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THW im Finale - Update

Foto: Lächler

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Solche Spiele bietet wohl nur das VELUX EHF Final4: Im Halbfinale der EHF Champions League hat der THW Kiel nach dramatischen 70 Minuten Telekom Veszprem besiegt und spielt nun am Dienstag (20:30 Uhr live bei Eurosport) gegen Barca um Europas Krone.

Die Partie am späten Montagabend gegen die Weltklasse-Mannschaft aus Ungarn schickte die Spieler, Verantwortlichen und Fans des Rekordmeisters durch eine wilde Achterbahn der Gefühle. Nachdem die Kieler in der ersten Halbzeit zwischenzeitlich mit sechs Toren geführt hatten, lagen sie zehn Minuten vor dem Ende mit vier Toren hinten. Doch die Zebras, angeführt von einem bärenstarken Hendrik Pekeler (8 Tore), kämpften sich zurück, ließen sich auch von einigen höchst umstrittenen Entscheidungen des spanischen Unparteiischen-Gespanns nicht von ihrem Weg abbringen. Letztlich verkraftete der THW Kiel auch in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand und siegte nach Verlängerung des Halbfinal-Dramas mit 36:35 (32:34, 29:29, 18:13). Den entscheidenenden Treffer erzielte Niclas Ekberg (7/4 Tore), der kurz darauf beim finalen Freiwurf von Petar Nenadic auf die Bretter geschickt wurde.

Das Halbfinale sah von Beginn an Kieler, die der Partie ihren Stempel aufdrücken wollten. Angeführt von einer Defensive, die mit schnellen Beinen jede erdenkliche Lücke zuzuschieben versuchte, stellten sich die Zebras der Angriffsmaschinerie von Telekom Veszprem in den Weg. Der THW Kiel drückte aufs Tempo, machte das Spiel schnell. Stark der zuletzt fehlende Rune Dahmke, der sich mit großem Willen ein ums andere Mal durchsetzte. Stark auch die Kombination aus Sander Sagosen und Hendrik Pekeler, aber trotzdem wurde die Geschichte dieser ersten Hälfte in der Abwehr geschrieben: Ein ums andere Mal stellten die Schwarz-Weißen Passwege zu, hatten immer wieder eine Hand am Ball oder einen starken Landin im Rücken. Die Folge: Viele Tore in Überzahl auf den verwaisten Kasten der Ungarn.

Von 7:6 zog der THW Kiel nach Dahmkes Steal und Pekelers Gegenstoß auf 10:6 davon, ließ sich auch durch den folgenden Doppelschlag der Ungarn nicht beirren. Trotzdem blieb die Partie hart umkämpft. Was sich dann aber zwischen der 17. und 27. Minute abspielte, war schlichtweg Weltklasse in Schwarz-Weiß: Zehn Minuten lang kassierten die Kieler keinen Gegentreffer, zogen von 12:10 auf 17:10 davon - ließen dabei sogar noch Chancen aus, das Ergebnis noch höher zu schrauben. Umso ärgerlicher, dass die Kieler die Gäste noch auf 13:18 herankommen ließen. Zudem kassierten Dahmke und Sagosen noch zwei Zeitstrafen vor der Sirene, sodass der THW Kiel mit einer doppelten Unterzahl in Durchgang zwei starten musste.

Wer das VELUX EHF Final4 kennt, weiß, dass eine Fünf-Tore-Führung trügerisch sein kann. Und wieder einmal schrieb das Finalturnier der Königsklasse eine dieses unglaublichen Comeback-Geschichten - sehr zum Leidwesen der Zebras. Die hatten nach Zarabec 22:16 (37.) das Zepter in der Hand, gaben dieses aber sukzessive an Corrales im Verszprem-Kasten und die nun immer härter zur Sache gehende Abwehr der Ungarn aus der Hand. Mit einem 4:0-Lauf nahm Vespzrem beim 20:22 wieder Kontakt auf (41.), nach dem 24:21 durch den einmal noch immer geschwächten, aber trotzdem überragenden Domagoj Duvnjak wendete sich das Blatt komplett: Jetzt waren es die Kieler, denen acht Minuten kein Tor gelang. Beim 25:24 durch Marguc lag Veszprem zum ersten Mal in diesem Halbfinale vorn und legte nach. Zehn Minuten vor dem Ende schienen die Zebras nach einem weiteren 7:0-Lauf der Ungarn angesichts eines 24:28-Rückstands bezwungen.

