Starker THW Kiel holt Sieg in Veszprem

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Mit einer unglaublichen Energieleistung hat der THW Kiel den ersten Sieg in der VELUX EHF Champions League eingefahren: Nur 45 Stunden nach dem hart erkämpften Liga-Erfolg beim Bergischen HC holten sich die Kieler in der "roten Hölle" von Veszprem die ersten Königsklassen-Big-Points der aktuellen Saison.

Bei Telekom Veszprem fuhren die Zebras einen Start-Ziel-Sieg ein, am Ende jubelten die 50 mitgereisten Fans über ein 37:31 (16:13)-Statement ihrer Mannschaft, das auf gleich mehreren Schultern ruhte: Torhüter Niklas Landin glänzte mit 17/2 Paraden, Nikola Bilyk und Hendrik Pekeler erzielten je sieben Treffer. Zum "Man of the Match" wurde jedoch Harald Reinkind gewählt: Der norwegische Linkshänder war mit acht Torerfolgen bester Torschütze der Partie.

Die Vorbereitung auf diesen Königsklassen-Klassiker war auf Kieler Seite nicht leicht. Nach der Anreise am Freitag ein Trainingseinheit in der Veszprem-Arena, individuell vom Trainer-Gespann zusammengestellte Videos für jeden einzelnen Spieler, dazu ein Teammeeting am Spieltag: Das musste angesichts der wenigen Stunden zwischen Abpfiff in Wuppertal und Anpfiff in der "roten Hölle" reichen. Die machte ihrem Namen schon vor dem ersten Pfiff alle Ehre: Ohrenbetäubend der Lärm, den die knapp 5000 Fans in Rot entfachten. Nach nicht einmal drei Minuten aber hörte man zum ersten Mal die gut 50 mitgereisten Kieler Fans, die sich lautstark bemerkbar machten: Reinkind und zweimal Pekeler hatten dem THW Kiel, bei dem Trainer Filip Jicha von Beginn an auf Miha Zarabec, Bilyk und Reinkind im Rückraum sowie Pavel Horak in der Abwehr setzte, einen 3:0-Traumstart beschert.
Ein Auftakt, der Mut machte und Selbstbewusstsein gab - und die Gastgeber vor Probleme stellte. Schnell wechselte Veszprems Coach David Davis seine Startformation, aber auch der Rückraum mit Nenadc und Lauge kam gegen die aufmerksame THW-Defensive nicht wirklich zum Zug. Eng wurde es nach einer knappen Viertelstunde, als die Gastgeber mit einem 3:0-Lauf zum 6:6 ausglichen. Die "Hölle" war wieder entfacht, doch die Zebras behielten kühlen Kopf und hatten in Niklas Landin einen starken Rückhalt: Der Däne hielt gegen Nenadic und schickte Pekeler auf die Reise, der mit seinem bereits fünften Treffer das 8:6 erzielte, danach traf Manskov nur das Außennetz - Bilyk schloss bei drohendem Zeitspiel wuchtig zum 9:6 ab. Und doch blieb es spannend, weil nun auch Cupara im Kasten der Ungarn zum Faktor wurde. Jicha reagierte mit einer Auszeit und brachte Steffen Weinhold, der sich aber leider bei seiner ersten Aktion verletzte. Es sprach für den Willen der Zebras insgesamt, dass der Linkshänder noch auf die Zähne biss und nach Lauges 8:9 das wichtige 10:8 erzielte. Danach war Schluss für Weinhold, der in Kiel eingehend untersucht werden wird.

Doch auch diesen Rückschlag steckten die Zebras weg. Reinkind, zuvor mit einigen unglücklichen Aktionen, sprang in die Bresche. Wuchtete den Ball zum 11:9 ins Netz und traf nach Rune Dahmkes Steal per Gegenstoß zum 12:9. NAch Yahias kraftvollem Anschluss nutzten die Schwarz-Weißen die ungarische Verunsicherung konsequent: Zarabec bestrafte einen Fehlpass mit dem 13:10, nach Dahmkes Pfostentreffer sicherte Bilyk den Ball und sah Patrick Wiencek am Kreis: 14:10. Der Kreisläufer hechtete sich dann in der Abwehr auf einen freien Ball und bediente Dahmke, der zum 15:10 traf. Eine komfortable Führung, die die Kieler aber nicht in die Pause retten konnten: Mit zwei Treffern vor der Sirene verkürzten die Gastgeber auf 13:16 - und blieben somit trotz einer insgesamt eher schwachen Vorstellung in den ersten 30 Minuten im Rennen, zumal sich Horak beim Abwehrversuch eine Zeitstrafe einhandelte.

Diese nutzte Veszprem auch zum 14:16, doch mit unbändigem Willen stemmten sich die Zebras gegen die nun viel stärker auftretenden Ungarn. Bilyk stellte in Unterzahl den alten Abstand wieder her, Reinkind erstickte mit einem Traum-Wackler zum 19:16 (36.) die aufkommende hitzige Atmosphäre. Landin hielt gegen Lauge - Reinkind traf zum 21:17. Und doch ließ sich Veszprem nicht wirklich abschütteln, auch wenn Landin weiter in großartiger Manier Bälle entschärfte. Allerdings: Die Abpraller landeten zumeist beim Gegner, aber auch die Zebras ließen nicht locker: Dahmke "wühlte" sich zum 23:20, Bilyk traf ins leere Tor. Und als der THW Kiel dann auch die spielerischen Glanzpunkte setzte, wie beim frechen Einläufer-Tor von Ekberg zum 26:22 - da träumten die schwarz-weißen Fans schon vom Ende der mehr als sechsjährigen schwarzen Auswärtsserie des THW in Veszprem.

