kasten. Dann nimmt Youngster Julian Köster Maß und erzielt das 8:6. Während die Unterfranken in den letzten acht Minuten Bartmann nur noch zweimal überwinden können, setzt sich der TSV bis zum Halbzeitpfiff auf 13:8 ab. Dieser Vorsprung hätte sogar noch höher ausfallen können, wenn die Weitwürfe im leeren Gästetor gelandet wären.

Doch nach den 60 Minuten trauerte niemand mehr den ausgelassenen Chancen nach. Denn der TSV war überhaupt nicht zu stoppen - auch nicht durch Rimpars Versuch, mit Manndeckung und siebtem Feldspieler dem Debakel zu entgehen. Immer wieder gab es Szenenapplaus für hohe Handballkunst - vom steigenden Morante über das Ausspielen von Tim Wielings Gegenspieler bis zum traumhaften Kempa im Zusammenspiel der Beiden. Da durfte natürlich der Treffer von Bartmann nicht fehlen. Es klappte nahezu alles, auch bei Nuno Rebelo, der nur darunter litt, dass sein Vorteil dreimal abgepfiffen wurde. Der in der Vorwoche mit Krefeld in die 2. Liga aufgestiegene Lars Jagieniak stellte den Endstand her - mit einem sehenswerten Dreher.

Dass man beim Handball in Dormagen den Junggesellenabschied feiern kann, machte Heider Thomas mit dem Gruß an die jubelnden Freunde zum Beginn der obligatorischen Humba deutlich. Doch den Buchstabenaufruf überließ er einem Jüngeren: "Der Köster war heute überragend, ich übergebe ihm voller Stolz die Humba." Der 18-Jährige erzielte fünf Treffer und war zudem in der Abwehrkette eine Bereicherung. Dusko Bilanovic gratulierte Julian Köster besonders und schickte ein großes Lob an sein ganzes Team. Aber auch an das Publikum: "Heute habt ihr gesehen, was alles mit eurer Unterstützung sogar gegen die zweitbeste Abwehr der Liga möglich ist." Die Reaktion von Kollege Matthias Obinger folgte gleich: "Das waren wir heute sicher nicht. Wir waren ja fast gar nicht existent. Wir haben nur zwei Dinge gut gemacht: die Anzahl der Fehlwürfe und der technischen Fehler." Letztlich war es für "uns nicht mehr als ein schöner Mai-Ausflug". Dabei dauerte die Fahrt länger als geplant. Offenbar hatte sich in Bayern das Brückenproblem in Leverkusen noch nicht herumgesprochen. Im Bus konnte Torwart Max Brustmann nicht sitzen, weil der Lehrer Unterricht bis 13 Uhr hatte. Im Hinspiel war er mit 15 Paraden der Matchwinner - aber am Freitagabend hätte er diese Dormagener Mannschaft auch nicht aufhalten können.

TSV Bayer Dormagen - DJK Rimpar Wölfe 28:16 (13:8)

Dormagen: Bartmann (16 Paraden, 1 Tor), Broy (bei einem 7m); Reuland, Pyszora (n.e.), Eggert (n.e.), Heider (1), Löfström 3, I. Hüter (4), Köster (5), Rebelo (2), Richter (1), P. Hüter, Braun (n.e.), Jagieniak (2), Morante Maldonado (6), Wieling (3/1).

Rimpar: Wieser (6 Paraden), Leikauf (ab 38. und ein 7m, 2 Paraden); Schömig (2), Böhm (1), Gempp (1), Schmidt (1), Kaufmann (1), Meyer, Bauer, Schulz (1), Backs (1), Brielmeier (3), Herth (4/4), Sauer (1).

Schiedsrichter: Fratczak / Ribeiro.
Zuschauer: 1249.
Zeitstrafen: 2:10 Minuten.
Siebenmeter: 1/2:4/4 (Wieling scheitert an Wieser).
Spielfilm: 2:1, 2:4 (10.), 5:6 (16.), 8:6 (22.), 11:7 (25.), 13:8 - 17:8 (38.), 19:10, 23:12 (52.), 28:16.

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