Doch die Schwarz-Weißen kehrten zurück: Filip Jicha nahm eine Auszeit, die Unglaubliches bewirkte: Dahmke beendete den Torfluch in Überzahl mit dem 25:28, Duvnjak klaute den Ball und schickte Wiencek zum 26:28 auf die Reise, dann war es Pekeler, der seine Hand an den Ball bekam und seinerseits Duvnjak auf die Reise schickte. Drei Treffer in drei Minuten - die Kieler waren wieder im Spiel! Erst Recht, nachdem Sagosen erst ausglich und dann das 29:28 (56.) nachlegte. Dann wurde es richtig hektisch, Veszprem scheiterte vier Mal in Folge an Landin, bekam aber jedes Mal wieder den Ball zugresprochen. Beim fünften Mal hatte der Däne den Ball sicher, doch ein Fehlpass im Angriff bescherte Vezprem den Ausgleich durch Fahty Omar. 18 Sekunden blieben nach Duvnjaks Steal für den Siegtreffer - dann übernahmen die spanischen Unparteiischen die Hauptrolle auf dem Feld: Der THW hätte bei fünf verbleibenden Sekunden einen Freiwurf ausführen dürfen. Corrales boxte den Ball mit einem Hechtsprung auf die Tribüne, um eben diesen zu verhindern. Die Zeit lief ab, doch statt eines Siebenmeters für den THW Kiel gaben die Schiedsrichter nur einen Freiwurf - den in Köln möglichen Videobeweis nutzen sie nicht. Also Verlängerung!

In dieser legten die Ungarn vor, der THW mit einem nun immer den direkten Weg zum Tor suchenden Steffen Weinhold zog nach. Bis zum 32:32. Dann fädelte Marguc bei Patrick Wiencek ein, stieg dem bereits stehenden Kieler Kreisläufer auf den Fuß. Jetzt bemühten die Unparteiischen den Video-Beweis - und schickten Wiencek mit Rot vom Feld. Eine enorme Schwächung für die Zebras, zumal Mahé den anschließenden Siebenmeter sicher verwandelte, Corrales mit einer starken Parade gegen Sagosen die Basis zum 34:32 durch Nenadic legte. Noch einmal wurden die Seiten gewechselt, angesichts des Spielverlaufs wurden Erinnerungen an 2016 wach, als die Zebras ebenfalls an Veszprem nach Verlängerung gescheitert waren.

Die Geschichte sollte sich aber nicht wiederholen, weil die Schwarz-Weißen nach dem erzwungenen Aus für Wiencek noch enger zusammenrückten und wirklich die letzten Reserven aus den Körpern holen, um sich und ihren Fans den Traum vom Finale zu sichern. Im Mittelpunkt: Hendrik Pekeler. Er traf nach Wiederanpfiff zum wichtigen 33:34, sicherte sich im Stile eines Rebounders einen Abpraller und netzte zum 34:34 ein. Ganz stark. Das beeindruckte auch die Ungarn, bei denen Borozan sich ein Stürmerfoul leistete - Weinhold sah den an den Kreis eingelaufenen Ekberg, der zur erneuten THW-Führung traf. Doch es blieb weiter dramatisch: Mahé glich vom Siebenmeterstrich aus, die Kieler spielten einen langen Angriff. Sagosen spielte den Ball mit einem etwas zu hoch angesetzten Bodenpass auf Ekberg, der aus ganz spitzem Winkel ins kurze Eck einnetzte: 36:35, aber noch mehr als 30 Sekunden Zeit für Veszprem, erneut zu egaliseren. Doch daraus wurde nichts, weil sich die Zebras in jeden Pass warfen, Blocks setzten, verschoben. Es blieb ein letzter Freiwurf für Veszprem, den Nenadic ins Gesicht von Ekberg warf. Emotionen brachen ihren Bann, Nenadic sah noch Rot - aber der THW Kiel jubelte: Happy-end nach 70 Thriller-Minuten, Finale gegen Barcelona (Dienstag, 20:30 Uhr live bei Eurosport) erreicht!

VELUX EHF Final4, Halbfinale: THW Kiel - Telekom Veszprem: 36:35 (32:34, 29:29, 18:13) n.V.