Doch es blieb spannend, auch wenn der THW immer wieder eine passende Antwort fand, in der Defensive verdichtete, dem Mitspieler zur Seite sprang, aufmerksam störte. Und so immer ein paar Tore Abstand hielt - die endgültige Entscheidung sollte erst in den Schlussminuten fallen. Nilsson hatte zum 29:32 getroffen, dem THW Kiel drohte ein Zeitspiel. Reinkind fasste sich ein Herz und schweißte den Ball zum 33:29 am Doppelblock vorbei in die kurze Ecke, die Schnelle Mitte setzte Nenadic neben den Kieler Kasten. Zarabec war es dann überlassen, mit einem fulminanten Schlagwurf zum 34:29 den Deckel drauf zu packen. Reinkind bediente Pekeler mit einem Traumpass zum 35:30, Wiencek klaute den Ball und schickte Bilyk zum 36:30 - längst war die gefürchtete "rote Hölle" verstummt, hörte man nur noch die Kieler Fans feiern. Zarabec' Schlusspunkt zum 37:31 setzte ein dickes Ausrufezeichen hinter zwei ganz wichtige Auswärtspunkte - binnen 45 Stunden hat der THW Kiel in der Liga und in der Königsklasse auswärts echte Statements abgegeben!

Am Mittwoch (19 Uhr) sind die Zebras endlich wieder zu Hause: In der VELUX EHF Champions League steht dann das Heimspiel gegen den weißrussichen Top-Club Meshkov Brest an. Dabei gibt es für Pavel Horak ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Teamkollegen, und auch für Brests Trainer Raul Alonso dürfte diese Partie etwas Besonderes sein: Der Spanier feierte als Co-Trainer von Alfred Gislason unter anderem zwei Champions-League-Siege und viermal die deutsche Meisterschaft. Weiter geht's, Kiel!

VELUX EHF Champions League, 2. Spieltag, 21.09.2019: Telekom Veszprem - THW Kiel: 31:37 (13:16)

Telekom Veszprem: Sterbik (1.-2. keine Parade), Cupara (2.-60., 11 Paraden); Manaskov, Yahia (5), Ferreira, Tönnesen (3), Gajic (3/1), Nilsson (5), Marguc (1), Lauge (3), Strlek (3), Terzic (1), Blagotinsek (3), Nenadic (3), Mahe (1), Mackovsek; Trainer: Davis

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 17/2 Paraden), Quenstedt (n.e.); Duvnjak, Reinkind (8), M. Landin (1), Kristjánsson (n.e.), Weinhold (1), Wiencek (3), Ekberg (3), Rahmel, Dahmke (2), Zarabec (5), Horak, Bilyk (7), Pekeler (7), Nilsson (n.e.); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Ivan Pavicevic / Milos Raznatovic (MNE)

Strafzeiten: Veszprem: 4 (Lauge (13.), Blagotinsek (27.), Tönnesen (39.), Terzic (53.)) / THW: 3 (Bilyk (12.), Horak (30.), Pekeler (40.))
Siebenmeter: Veszprem: 3/1 (Landin hält Strlek (24.) und Gajic, der den Nachwruf verwandelt (49.)) / THW: 0

Spielfilm: 0:3 (2.), 1:4 (5.), 2:5, 3:6, 6:6 (14.), 6:9 (17.), 8:9 (22.), 9:10, 9:12, 10:12 (26.), 10:15 (28.), 11:16 (29.), 13:16;
14:16, 17:19 (36.), 17:21 (37.), 19:21 (38.), 20:22, 20:24 (40.), 21:25 (43.), 22:25, 22:27 (45.), 24:27 (48.), 24:29 (49.), 26:31 (53.), 27:32 (54.), 29:32 (56.), 29:34 (57.), 30:36 (59.), 31:37 .

Zuschauer: 5.019 (ausverkauft) (Veszprem-Arena, Veszprem (HUN))

HW-Spielmacher Miha Zarabec: Wenn du hier gewinnen willst, muss alles gut laufen. Wir waren ein wenig überrascht, wie Veszprem begonnen hat. Dadurch konnten wir viele leichte Tore erzielen, zudem standen wir gut in der Abwehr. Das hat uns einen großen Sieg beschert. Wenn wir eine Chance sehen, wollen wir diese nutzen. Das haben wir heute getan. 

THW-Trainer Filip Jicha: Wenn man bedenkt, dass wir 48 Stunden vorher ein extrem wichtiges Auswärtsspiel in der Liga bestreiten mussten, ist diese Leistung heute als außerordentlich zu bezeichnen. Ich bin sehr glücklich und mehr als zufrieden, wie wir heute hier aufgetreten sind. Ich kann niemanden herausheben, wir haben als Mannschaft eine starke Leistung gezeigt. Unsere Abwehr hat heute einen super Job gemacht. Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Jungs. 

THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg: Es war ein sehr intensives Spiel - wie eigentlich immer hier in Veszprem. Wir hatten einen guten Matchplan, und es ist uns gelungen, uns nahezu 60 Minuten lang an diesen Plan zu halten. Wir haben eine starke Abwehr gestellt und hatten in Niklas Landin einen starken Torhüter, wir haben als Team zusammengestanden. Das war eine starke Leistung. 

Veszprems Coach David Davis: Kiel hat sehr gut in der Abwehr gestanden und konnte dadurch viele Gegenstöße laufen. Das war ihr Schlüssel zum Sieg.

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30.10.2019 18:00
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30.10.2019 19:00
EHF Champions League, 06.Spieltag
  
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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019 23:15:52
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