THW Kiel: Landin (1.-70., 13 Paraden), Quenstedt (41.-46., 1 Parade); Ehrig (n.e.), Duvnjak (4), Sagosen (5), Reinkind (1), Sunnefeldt (n.e.), Weinhold (3), Wiencek (2), Ekberg (7/4), Ciudad (n.e.), Wäger (n.e.), Dahmke (3), Zarabec (3), Voigt, Pekeler (8); Trainer: Jicha

Telekom Veszprem: Cupara (1 SIebenmeter, keine Parade), Corrales (1.-70., 17 Paraden); Manaskov (2), Fahry Omar (5), Moraes, Tönnesen, Nilsson (2), Markussen, Marguc (7), Blagotinsek (1), Shishkarev, Nenadic (2), Mahe (4/3), Maqueda (1), Lekai (4), Borozan (7); Trainer: Davis

Schiedsrichter: Andreu Marin / Ignacio Serradilla Garcia (ESP)
Zeitstrafen: THW: 5 (Pekeler (3.), 2x Sagosen (23., 30.), Dahmke (29.), Duvnjak (46.), Weinhold (70.)) / Veszprem: 5 (Maqueda (5.), Nilsson (11.), 2x Blagotinsek (20., 69.), Moraes (51.))
Rote Karte: Wiencek (64., grobes Foulspiel), Nenadic (70., Gesichtstreffer)
Siebenmeter: THW: 4/4 / Veszprem: 3/3
Spielfilm: 2:0 (5.), 3:1 (6.), 3:3 (7.), 5:5 (9.), 7:5 (12.), 7:6, 10:6 (14.), 10:8, 12:10 (17.), 17:10 (26.), 17:12 (30.), 18:13 ; 18:14 (31.), 20:14 (33,), 22:16 (37.), 22:20 (41.), 24:21 (43.), 24:28 (51.), 29:28 (56.), 29:29 (60.).
Verlängerung: 29:30, 32:32, 32:34; 35:34 (68.), 35:35 (69.), 36:35.
Zuschauer: keine (Lanxess-Arena, Köln)

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin so unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Sie hat heute nicht nur für sich gekämpft, sondern hat auch den deutschen Handball nach vielen Jahren Abwesenheit von diesem Turnier repräsentiert. Wir haben gekämpft wie Löwen, haben keine Ausreden mit unserem kleinen Kader gesucht. Wir sind zweimal fantastisch zurückgekommen in einem Champions League-Halbfinale. Das ist nicht selbstverständlich, und ich haben einen Riesen-Respekt vor meinen Jungs. Ich habe gemerkt: Meine Jungs sind noch nicht fertig, wir haben vielleicht etwas mehr Energie verloren. Aber wir haben heute ein Stück Geschichte geschrieben, und morgen wollen wir ein weiteres Stück hinzufügen.Wir werden alles in dieses Spiel investieren, jeden Tropfen Energie, der noch in uns steckt, um Barcelonas unglaublichen Lauf zu stoppen.

Veszprems Trainer David Davis: Wir haben das Spiel in den ersten 15 bis 20 Minuten verloren. Glückwunsch an meine Mannschaft für eine großartige Leistung - aber heute hat es nicht gereicht.

Veszprems Gasper Marguc: Ich weiß nicht, was mit uns in der ersten Hälfte passiert ist. Das war nicht die Energie, die ich kenne. Wir haben uns dann zwar zurückgekämpft, das das hat auch viel Kraft gekostet. Am Ende hat es dann nicht gereicht. Ich war beim letzten Mal gegen Kiel auf der anderen Seite, als wir das Spiel nach Verlängerung gewannen. Das ist Köln. Glückwunsch an Kiel für den Final-Einzug.

THW-Kapitän Niklas Landin: Das war ein Hin und Her, zehn Minuten vor dem Ende sah es ziemlich schelcht für uns aus. Danach sah es versammt gut aus, aber wir mussten schon wieder in die Verlängerung. Dann war es wieder schlecht, und wir haben uns wieder zurückgekämpft. Unsere Mannschaft hat unglaublich gekämpft und stand die ganze Zeit fest zusammen! Ich freue mich riesig auf das Finale, das wird etwas Besonderes. Nach so einem harten Spiel müssen wir die Kräfte finden, und dann sind wir um 20:30 Uhr wieder bereit.

THW-Kapitän Patrick Wiencek: Es fühlt sich gut an, dieses Spiel gewonnen zu haben. Wir sind schon lange nicht mehr in Köln gewesen, jetzt wollen wir morgen auch noch das Finale gewinnen. Schwer zu sagen, was letztlich den Ausschlag gegeben hat - ich musste die letzten Minuten ja leider auf der Tribüne verfolgen. Aber da hat man gesehen, wie die Jungs gefightet haben. Wenn ich Peke gesehen habe, der das ganze Spiel durchgeackert hat, dann einen sehr entscheidenden Abpraller fängt und das Tor macht, das war Wahnsinn.

 

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